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Wie sich eine Stadt für den „Blackout“ rüstet

Brandenburg an der Havel Wie sich eine Stadt für den „Blackout“ rüstet

Was ist, wenn in einer Stadt der Strom wegbleibt und das gleich für mehrere Stunden. Ein Horrorszenario. Aber eines, mit dem sich Städte beschäftigen müssen. Ein exemplarischer Blick nach Brandenburg an der Havel zeigt, welche Maßnahmen getroffen werden müssen. Man ist gut vorbereitet. Aber ein Problem könnte auftreten.

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Das Energienetz ist die Lebensader im Normal- wie im Katastrophenfall – manchmal ist es aber auch anfällig.

Quelle: dpa

Brandenburg/H. Und plötzlich ist der Strom weg – nicht nur für ein paar Minuten oder Stunden. Was dann?

Beigeordneter Michael Brandt (CDU) hat von Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU) den Auftrag bekommen, das Katastrophenschutzkonzept der Stadt zu überarbeiten und zu aktualisieren. Was passiert bei einem Stromausfall, der länger als 24 Stunden anhält? Was bei einem Wasserversorgungsausfall von mehr als zwei Stunden? Wie ist die Versorgung bei einem extremen Winter gewährleistet? Was passiert bei einem flächendeckenden EDV-Ausfall? Diese und andere Fragen sind dabei zu beantworten.

Abwegig sind die Szenarien nicht, im Jahre 2005 waren im Münsterländer Schneechaos eine Viertelmillion Menschen drei Tage ohne Strom. Im März 2015 betraf es 76 Millionen Menschen für neun Stunden in der Türkei, nachdem mehrere Kraftwerke ausfielen und die Netzkopplung mit dem europäischen Verbundsystem getrennt wurde.

Stadtwerke und das Klinikum sind entscheidend für das Funktionieren der Stadt

„In unserer städtischen Infrastruktur gibt es zwei zentrale Punkte – die Stadtwerke und das Klinikum. Beide sind entscheidend für das Funktionieren der Stadt“, sagt Brandt. Er werde jetzt keine Panik machen, „sondern in Ruhe ein Bewusstsein dafür schaffen, dass auch vor dem Klinikum eine Riesenaufgabe steht“.

Ein Risikomanagement gibt es bereits seit vielen Jahren, sagt Klinikumsgeschäftsführerin Gabriele Wolter. „Wir haben mehrere Notstromaggregate, zudem eine Akku-Pufferung für die sensiblen Bereiche in Radiologie, Operationstrakt, Labor und Intensivstation.“ Unterbrechungsfreie Stromversorgung nennen das die Experten. „Wir haben Brandt gebeten, auf Stadtwerke und Brawag hinzuwirken, damit wir mindestens immer Wasserzufuhr haben. Die meisten Geräte schalten sich automatisch ab oder gehen kaputt, wenn sie kein Wasser bekommen.“ Es sei auch noch reine Theorie, doch längerfristig arbeitet die Klinikführung darauf hin, ein eigenes Blockheizkraftwerk BHKW gemeinsam mit den Stadtwerken zu errichten. Doch seien die Mittel eben begrenzt.

Der „Blackout“

Unter einem Stromausfall (Englisch: Blackout) versteht man eine unbeabsichtigte Unterbrechung der Versorgung mit Elektrizität.

Station blackout ist ein Komplett-Stromausfall vor Ort, in einer Region.

Mit den Folgen befasst hat sich das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag.

Auf der Webseite www.tab-beim-bundestag. de findet man unter anderem eine Veröffentlichung vom 5. Juli 2011 „Was bei einem Blackout geschieht“.

Die Ausfallwahrscheinlichkeit der Stromnetze wird größer, weil die Gefahr terroristischer Angriffe und klimabedingte Extremwetterereignisse als Ursachen eines Netzzusammenbruchs zunehmen werden.

Brandt legt nach: „Wer die teuerste medizinische Ausbildung im Land mit der MHB freiwillig übernimmt, der hat auch Geld für den Katastrophenschutz.“ Eine Annäherung hat es bereits gegeben: Beim jüngsten Treffen von Gabriele Wolter, Brandt und dem Technischen Stadtwerkegeschäftsführer Gunter Haase soll die Klinikumschefin dem Beigeordneten gesagt haben, dass das Klinikum eine komplett städtische Aufgabe beim Katastrophenschutz übernimmt – also müsse die Kommune dazu auch ihren Beitrag leisten.

Entsorgung von Abwasser könnte schwierig werden

Auch die Stadtwerke seien dazu bereit, betont Haase. „Wir stehen mit dem Klinikum in intensiven Verhandlungen über dessen neues Energiekonzept.“ Ein BHKW sei dabei nur eine Variante, allerdings eine teure. Sie muss einen Schwarzstart können – also unabhängig vom Stromnetz vom abgeschalteten Zustand ausgehend hochfahren. Dies ist insbesondere bei einem flächendeckenden Stromausfall von Bedeutung, um das Netz wieder in Betrieb zu nehmen. Zudem muss sie inselfähig, also unabhängig vom übergeordneten Netz sein. Das Klinikum habe vier leistungsfähige Notstromaggregate, im Katastrophenfall müssten örtliche Brennstoffhändler zwangsrekrutiert werden, diese zu beliefern.

Die Stadtwerke könnten zudem Fernwärme produzieren, diese transportieren und umwandeln. Auch die Wasserversorgung sei mit Notstrom zu sichern.

Schwierig wird das Entsorgen von Abwasser, weil nicht alle Pumpstationen mit Strom versorgt werden können. Und unmöglich wird es sein, mit den Gasturbinen das städtische Stromnetz zu versorgen – sie können ohne das übergeordnete Netz nicht die erforderliche Frequenz für ein stabiles Energieversorgen aufbringen.

Von André Wirsing

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