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Wird die Steinstraße irgendwann autofrei?

Suche nach Verkehrskonzept Wird die Steinstraße irgendwann autofrei?

Die meisten Brandenburger sind auf ihr Auto fixiert, sehr viele nutzen es auch für kurze Wege. Wie bewegt man die Menschen zum Umsteigen auf Öffentliche oder aufs Fahrrad, wie hält man die Blechlawine von der Innenstadt fern? Antworten auf diese und andere Fragen soll ein neuer Verkehrsentwicklungsplan für die Stadt geben.

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Die Steinstraße ist eine stets infarktgefährdete Verkehrsader in der Innenstadt.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Brandenburg/H. „Ich hoffe, dass auch die Befürworter einer absoluten Verkehrsberuhigung in der Innenstadt oder die Vertreter der Radfahrerfraktion gekommen sind. Es dürfte sicher sein, dass am Ende dieses Prozesses dennoch ein Werk stehen wird, das niemandem voll gerecht wird.“ Der Stadtentwicklungsbeigeordnete Michael Brandt eröffnete am Dienstagabend vor etwa 100 Gästen im Altstadt-Rathaus die Bürgerbeteiligung zum Verkehrsentwicklungsplan, der nach 13 Jahren erstmals grundlegend überarbeitet wird.

„Nur wenn sie sich äußern, haben sie auch die Chance wahrgenommen zu werden.“ Es gebe in einer mehr als 1000 Jahre alten Stadt zwar Parameter, die einer komfortablen Verkehrsgestaltung für alle Teilnehmer Grenzen setzten – etwa die alten Wallanlagen oder die vielen Gewässer. Aber dennoch gebe es Optimierungsmöglichkeiten.

Stadt sucht nach einem Verkehrskonzept

Die Vorarbeit haben die Spezialisten vom Ingenieurbüro für Verkehrsanlagen und -systeme IVAS aus Dresden geleistet. Jan Schubert stellte den Brandenburgern erste Analyseergebnisse vor. So sind beispielsweise Bauhof- und Luckenberger Straße trotz ihrer Bedeutung als innerstädtische Havelquerung und wichtige Staßenbahnverbindung als Verkehrsräume mangelhaft – kein Stadtgrün, keine Struktur im Straßenraum, schlechter Belag. Ähnlich sehe es am Neustädtischen Markt und in der Jacobstraße aus.

Hoch belastet mit Lärm und Feinstaub sind Mühlendamm, Otto-Sidow-/Wilhelmsdorfer Straße, Magdeburger Landstraße sowie die B 102-Ortsdurchfahrt von Schmerzke. Genau diese Aussagen deckten sich am Dienstag mit den Beschwerden und Klagen aus dem Publikum.

Lärm und Feinstaub belastet einige Ecken

Das Radwegenetz in der Stadt ist bis auf die Willi-Sänger-Straße und den Grillendamm lückenfrei. Von und nach Paterdamm kommt man praktisch überhaupt nicht mit dem Rad, die anderen Ortsteile sind einigermaßen zufriedenstellend ans Netz angebunden. Es gibt zwar eine gute Wegweisung entlang der touristischen Radwege, doch führen viele Innenstadtstrecken noch über Pflaster. Außerdem gebe es noch größere Unfallgefahren durch die so genannten Zwei-Richtungs-Radwege, die von manchen Autofahrern nicht als solche wahrgenommen werden.

Die Fußwege in der Stadt halten die Verkehrsexperten für angemessen, allerdings sind viele davon auch gepflastert und holprig. In der ganzen Magdeburger Straße gibt es für Passanten, die langsamer unterwegs sind, keine Querungshilfen – also eine Mittelinsel auf der Fahrbahn zum Verschnaufen und Schauen.

Verkehrsbelastung pro Tag

Stadtring: 21.000-33.000 Kfz

Rathenower Landstraße: 10.000-22.000 Kfz

Magdeburger Landstraße: 15.000-20.000 Kfz

Brielower Landstraße: 7500-15.000 Kfz

Domlinden: 12.500 Kfz

Neuendorfer Straße: 10.500 Kfz

Steinstraße: 9500 Kfz

Die IVAS-Planer empfehlen dringend ein Entlasten der Innenstadt vom Durchgangsverkehr. Das könne passieren über den Ausbau des Stadtrings und eine bessere Wegweisung. Zudem müsse der Verkehrsablauf anders organisiert werden. Was sich dahinter verbirgt, sagt keiner der externen Planer laut: Aber konsequent wäre es beispielsweise, die Steinstraße komplett autofrei zu machen oder sie als Sackgasse zu gestalten, damit der Durchgangsverkehr raus ist.

Das sagen hinter vorgehaltener Hand auch Fachleute aus der Stadt, allerdings bedarf es für solch einschneidende Maßnahmen einer politischen Grundsatzdiskussion. Verkehr kann man auch von der City fernhalten, indem man an ihren Grenzen Parkmöglichkeiten schafft und im Innern die Stellflächen weiter verknappt oder teuer macht – das wird mit dem Parkraumbewirtschaftungskonzept konkret zu diskutieren sein.

Es bedarf einer Grundsatzdiskussion

Streitlos dürfte allerdings auch die Planer-Empfehlung sein, den Radverkehr besonders in der Innenstadt zu fördern, um die Menschen zum Umsteigen auf das ökologische Verkehrsmittel zu bewegen.

Ab sofort bis zum 20. Mai gibt es im Foyer der Stadtverwaltung in der Klosterstraße 14 einen Informationsstand mit „Kummerkasten“, in den die Bürger Anregungen, Kritiken, Wünsche stecken dürfen. Das Bearbeiterteam um den städtischen Verkehrsplaner Rolf Beyer wird sich mit den Menschen wegen Gesprächsterminen in Verbindung setzen beziehungsweise an zwei Sonnabenden Info-Veranstaltungen anbieten.

Von André Wirsing

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