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Wie die Alten Platz machen und Birnen säen

Klaus Büstrins letzte Gartenlesung Wie die Alten Platz machen und Birnen säen

„In Gärten gelesen“ ist eine erfolgreiche Reihe des Brandenburger Theaters. Die Gäste, die sich spontan für den Besuch der Veranstaltung entschieden hatten, mussten aus Platzmangel abgewiesen werden. Die Glücklichen, die ihren Platz im Warmen und Trockenen sicher wussten, genossen Klaus Büstrins hohe Kunst des Vorlesens.

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Klaus Büstrin (2. von links) vor der Lesung über die Alten und die Jungen.

Quelle: Ina Schidlowski

Brandenburg/H. „Über dem ganzen Mann schwebt im Äußeren ein Hauch der guten alten Zeit“, schrieb einmal der Journalist Alfred Kerr über Theodor Fontane. Gleiches möchte man über Klaus Büstrin sagen. Erst recht, wenn er ein Buch aufschlägt, die Brille aufsetzt und zu lesen beginnt.

Doch schwingt in diesem Satz nicht auch etwas Mitleidiges um einen Gestrigen mit? Genau das will auf den klugen und charmanten Klaus Büstrin nicht so recht passen. Hat er doch mit seiner letzten Lesung ein Thema ausgewählt, das passender und aktueller nicht sein könnte.

„Die Alten und die Jungen“ lautete der Titel. Wie das gleichnamige Gedicht von Theodor Fontane. Dessen Lebensweg stand im Mittelpunkt des Freitagabends. Nur dass die geplante romantische Stimmung in der Remise im Hof der Brandenburger Bank gegen eine etwas nüchterne im Schalterraum des Bankgebäudes eingetauscht werden musste. Schuld war natürlich das Wetter.

„In Gärten gelesen“ ist eine äußerst erfolgreiche Reihe des Brandenburger Theaters. Die Gäste, die sich spontan für den Besuch der Veranstaltung entschieden hatten, mussten aus Platzmangel zum Bedauern des Veranstalters abgewiesen werden. Die Glücklichen, die ihren Platz im Warmen und Trockenen sicher wussten, genossen, so mancher bei einem Glas Wein, das Erlebnis des Zuhörens.

Klar, lesen kann jeder für sich. Jemandem etwas vorlesen ist schon schwieriger. Das Geheimnis der Lesereihe ist jedoch, die exklusive Auswahl der Texte und die exzellente Art des Vortragens. Abgerundet mit einem musikalisch passenden Programm wird es zum Erlebnis.

Klaus Büstrin zeichnet mit seiner Textauswahl ein menschlich sehr nahes Bild des Schriftstellers Theodor Fontane. Man darf teilhaben an dessen Kindheitserlebnissen in Swinemünde, an seiner sehr amüsanten Sicht auf die eigene Erziehung, die Mutter und den Vater. Oder wie er sich fühlt, als er mit fast 70 Jahren das Ritterkreuzes des Hohenzollernschen Hausordens verliehen bekommt.

Gekicher bricht los, als Büstrin Fontanes Berichte über die allzu menschlichen Geräusche aus der nachbarschaftlichen Wohnung liest oder wie dieser sich über das Berliner Leben von der Qualität der Kleidung bis zum Essen und Trinken auslässt. Er wolle nur „aus patriotischem Gefühl auf Mängel hinweisen“.

Aber auch seine ehrlichen und offenen Äußerungen über die Bayreuther Festspiele geben Anlass zum Schmunzeln. So haben wohl viele der Gäste einen Theodor Fontane noch nicht kennengelernt.

Was es für den Schriftsteller bedeutet haben muss Theaterkritiker zu sein, auf einem extra hervorgehobenen „Parkettplatz 23“ , kann man sich sehr gut vorstellen, wenn er schreibt: „Denn man bilde sich nur nicht ein, dass ein Theaterkritiker ein Richter ist, viel öfter ist er ein Angeklagter. »Da sitzt das Scheusal wieder«, habe ich sehr oft auf den Gesichtern gelesen.“

Bei solchen Textpassagen beginnt sich das Bild von Fontane mit dem von Klaus Büstrin zu vermischen. Ist doch auch er oft auf der Seite der Kritiker zu finden. Die weisen Worte in „Die Alten und die Jungen“ scheinen aus beider Münder zu sprechen.

Die Jungen „beherrschen die Szene, sie sind dran“. Das weiß auch ein erfolgreicher Büstrin, der sich nach 15 Jahren „In Gärten gelesen“ verabschiedet. Da passt natürlich ein Auszug aus dem Roman „Der Stechlin“ hervorragend zum Thema. Der endet mit der Grabrede des Pastor Lorenzen für den verstorbenen Dubslav von Stechlin und bekommt an diesem Abend eine doppelsinnige Bedeutung.

Hat Gerhard Weihe am Klavier immer wieder die Stimmung der Texte aufgegriffen und sie in herrlichen Musikgenuss verwandelt, bricht er an dieser Stelle damit. Ein fröhliches Spiel beginnt und man meint, er habe sich geirrt. Hat er nicht. Denn es folgt „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“.

Und so, wie der weise alte Herr von Ribbeck, eine Birne, wie ein Saatkorn mit ins Grab nahm, um den Kindern auch weiterhin süße Früchte zu spendieren, hat wohl auch Klaus Büstrin ein literarisches Saatkorn in die Brandenburger Erde gesetzt, auf dass es reifen möge.

Von Ina Schidlowski

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