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Wieder Dampf auf dem Kessel

Brandenburg an der Havel Wieder Dampf auf dem Kessel

115 Jahre alt und funktioniert immer noch, wenn die Mechanik auf dem Schwimmdampfbagger Rawa 2 wieder flott gemacht ist und es einen neuen Kessel gibt. Der alte hat mittlerweile so dünne Wände, dass er acht bar Dampfdruck nicht mehr aushält. Das Museumsschiff ist ein Unikat in ganz Ostdeutschland.

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Im Historischen Hafen am Packhof liegen der Dampfschiffbagger Rawa 2 und davor die Transportschute fürs Materilal Rawa 6.

Quelle: Ruediger Boehme

Brandenburg/H. Er ist ein Unikat in ganz Ostdeutschland – der 1903 in Hamburg-Altona gebaute Schwimmdampfbagger Rawa 02 nebst Transportschute Rawa 06.

Aus Sorge um den Verlust dieses wertvollen Zeugnisses der Technikgeschichte erfolgte im Februar 1997 der Erwerb durch die Stadt zur Trägerschaft des Museums und die Unterschutzstellung als technisches Denkmal. 1998/99 wurden beide Geräte in einer Sanierungs-ABM der Bas aufgearbeitet. Angeleitet wurden die Arbeiten damals durch den heutigen Vorsitzenden des Historischen-Hafen-Vereins Wolfgang Unger. Geräte heißen sie deshalb, weil sie zwar schwimmfähig sind, sich aber nicht aus eigener Kraft fortbewegen können – sie müssen immer geschoben oder gezogen werden.

Im Jahr 2012 wurde auf der Werft in Genthin festgestellt, dass der Schiffskörper des Dampfbaggers stark korrodiert war – speziell zwischen Kimm (Übergang vom Boden zu den Seitenwänden) und Schwimmwasserlinie. Es gab so viele und große Rostporen, dass die Außenhaut schon bedenklich dünn wurde. An manchen Stellen musste sie sogar ersetzt werden. An beiden Geräten mussten nach den Reparaturen die Schiffskörper noch nachhaltig konserviert werden. Zwischenzeitlich war die Schute sogar gesunken. 50.000 Euro Fördermittel gab es damals aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm IV. 2014 war das Sanieren schließlich abgeschlossen.

Seit 1912 in Brandenburg

1912 erwarb die Brandenburger Schiffswerft Fritz und Otto Mette den Bagger von einer Ziegelei aus dem Umland.

Der Betrieb besaß zu damaliger Zeit als einzige Werft in Berlin-Brandenburg die Möglichkeit, havarierte Schiffe zu bergen.

Im Jahr 1966 übernahm die ehemalige PGH Wasserbau als Nachfolgebetrieb der Firma Mette das Gerät und nutzte es bis zu ihrer Liquidation 1997.

Aber damit waren Bagger und Schute lediglich schwimmfähig. Die nahezu original erhaltene Maschinentechnik „ist eines der letzten Zeugnisse einer inzwischen ausgestorbenen Technik, sie von einer hohen Funktionalität und Belastbarkeit und hat für das Land Brandenburg einen technikgeschichtlichen Alleinstellungswert“, sagt Katrin Witt, Leiterin der städtischen Denkmalbehörde. Hiesige Firmen wie Metallbau Gartensleben, der Gerüstbauer Zatlidis oder Dachdecker Rathsack spendierten Arbeitsleistungen, Kesselreinigung, Bohlen und Schiffsböden.

Doch nun geht es an die letzte Etappe – das Gangbarmachen der alten Technik. Deren Herzstück ist der alte Dampfkessel in dem drehbaren Kran. der auch zum Rammen und Ziehen von Pfählen verwendet werden kann. Die Kessel-Außenhaut muss ersetzt werden, weil sie teilweise nur noch 2,2 Millimeter dünn ist, das ist zu wenig für acht bar Dampfdruck. Ventile und Handspeicherpumpe müssen aufgearbeitet werden.

Der Vereinschef vom Historischen Hafen Unger hat nun eine Spezialfirma aufgetrieben – Schneider Kessel aus Berlin – die auch schon historische Dampfloks aufgearbeitet hat. Der Juniorchef ist ganz begeistert von dem alten Kessel. Doch gebraucht werden noch Maschinenbaubetriebe, welche es schaffen, die ganze Mechanik von Unter- und Oberwagen wieder beweglich zu machen. Das Gesamtbudget ist begrenzt mit insgesamt gut 23.000 Euro, davon 7000 Euro von der Stadt, der Rest von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. „Bislang bin ich häufig auf offene Ohren gestoßen, wenn man gut argumentiert, Fotos zeigt und erklärt, warum die alte Technik für Schau- und Museumszwecke wieder funktionieren soll“, sagt Unger.

Zu besichtigen ist die Dampframme zum Tag des offenen Denkmals am 10. September, 11-16 Uhr. Es gibt auch Gegrilltes und Getränke.

Von André Wirsing

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