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Wieder Leben hinter hohen Fenstern

Stadtsanierung in Ziesar Wieder Leben hinter hohen Fenstern

Ziesar hat einen Hingucker mehr: Zur Schaustelle wird an diesem Sonnabend um 11 Uhr das sanierte Wohn- und Geschäftshaus Petritor 38. Das klassizistische Gebäude wurde nach jahrelangem Leerstand komplett saniert. Interessierte können Teile des Erdgeschosses besichtigen.

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Bauherr Thomas Gobel vor dem sanierten Wohn-und Geschäftshaus Petritor 38.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Ziesar. Ein junger Walnussbaum auf frischem Rasen ist die neue Mitte zwischen dem klassizistischen Wohn- und Geschäftshaus und einem modernen Zweckbau in zweiter Reihe, der als Firmensitz dient. Wer in Ziesar das Grundstück Petritor 38 betritt, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Dank mutiger Investoren und des Bund-Länder-Programms zur Städtebauförderung ist ein beinahe vergessenes Areal zu einer Vorzeigeimmobilie in Ziesars Sanierungsgebiet geworden.

In neuen Händen

Der wohlhabende Tonwarenfabrikant Ferdinand Ziewitz ließ das Wohn- und Geschäftshaus 1879/80 im Petritor errichten, zum Teil auf den Kellerräumen eines Vorgängerbaus. Wegen seiner mächtigen Kubatur passte es nur mit der Giebelseite zur Straße. Der Volksmund machte aus dem Gebäude die „russische Botschaft2.

1941 kaufte der Bauunternehmer Helmut Schmidt das Haus. Die Firma wurde in der DDR verstaatlicht, das Haus blieb in Privatbesitz. Später war es Außenstelle des BMK Ost. Letzter gewerblicher Mieter war der Baubetrieb TSK. Auch für Wohnungen wurde das Gebäude genutzt.

Der Ziesarer Handwerksmeister Bernd Gobel kaufte die leerstehende Immobilie 2014 vom Vorbesitzer und übertrug sie seinem Sohn Thomas.

Zwar bestimmt unverändert die für Ziesar ungewohnt pompöse Kubatur der einstigen Fabrikantenvilla die Szenerie, doch das 1879/80 errichtete Gebäude ist kein mausgrauer und verlassener Klotz mehr. Seit der denkmalgerechten Sanierung ist wieder Leben hinter die hohen Fenster eingezogen. Die drei Wohnungen im Obergeschoss sind vermietet.

Das repräsentative Foyer des Wohn- und Geschäftshauses

Das repräsentative Foyer des Wohn- und Geschäftshauses.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Im repräsentativen Foyer mit seinen orientalisch-bunt anmutenden Fußbodenfließen gibt es Zugänge zur Niederlassung des Pflegedienstes Pro Vital und zu noch ungenutzten Räumen, die für eine Arztpraxis konzipiert wurden, aber auch als Büro denkbar wären. Ein barrierefreier Zugang an der Rückseite des Hauses macht das Erdgeschoss für Rollstuhlfahrer zugänglich.

In Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde hat sich Hausherr Thomas Gobel für grün-graue Farbtöne an der Fassade entschieden. Um Nuancen dunkler abgesetzt sind der Sockel und der auf der Nordseite vorhandene Haupteingang mit seinen Halbsäulen,korinthischen Kapitellen und Zierreliefs. „Ich bin stolz, dass wir mit der Sanierung wieder einen echten Hingucker für die Stadt geschaffen haben. Stolz bin ich aber auch auf die Energie und den Fleiß, der von allen beteiligten Gewerken aufgebracht wurde“, sagt Thomas Gobel. Sein Vater Bernd hatte die leerstehende Immobilie 2014 vom Vorbesitzer gekauft und seinem Sohn übertragen.

Thomas und Vater Bernd Gobel vor ihrem neuen Firmensitz auf dem Hof der ehemaligen Fabrikantenvilla

Thomas und Vater Bernd Gobel vor ihrem neuen Firmensitz auf dem Hof der ehemaligen Fabrikantenvilla.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Das große Grundstück dient inzwischen dem Familienbetrieb als Sitz seiner Heizung- und Sanitärfirma. Dafür entstand an Stelle alter Garagen ein Neubau samt Außenanlagen auf dem Hof. An diesem Sonnabend kann das Ensemble im Rahmen des bundesweiten Tages der Städtebauförderung von 11 bis 12 Uhr von Interessierten besichtigt werden. Bürgermeister Dieter Sehm, die Stadtsanierungsgesellschaft und der Bauherr informieren über die Arbeiten. Die Petritor-Anwohner sorgen für das leibliche Wohl.

Von Frank Bürstenbinder

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