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Brandenburg/Havel Wie ein Brandenburger Arzt Menschen in Seenot hilft
Lokales Brandenburg/Havel Wie ein Brandenburger Arzt Menschen in Seenot hilft
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18:53 13.03.2018
Mit dem deutschen Schiff Sea-Eye ist der Mediziner Gregor Rom aus Brandenburg an der Havel zwei Wochen als Schiffsarzt auf dem Mittelmeer unterwegs, um Hilfe für Flüchtlinge zu organisieren.  Quelle: Gregor Rom
Brandenburg/Valletta

Bereits im letzten Jahr entschloss ich mich aufgrund der großen Tragödie, die sich tagein, tagaus auf dem Mittelmeer abspielt, auf einem jener Schiffe, die in ehrenamtlicher Arbeit Flüchtlinge vor dem Ertrinken retten, Dienst tun zu wollen.

Sein Schiff kreuzt zwischen Malta und der afrikanischen Küste

Ich entschied mich bereits damals für den deutschen Verein Sea-Eye, der mit zwei Schiffen – der Sea-Eye und der Seefuchs – zwischen Afrika und Malta kreuzt. Ich trug ich mich für dieses Jahr in die Crewliste ein.

Den Winter über unternahm der Verein keine Missionen. Die Zeit wurde genutzt, die Schiffe zu überholen, notwendige Reparaturen und Umbauten vorzunehmen. Im März war geplant, die unmittelbare Arbeit der Seenotrettung wieder aufzunehmen.

Sea-Eye und Seefuchs heißen die beiden schon etwas betagten Schiffe, mit denen der deutsche Verein auf dem Mittelmeer wichtige Arbeit leistet.  Quelle: Gregor Rom

In den letzten zwei Wochen kamen nun mehrere Nachrichten, dass dringend Ärzte für die frühen Missionen gesucht werden, gerade zu Beginn mehrere Fahrten bislang unbesetzt seien und einzelne Missionen zu scheitern drohen, da ohne Arzt nicht ausgelaufen werden könne.

Eigentlich sollte es erst am Mittwoch losgehen

So meldete ich mich kurzfristig für die erste Mission der Sea-Eye in 2018 ab dem 14. März. Bereits eine Woche zuvor sollte die Seefuchs zu ihrer ersten zweiwöchigen Mission starten.

Um zu verstehen, was Sea-Eye und Seefuchs im Mittelmeer machen, hier ein paar erklärende Worte: Die Schiffe retten Menschen in Seenot. Keineswegs schleusen sie Flüchtlingen. Sie transportieren in der Regel nicht einmal Menschen zu irgendwelchen Häfen.

Menschen werden mit Schwimmwesten und Getränken versorgt

Beide Schiffe fahren ihr bereits seit längerer Zeit festes Operationsgebiet ab und halten nach mit Flüchtlingen übervoll besetzten und nicht seetüchtigen Booten Ausschau. Werden diese gesichtet, werden sie angesteuert und die Insassen mit Schwimmwesten und Getränken versorgt. Falls medizinische Hilfe notwendig ist, wird diese geleistet.

Einsatz auf hoher See – die Schiffe kreuzen zwischen Malta und Afrika.  Quelle: Gregor Rom

Dabei halten die Schiffe über Funk Kontakt mit dem Maritime Rescue Coordination Center (MRCC) in der italienischen Hauptstadt Rom. Koordinaten von in Seenot befindlichen Booten – in der Regel sind es einfachste Schlauchboote oder Holzkähne – werden durchgegeben und die jeweilige Situationen beschrieben.

Stets mit der italienischen Küstenwache in Kontakt

Anschließend wird vom MRCC ein größeres Schiff entweder einer der zivilen Organisationen oder beispielsweise der Guardia Costiera, der italienischen Küstenwache, gesendet, welches die Menschen abholt und an Land bringt.

Die Sea-Eye und Seefuchs als relativ kleine ehemalige Fischereiboote selbst transportieren in der Regel keine Flüchtlingen, da sie nicht dafür ausgelegt sind. Aufgabe ist das Auffinden und Sichern sowie Hilfeleistungen auf Hoher See. Entsprechend wird während einer Mission, so das Wetter mitspielt, kein Hafen angefahren, sondern die gesamte Zeit auf dem Meer geblieben.

An- und Abreise aus dem eigenen Geldbeutel bezahlt

Nachdem ich mich nun für die erste Mission der Sea-Eye in 2018 verpflichtet hatte, organisierte ich eigenverantwortlich und aus dem eigenen Geldbeutel die An- und Abreise. Stationiert sind die Schiffe wie die vieler privater Organisationen im maltesischen Valletta.

Ich entschied mich, per Zug und Fähre anzureisen. Nachdem ich die Tickets gekauft und die Reservierungen vorgenommen hatte, schloss ich noch notwendige Versicherungen ab und informierte meine Angehörigen.

Am Sonntagabend traf Gregor Rom in Valletta ein

Als Abreisetag aus Brandenburg legte ich für mich Samstag, 10. März, fest. So würde ich am späten Abend des 11. März in Valletta eintreffen und hätte noch zwei volle Tage vor Missionsbeginn, mich in der Basis vorzubereiten.

So arbeitet der Seenothilfe-Verein

Sea-Eye sucht nach Schiffbrüchigen und Ertrinkenden vor der libyschen Küste.

Der Verein versorgt Verletzte an Bord in der Krankenstation.

Die Seenotleitzentrale der italienischen Küstenwache in Rom (MRCC) schickt Schiffe, welche die Flüchtenden übernehmen.

Sea-Eye handelt ausschließlich aufgrund internationaler Gesetze und Vereinbarungen und hält sich an die weltweit gültigen Regeln der Seenotrettung.

Der Verein betreibt sein Lebensrettungsprojekt ausschließlich mit freiwilligen Helfern, die allesamt ohne Bezahlung mithelfen. Sie opfern Freizeit und Urlaub, fliegen auf eigene Kosten zu den Einsätzen nach Malta.

Sea-Eye finanziert sich vorwiegend mit Hilfe von Spenden. Der Verein ist gemeinnützig und rechenschaftspflichtig.

Auch transportiert Sea-Eye keine Flüchtenden und leistet keine Fluchthilfe.

Sea-Eye operiert nicht innerhalb der libyschen Hoheitszone, sondern nur in internationalen Gewässern.

Sea-Eye arbeitet nicht (weder direkt noch indirekt) mit Schleusern oder ihren Organisationen zusammen.

Neben mir als Schiffsarzt gehören zur Crew: der Kapitän, ein Maschinist und mehrere weitere Mitglieder der Mannschaft, von denen mindestens einer Paramedic, also ausgebildeter Rettungsassistenz, ist. Die Verbindungen klappten halbwegs, so dass ich tatsächlich Sonntagnacht im Basiscamp auf Malta eintraf.

Einige Reparaturen nötig, bevor das Schiff ablegen kann

Vor Ort wurde ich am folgenden Tag informiert, dass die Reparaturen an beiden Schiffen noch nicht abgeschlossen seien und auch die Seefuchs, welche bereits seit einigen Tagen unterwegs sein sollte, noch im Hafen liege. Ihre Abfahrt sei jedoch für Dienstag vorgesehen. So verbrachten wir den Montag mit letzten notwendigen Reparaturen und Probefahrten.

Weiterhin wurde entschieden, dass ich bereits die erste Mission der Seefuchs mitfahren könne. Diese sollte nach Planungen stark verkürzt lediglich bis zum Samstag dauern, da vom Wetterdienst ein schweres Unwetter angekündigt war. Und da die Sea-Eye ihrerseits noch nicht fertig repariert und bis Sonntag noch einiges zu tun sei, würde da nichts kollidieren.

Der Arzt muss erst einmal handwerklich tätig werden

Ich selbst arbeitete auf der Seefuchs am Montag im Mast bei der Montage der Funkantennen. Bei der Probefahrt vor Malta bei rauer See musste ich feststellen, dass es schon ein Unterschied ist, statt auf einem großen Containerschiff, auf denen ich bislang mehrmals gefahren war, auf einer kleinen Nussschale auf dem Meer unterwegs zu sein. Der Seegang machte mich etwas seekrank.

Zwei Nächte im Basiscamp, dann ging es los

Nach einer zweiten Nacht im Basiscamp, aus dem ich noch meine Sachen abzuholen hatte, ging es Dienstagfrüh zurück in den Hafen. Es galt, den notwendigen Diesel für die Mission an Bord zu bunkern und dann endlich zur Mission Seefuchs 1/2018 in See zu stechen.

Ich hoffe tatsächlich auf eine ruhige Reise, wenig Abwechslung und gern auch viel Langeweile, da dies bedeuten würde, dass keine Rettung von Menschen aus wirklich lebensgefährlichen Lagen notwendig sein würde.

Der Autor wird in der MAZ von den weiteren Etappen seiner Reise berichten.

Von Gregor Rom

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