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Brandenburg/Havel Wieder eine Hausarztpraxis weniger
Lokales Brandenburg/Havel Wieder eine Hausarztpraxis weniger
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15:07 13.12.2017
Genau 25 Jahre hat Birte van de Kamp in Brielow als Allgemeinärztin praktiziert. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Brielow

Mit gemischten Gefühlen wird Birte van de Kamp am 28. Dezember für immer ihre Arztpraxis in der Chausseestraße schließen. „Es macht mich nicht glücklich. Aber ich habe auch kein schlechtes Gewissen“, sagte die Allgemeinmedizinerin der MAZ. Den Weg in die Rente hatte sich die Brielower Ärztin für sich und ihre 800 Patienten anders vorgestellt. Was sie bedauert ist die erfolglose Suche nach einem Nachfolger. Niemand will die Praxis in der prosperierenden Gemeinde vor den Toren der Stadt Brandenburg haben. Andererseits geht Birte van de Kamp auf die 67 zu. Wer würde ihr nicht einen wohlverdienten Ruhestand gönnen.

Genau 25 Jahre war die Ärztin für ihre Patienten da, die etwa zur Hälfte in Brielow und den umliegenden Dörfern leben. Die anderen Kranken, die ihre Hilfe in Anspruch nehmen, wohnen in der Stadt Brandenburg. Sie alle müssen sich einen neuen Hausarzt suchen. Einfach wird das nicht. Viele Praxen sind längst an ihre Kapazitätsgrenzen angelangt. Wenigstens für ihre oft betagten und nicht mehr mobilen Hausbesuchspatienten hat Birte van de Kamp über Berufskollegen eine Lösung gefunden.

Anschlag im Warteraum von Birte van de Kamp. Quelle: Frank Bürstenbinder

„Anderen kann ich den einen oder anderen Rat geben. Doch die Masse wird sich selbst auf die Suche begeben müssen“, so die scheidende Ärztin. „Alles Gute!“ wünscht sie ihren Patienten auf gleich drei großen Anschreiben, die im Wartebereich hängen. Sie mögen sich bei der Arztsuche notfalls an ihre Krankenkasse wenden. Oder an einen Landtags- oder Bundestagsabgeordneten, so Birte van de Kamp. Die angespannte Lage bei den Hausarztpraxen sei für sie eine Folge der verkorksten Gesundheitspolitik. Obwohl jedes Jahr tausende Absolventen die Universitäten verließen, käme von den jungen Ärzten niemand auf dem Lande an. Im Interesse des Allgemeinwohls sei der Staat in der Pflicht eine Steuerungsfunktion zu übernehmen, findet jedenfalls die Brielower Ärztin.

In Deutschland sind es die Kassenärztlichen Vereinigungen, die regeln, wie viele Mediziner einer bestimmten Fachrichtung sich in einer Region niederlassen dürfen. Gegen eine Neubesetzung der Hausarztpraxis in Brielow spricht aus Sicht der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB) nichts. Sogar für eine weitere Zulassung ist der Mittelbereich Brandenburg an der Havel, zu dem die Gemeinde Beetzsee in der Bedarfsplanung zählt, geöffnet. Nur zwangsverpflichten kann die Kassenärztliche Vereinigung keinen Arzt. Im übrigen hat sich nach Ansicht von KVBB-Sprecher Christian Wehry die hausärztliche Versorgungssituation im Bereich Brandenburg trotz der Praxis-Aufgabe in Brielow deutlich stabilisiert. Wehry verweist auf die Neugründungen in der sieben Kilometer entfernten Havelstadt durch die Allgemeinmediziner Mario Zerbaum am Molkenmarkt 32 und Regina Rusch in der Rosa-Luxemburg-Allee 2. Zur Zeit gibt es im Planungsbereich Brandenburg 66,25 ambulant tätige Hausärzte. Das ergibt einen Versorgungsgrad von 109,1 Prozent. Erst wenn der Versorgungsgrad bei mehr als 110 Prozent liegt, würde die KVBB keine Neugründungen mehr zulassen. Für die Patienten in Brielow ist die Statistik ein schwacher Trost. In Notfällen ist jeder Arzt verpflichtet Patienten zu behandeln. Nimmt jedoch eine Hausarztpraxis aus Kapazitätsgründen keine neuen Patienten auf, kann die KVBB nichts dagegen unternehmen.

Es gab Ärzte, die sich für die Praxis interessierten. Doch einem Berliner war der Weg zu weit, ein anderer wollte nur wenige Tage in der Woche arbeiten. „Leider kam es auf aufgrund unterschiedlicher Vorstellungen zu keiner Übernahme“, bestätigte auch KVBB-Sprecher Wehry. Und was macht die Kommunalpolitik? Schon lange war die drohende Schließung bekannt. Doch erst auf der jüngsten Ratssitzung bekannte Bürgermeister Rainer Britzmann (CDU): „Amt und Gemeinde werden sich bemühen. Aber zum Jahreswechsel klappt das nicht.“ Gemeindevertreter Manfred Gorecki (Bürgerliste) macht sich keine Illusion: „Wenn Frau van de Kamp geht, ist die Praxis weg.“ Radeweges Ortsvorsteherin Corinna Breite appellierte an die Gemeinde „irgendwie einen Arzt herzulocken“. Für eine Antwort ist es zu spät.

Von Frank Bürstenbinder

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