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Brandenburg/Havel Wildschweine fallen über Kleingärten her
Lokales Brandenburg/Havel Wildschweine fallen über Kleingärten her
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09:48 14.07.2018
Ärgern sich über Wildschweine in ihrer Gartensparte: Katrin Plöhn, Konrad Dummer und Wolfgang Förster (r.). Quelle: Frank Bürstenbinder
Brandenburg/H

 Der Keiler war wieder da. „Am Kompost hinterm Maschendrahtzaun tauchte der Lümmel auf. Der hat sich genauso erschrocken wie ich“, berichtet Petra Jan. Eine Forke steht bei der Kleingärtnerin immer griffbereit. Zur Selbstverteidigung. Falls das Schwarzwild mal wieder vor der Datschentür steht.

Was die Obst- und Gemüseanbauer in der Sparte „Handwerk“ am Planeweg derzeit erleben, kommt einer Belagerung gleich. Es vergeht keine Woche ohne Flurschaden. „Rottenweise ziehen die Schweine durch unsere Parzellen. Es ist ein Jammer. Einige unserer Mitglieder sind am Verzweifeln, denken sogar an Aufgabe“, bedauert Vorstand Katrin Plöhn.

Eingangstor zur Gartensparte “Handwerk" Quelle: Frank Bürstenbinder

Auf der Suche nach Nahrung kennen die Wildschweine keine Grenzen. Die Tiere drücken Zäune ein, hebeln Pforten aus den Angeln, trampeln Hecken nieder. Ganz oben auf der Speisekarte stehen derzeit Kartoffeln. Wie bei Torsten Breuer. „Ich bin seit zehn Jahren in der Sparte. So etwas habe ich noch nicht erlebt“, berichtet der Kleingärtner. Bei ihm fällt die Kartoffelernte komplett aus.

Wildschweine sind nicht dumm

Ähnlich geht es Konrad und Charlotte Dummer, die seit 1959 ihrer Scholle die Treue halten. Von den drei Reihen „schönster Kartoffeln“ hat nur eine Pflanze den Besuch der Wildschweine überlebt. Zwar hat das Ehepaar einen soliden Zaun auf der Eingangsseite, doch die Tiere sind nicht dumm. Sie finden die Lücken zwischen den Parzellen, die nicht überall durch Zäune getrennt sind.

Petra Jan ist zur Selbstverteidigung vorbereitet. Quelle: Frank Bürstenbinder

„Inzwischen rüsten viele unserer Mitglieder auf“, weiß Wolfgang Förster, der sich 1980 der Handwerker-Sparte anschloss. Jetzt sollen Betonplatten verhindern, dass sich Wildsäue unter den Spartenzaun am Parkplatz durchwühlen. An anderen Stellen wird die Umzäunung mit Blechen verstärkt. Andere Pächter spannen Drahtgitter vor ihre Hecken, riegeln sich zum Nachbarn ab, verbauen Rasenkantensteine.

Idealer Einstand

Am eigentlichen Problem ändert die Selbsthilfe nicht viel. „Wir vermissen eine stärkere Bejagung. Außerdem ist nicht nur unsere Kolonie von der Plage betroffen“, so Vorstand Katrin Plöhn. Die seit 1912 bestehende Anlage grenzt an das Naturschutzgebiet Stadthavel. Das schwer zugängliche Schilfgebiet ist ein idealer Einstand für Wildschweine. Genau vor ihren Nasen ackern die Kleingärtner.

Immer wieder müssen BAS-Mitarbeiter illegale Ablagerungen vor der Planebrücke beseitigen. Quelle: Frank Bürstenbinder

Es gibt noch einen Grund für Schwarzkittel-Partys an der Plane. Stadtauswärts, kurz vor Planebrücke, müssen Mitarbeiter der städtischen Gesellschaft BAS regelmäßig illegale Müllablagerungen beseitigen. Es handelt sich um in Säcke gefüllte Restabfälle, die zusätzlich Wildschweine anlocken. Doch auch Sperrmüll wird abgeladen. Zwar ist der Fachgruppe Umwelt und Naturschutz das Problem bekannt, doch in der Regel kann kein Verursacher ermittelt werden. „Trotzdem gehen die Bemühungen, die Verursacher in Erfahrung zu bringen, weiter. Dafür steht die Verwaltung in Kontakt mit den Verantwortlichen der Anliegergrundstücke“, teilte Brandenburgs Beigeordneter Michael Brandt der MAZ mit.

Befriedete Bezirke

Auch bei den zuständigen Jägern ist die Lage bei den Plane-Gärtnern bekannt. „Außerhalb der Spartensaison wurden bereits Wildschweine geschossen“, teilte Anett Heinicke von der Unteren Jagdbehörde mit. Gartensparten selbst gelten als befriedete Bezirke. Jagdhandlungen können dort nur auf Antrag und genauer Prüfung der lokalen Gegebenheiten stattfinden. Die Behörde rät dem Spartenvorstand das eigene Gelände noch besser zu sichern. Auch das ungehinderte Durchlaufen des Wildes von Parzelle zu Parzelle sollte mit Zäunen verhindert werden. Für das Kartoffeljahr 2018 kommen diese Erkenntnisse zu spät.

Von Frank Bürstenbinder

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