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Brandenburg/Havel Wie ein Brandenburger einen spielfreudigen Schüler betrogen hat
Lokales Brandenburg/Havel Wie ein Brandenburger einen spielfreudigen Schüler betrogen hat
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10:53 11.02.2019
Der Angeklagte hat Pakete bestellt und liefern lassen, aber die Ware anschließend nicht bezahlt. Wegen mehrfachen Betruges soll er eine weitere Gefängnisstrafe verbüßen. Quelle: Bodo Marks/dpa
Brandenburg/H

Man kann sich die Verzweiflung des 15 Jahre alten Schülers vorstellen, der gut zwei Jahre später im Amtsgericht Brandenburg als Zeuge aussagt. Bei Ebay im Internet entdeckt er kurz vor Weihnachten 2016 eine Spielkonsole, die ein Mann aus Brandenburg/Havel zum Verkauf anbietet. Der Preis ist günstig, sein Taschengeld reicht dafür.

Der Schüler aus Hannover bestellt, bezahlt und ist glücklich. Vor seinem geistigen Auge sieht er sich schon über die Feiertage vor der Konsole sitzen und mit Freunden spannende Spiele machen. Schnelle Lieferung ist zugesagt.

Der Junge wartet vergebens auf sein selbst gemachtes Weihnachtsgeschenk. Mit jeder elektronischen Nachricht und jedem Anruf bei dem heute 57 Jahre alten Brandenburger wachsen erst seine Ungeduld und dann Zweifel und Enttäuschung.

Spielkonsole kommt nie an

Der angebliche Verkäufer aus der Brandenburger Altstadt wird die bestellte Spielkonsole nie schicken. Anfangs vertröstet er den Jungen, macht ihm sogar Vorwürfe wegen dessen Misstrauen.

Der Brandenburger erfindet Ausreden, erzählt am Ende gar, dass seine Tochter einen Autounfall gehabt habe und die bestellte Ware dabei kaputtgegangen sei. Als der Schüler nach dem verpatzten Weihnachtsfest wenigstens sein Geld zurückbekommen möchte, meldet sich unter der Mailadresse und am Telefon niemand mehr.

Ähnlich wie dem Jungen ist es einer erwachsenen Frau ergangen, die zur etwa gleichen Zeit bei demselben Brandenburger ebenso erfolglos eine Spielkonsole bestellt und bezahlt hat, ohne die Ware zu erhalten.

Baby-Ananas nicht bezahlt

Der seit Jahren arbeitslose gelernte Dachdecker aus der Altstadt steht wegen sechs Betrugsfällen vor Gericht. Denn er soll im Jahr 2015 bei verschiedenen Internet-Versandhändlern Pakete bestellt und erhalten haben, deren Inhalt er nie bezahlte: exotische Früchte wie Babyananas, Blattschopf, Mango-Auslese, Ur-Banane und Papaya.

Auch zwei Pakete mit Kosmetika ließ der Angeklagte an seine Adresse in der Altstadt schicken. Als Besteller gab er entweder den eigenen Namen in angewandelten Varianten an oder die Namen seiner Ex-Frau und seiner damals minderjährigen Tochter, obwohl die längst nicht mehr an dieser Adresse wohnten.

Seine vierte inzwischen geschiedene Ehefrau musste am Ende den eigenen Ex-Mann anzeigen, weil sie und ihr Kind mit Mahnungen wegen der nicht bezahlten Rechnungen behelligt wurden.

Bezahlen geriet in Vergessenheit

Der Angeklagte ist vor Gericht nur in Ansätzen geständig. An Kosmetikbestellungen kann er sich noch erinnern. „Das Bezahlen ist einfach in Vergessenheit geraten“, erklärt er vor Gericht. Was die nicht verschickten Spielkonsolen angeht, liefert er zwei Erklärungen.

Nämlich die Variante, dass sie beim Autounfall der Tochter zerstört worden seien. Und die Geschichte, dass er mit den Spielkonsolen im Arm auf der Treppe des Hausflurs mit dem Fuß im Geländer stecken geblieben sei, sodass er mit den Geräten stürzte.

Tatsächlich hat sich der Brandenburger einer Operationen unterziehen müssen und kann nicht mehr laufen. Aus diesem Grund blieb er lange Zeit von seiner zweieinhalbjährigen Gefängnisstrafe verschont, die das Schöffengericht bereits im August 2014 gegen ihn verhängt hatte: wegen Internet-Bestellbetruges in mehr als 50 Fällen.

Haftverschonung abgelehnt

Um von der Haft verschont zu werden, hatte der behinderte Mann im vergangenen Jahr ein Gnadengesuch gestellt, das das Justizministerium jedoch abgelehnt habe. Justizbeamte kamen im Oktober ins Krankenhaus und brachten den Patienten von dort ins Gefängnis zur Haftverbüßung.

Nach dem Urteil des Schöffengerichts in dieser Woche kommen zu den zweieinhalb Jahren noch 14 Monate wegen Betruges hinzu. An der Schuld des Mannes habe das Gericht „nicht den Hauch eines Zweifels“, wie Richterin Susanne Götsche sagt.

Besonders „dreist“ findet sie, dass der 13 mal vorbestrafte Angeklagte „unmittelbare im Anschluss an die letzte Verurteilung“ erneut betrogen habe. Vor dem Hintergrund sei das Urteil geradezu milde.

Von Jürgen Lauterbach

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