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Brandenburg/Havel Wie eine kleine Brandenburger Firma Kriegsreste verwertete
Lokales Brandenburg/Havel Wie eine kleine Brandenburger Firma Kriegsreste verwertete
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11:39 17.04.2019
Der VEB Kinderwagen Brandenburg an der Havel baute nach dem Zweiten Weltkrieg Kinder- und Puppenwagen aus Restbeständen der demontierten Brennabor-Werke.. Quelle: Heiko Hesse
Brandenburg/H

Ein besonderes Stück Nachkriegsgeschichte deutsch-sowjetischer Zusammenarbeit in der Stadt Brandenburg war die IBAG. Dahinter verbarg sich eine Gesellschaft, die mit der Abwicklung der Demontage in der Stadt Brandenburg beauftragt worden war.

Geschäftsführer waren Paul Taegener und Hugo Möwius, die durch die sowjetische Stadtkommandantur in Verbindung mit dem Oberlandratsamt Brandenburg/Havel ermächtigt wurden, ein Industriebüro zu gründen. Dessen Aufgabe bestand darin, Material und nicht demontierte Restbestände von Rüstungsfirmen, die von der Brandenburger Provinzialregierung und der Sowjetischen Militäradministration (SMA) Potsdam freigegeben wurden, dem „friedlichen Aufbau“ zu zuführen.

Industrie-Bedarfs-Agentur GmbH, kurz IBAG

Dieses Büro sollte als Verbindungsglied zwischen der deutschen Industrie und den deutschen sowie sowjetischen Dienststellen fungieren. Im Mai 1946 wurde die Industrie-Bedarfs-Agentur GmbH (IBAG) in der Stadt Brandenburg gegründet – durch Bestätigung der Provinzialverwaltung der Mark Brandenburg und des Präsidenten der Industrie- und Handelskammer.

Nach Gründung der IBAG übergab die sowjetische Bezirkskommandantur der Stadt Brandenburg folgende Werke zur Betreuung: Adam Opel AG – Werk Brandenburg, Brennabor, Havelwerk, Excelsior und die Brandenburger Eisenwerke.

Die Mitarbeiter der IBAG mussten die auf diesen Werken lagernden Materialien, die nicht von sowjetischen Demontagetruppen der SMA abgebaut wurden, nach der Freigabe durch die Provinzialregierung Mark Brandenburg und der SMA Potsdam, an die deutsche Industrie zu verkaufen. Verkaufsgrundlage waren Preise vom 1. Mai 1944.

Die Markung des Wagens vom VEB Kinderwagenbau Brandenburg an der Havel. Quelle: Heiko Hesse

Der Erlös aus den Verkäufen wurde zu 85 Prozent wöchentlich bei der Stadtkommandantur Brandenburg abgeliefert. 15 Prozent blieben bei der IBAG für Verwaltungskosten. Die IBAG hatte anfangs 100 Arbeiter, die Höchstzahl lag im Jahre 1946 bei ungefähr 210 Arbeitern.

Aus Restbeständen der Brennaborwerke etwa sind nach dem Krieg Kinder- und Puppenwagen gefertigt worden. Man erkennt den Unterschied zu den früheren Wagen an den dünneren Achsen. Einer dieser Wagen steht in der Brennabor-Ausstellung im Industriemuseum.

Sammelschau im alten Havelwerk

Neben der Demontage organisierte die IBAG unter anderem eine Sammelschau der Brandenburger Industrie. So konnte man von September bis Oktober 1946 Materialien aus dem Trophäenlager (so nannte man die übernommenen Bestände aus den Rüstungsbetrieben) im ehemaligen Havelwerk besichtigen. Als „Unterabteilung“ dieser Schau wurden die auf dem Gelände des Opelwerkes befindlichen Teile des Opel Blitzes aufgestellt.

Perspektivisch plante man bei der IBAG, das Verwaltungsgebäude der Havelwerke zu übernehmen. In der ersten Etage sollten Fertigerzeugnisse ausgestellt, in der zweiten Etage die Büros der Verwaltung und in der dritten Etage ein Umschulungsraum, ein Labor und eine Materialprüfstelle untergebracht werden.

Der Opel-Blitz-Laster ist in Brandenburg an der Havel hergestellt worden.   Quelle: Heiko Hesse

Ende 1946 kam es im Oberlandratsamt Brandenburg/Havel zwischen Vertretern der IBAG und der Provinzialregierung Mark Brandenburg zu einer Besprechung wegen der treuhänderischen Verwaltung der Demontagebetriebe. Im Kern des Gespräches ging es darum, dass „die Treuhänderschaft in eine Rechtsform gekleidet [werden musste].“

Dazu erfolgte laut einer Bekanntmachung des Gesetzes- und Verordnungsblattes der Provinzialregierung Brandenburg vom 8. April 1947 die Eintragung der Gesellschaft in das Handelsregister B unter der Nr. 72 als IBAG Industrie-Bedarf Agentur Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Sitz: Brandenburg (Havel). Auf einem Flugblatt, das für eine Sammelschau auf dem alten Havelwerk-Gelände warb, ist Burghof 6 als Firmenadresse ausgewiesen.

Die Fabrikation von bestimmten Industriebedarfsartikeln

Gegenstand des Unternehmens war die Vermittlung zwischen der Industrie und den deutschen und sowjetischen Dienststellen zur Beschaffung der benötigten Rohstoffe und Produktionsmittel und die Industrieberatung innerhalb der Provinz Mark Brandenburg. Darüber hinaus ging es auch um die Fabrikation von bestimmten Industriebedarfsartikeln. Das Stammkapital belief sich auf 25.000 Reichsmark.

Geschäftsführer waren der Dolmetscher Hugo Möwius und der Ingenieur Paul Taegener – beide aus Mahlow (heute Teltow-Fläming). Dem Ingenieur Hermann Kobel in Berlin wurde Prokura erteilt mit der Maßgabe, dass er die Gesellschaft nur in Gemeinschaft mit einem Geschäftsführer vertreten kann.

Stadt meldet Unstimmigkeiten

Doch es zogen dunkle Wolken über der Gesellschaft auf. Im Laufe des Jahres 1947 vermerkte der Rat der Stadt Brandenburg, dass die IBAG, „welche im Auftrage der Besatzungsmacht bzw. der SMA die Trophäen aus den Rüstungsindustrien in Form von Rohstoffen und anderen Materialien veräussern soll, nicht immer die sonst üblichen Gebahren eines einwandfreien Handelsunternehmens zur Schau trägt“.

Weiter heißt es: „Es ist also festzustellen, dass die IBAG sich nicht den Anordnungen der Provinzialregierung in ehrlicher und fairer Weise fügt.“ Was genau Anlass zur Kritik gab, ist nicht bekannt.

Hinzu kam allerdings, dass sich Hugo Möwius im Zuge der Entnazifizierung vor den administrativen Stellen verantworten und aus der IBAG ausscheiden musste.

Geschäftsführer entlassen

Wegen der beschriebenen Probleme übernahm der Rat der Stadt Brandenburg die treuhänderische Verwaltung der ehemaligen Rüstungsbetriebe. Infolgedessen kam es durch Gesellschafterbeschluss vom 27. November 1947 zur Auflösung der IBAG. Die Geschäftsführer wurden ihrer Posten enthoben.

Per Gesellschafterbeschluss vom 8. Februar 1948 wurde der Angestellte Walter Zappe zum Liquidator bestellt, die Vertretungsbefugnis von Hans Ammon war erloschen. Zum 13. September 1951 veröffentlichte das Amtsgericht Brandenburg die Liquidation der IBAG. Damit ist die Firma „erloschen“.

Von Stefan Menzel

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