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Wie dicke kommt es für die Dörfer?

Lkw-Umleitung in Brandenburg an der Havel Wie dicke kommt es für die Dörfer?

Für die Orte zwischen Ziesar und Bensdorf kann es eng werden. Diese gehören mit Bücknitz und Rogäsen zur Umleitungsstrecke für den Lkw-Verkehr, der nicht mehr über die Potsdamer Straße in die Innenstadt nach Brandenburg kommt. Noch ist es erträglich, doch das kann sich ändern.

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Auf der offiziellen Umleitung an der Anschlussstelle Ziesar geht es entspannt zu. Nur wenige Laster fahren von der A 2 runter.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Ziesar/Kloster Lehnin. Wenn es in der Stadt Brandenburg mit dem Verkehr klemmt, bekommen zwangsläufig die Dörfer mehr Blech ab. So war es in diesem Jahr, als die Bundesstraße 1 bei Plaue und Gollwitz wegen Bauarbeiten wochenlang voll gesperrt war. Und so wird es wohl für die nächsten Monate sein, weil Brandenburgs wichtigstes Einfalltor für den schweren Lkw-Verkehr nicht mehr passierbar ist – die Brücke über die Bahn in der Potsdamer Straße (B 1/B 102). Als offizielle Umfahrungsstrecke hat der Landesbetrieb Straßenwesen den Umweg über die Autobahn-Anschlussstelle Ziesar (A 2) und weiter auf der Landesstraße über Bücknitz und Rogäsen zur B 1 mit Bensdorf und weiter nach Brandenburg ausgewiesen (MAZ berichtete).

Was von dem sich sonst durch Brandenburg quälenden Verkehr über 16 Tonnen wirklich an der Anschlussstelle Ziesar ankommt, ist im Detail nur schwer zu sagen. Am Donnerstag gegen 9 Uhr waren es gerade mal drei Sattelzüge in 15 Minuten, die von der A 2 auf die Schopsdorfer Chaussee fuhren. Alles kein Problem. Dennoch ist Ziesars Bürgermeister Dieter Sehm (SPD) vorgewarnt. „Ich würde mir wünschen, dass Ziesar von noch mehr Lkw-Verkehr verschont bleibt. Zum Glück ist gerade die Ostumfahrung der B 107 ausgebaut worden. Nicht auszudenken, wenn auch die Umleitungs-Laster noch an der Baustellenampel stehen würden“, sagte Sehm gegenüber der MAZ. Was Ziesars Bürgermeister nicht versteht, ist die Tatsache, dass die Stadt Brandenburg nicht längst die Ertüchtigung des Bahnüberganges über die Plane vorangetrieben hat. So lange bietet die viel näher gelegene Anschlussstelle Wollin über Grüningen und Wilhelmsdorf für Brummi-Fahrer keine Alternative. Denn über 16 Tonnen sind auch an der Plane tabu.

Wer auf der Wusterwitzer Ortsumfahrung einen Lkw sehen will, muss trotz Umleitung eine Weile warten

Wer auf der Wusterwitzer Ortsumfahrung einen Lkw sehen will, muss trotz Umleitung eine Weile warten.

Quelle: Frank Bürstenbinder

In Bücknitz sieht Ortsvorsteher Karl-Heinz Guhl die Lage noch gelassen: „Die Landesstraße ist dafür da, den Verkehr aufzunehmen. Viel mehr ärgert uns der illegale Lkw-Abkürzungsverkehr von der L 93 aus Richtung Glienecke auf der Bücknitzer Straße zur Chausseestraße.“ Mit dem Kreuzungsausbau in Ziesar hat sich die Lage allerdings entspannt. Vom Brandenburger Umleitungsverkehr in Richtung B 1 ist jedenfalls auf der Wusterwitzer Ortsumfahrung nicht viel zu sehen. Gähnende Leere auf dem Teil des ehemals geplanten Autobahnzubringers für das Westhavelland. Das könnte sich nach und nach ändern. Der Stahlproduzent Riva hat auf Nachfrage erklärt, dass kleinere Gemeinden und Wohngebiete in Brandenburg in Zukunft stärker von den Lastern frequentiert werden dürften. Dabei geht es um 200 Lkw täglich, die nicht mehr über die Potsdamer Straße zur Autobahn-Anschlussstelle Brandenburg kommen. „Wir gehen davon aus, dass sich die Spediteure andere Routen suchen werden“, heißt es aus dem Hause Riva.

Darunter könnten Schleichwege sein. Einer führt über Rotschlinde, Krahne und Reckahn über Göttin nach Brandenburg. „In der Tat sehen auch wir die Gefahr, dass ein Teil des Schwerverkehrs über Reckahn und Krahne ausweicht“, sagt Berthold Satzky, Vize-Bürgermeister der Gemeinde Kloster Lehnin. „Solche Belastungen würden wir den Reckahnern und Krahnern gerne ersparen wollen.“ Die Gemeinde macht gegenüber den Verkehrsbehörden einen Forderungskatalog auf, um die Sicherheit der Bürger, insbesondere der Radfahrer während der mehrmonatigen Belastung mit Schwerverkehr zu gewährleisten. Wegen der schmalen Ortsdurchfahrt von Reckahn mit durchschnittlich nur 5,50 Metern Breite plädiert die Kommune für Tempo 30 in der gesamten Ortslage. Für Krahne fordert Satzky die Freigabe der Gehwege für Radfahrer von der Dorfmitte aus bis zum Ortsausgang Richtung Rotscherlinde, damit sich Radler nicht mit Schwerlastverkehr die Straße teilen müssen. Als dritte Forderung bringt Satzky eine vorgezogene Sanierung des Radweges zwischen Krahne und Reckahn ins Spiel und zwar nicht erst im Laufe des nächsten Jahres, wie es geplant war. Sorge bereitet der Gemeinde Kloster Lehnin auch der Fahrbahnabschnitt zwischen der Autobahnbrücke und Göttin. „Der Lichtraumprofilschnitt von Bäumen entlang der Kreisstraße Reckahn von und in Richtung Stadt sollte wegen zu erwartendem Begegnungsverkehr und aus Verkehrssicherheitsgründen deutlich verbessert werden“, sagt Satzky.

Dass eine für die Infrastruktur der Stadt Brandenburg so wichtige Brücke an der B 1 derart vergammeln kann, dass sie zu marode für Schwerlastverkehr geworden ist, wundert den 32-jährigen Marko Lindeke nicht: „Wenn ich sehe, wie reparaturbedürftig viele Straßen sind, kommt die Nachricht, dass eine Brücke so verfallen kann, nicht überraschend.“ Auch der Reckahner fürchtet, dass erheblich mehr Schwerverkehr auf sein Heimatdorf zukommt.

Von Frank Bürstenbinder und Marion von Imhoff

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