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Witzker Wohnzimmer grüßt Buga-Gäste

Aus Alt mach Neu Witzker Wohnzimmer grüßt Buga-Gäste

Weil sich die Bundesgartenschau in seinen Augen nicht nachhaltig genug mit Natur und Umwelt beschäftigt, gestaltete Tilo Ebermann im westhavelländischen Witzke seinen eigenen Beitrag zur Gartenschau. Was er nicht wusste: Sein Projekt sieht dem „Jungen Stadtgarten“ auf dem Buga-Gelände Packhof in Brandenburg an der Havel verblüffend ähnlich.

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Tilo Ebermann und seine Paletten-Installation am Ortseingang in Witzke.

Quelle: Thomas Uhlemann/Buga

Witzke. Mit einem Wohnzimmer im Grünen begrüßen die Witzker im Westen des Havellands im Buga-Jahr Fahrradfahrer und Besucher: Ein Esstisch, aus dessen Schublade wilde Blumen ranken, zwei mit Stauden bepflanzte Regale und ein moosverhangener Sessel aus Europaletten laden noch bis zum Ende der Bundesgartenschau (Buga) am 11. Oktober zur Rast unter freiem Himmel ein.

Hinter dem außergewöhnlichen Mobiliar steckt Tilo Ebermann. Ursprünglich sei die Sperrholz-Installation am Ortseingang Witzke als Protestaktion gegen „die Über-Ästhetisierung auf der Buga“ gedacht gewesen, verrät der 40 Jahre alte Bewegungstherapeut. „Auf der Gartenschau zählt doch vor allem der ästhetische Gedanke, alles soll schick aussehen“, kritisiert Ebermann. Weil es ihm zur Bundesgartenschau „an einer tiefgründigen Auseinandersetzung mit der Natur“ fehlte, machte sich der gebürtige Rathenower mit Hammer, Nägeln und Farbe selbst ans Werk und schuf binnen kurzer Zeit ein ressourcenschonendes Wohnzimmer vor den Toren seines Dorfes.

Ohne es zu ahnen, griff Tilo Ebermann dabei den Trend des „Urban Gardenings“ auf, der auch auf dem Buga-Packhofgelände im Brandenburg an der Havel gezeigt wird: Dort widmet sich der „Junge Stadtgarten“ der umweltschonenden, gärtnerischen Nutzung städtischer Flächen.

Die Renaissance des Selbermachens

Aus Alt mach’ Neu: Sowohl der Buga-Themengarten als auch Ebermanns Paletten-Installation greifen die Idee der Wiederverwertung von natürlichen Ressourcen auf – und sehen sich dabei verblüffend ähnlich. Das Witzker Mobiliar ist sozusagen die ländliche Variante des urbanen Gärtnerns. In jedem Fall zielen beide Projekte auf die Rückeroberung des öffentlichen Raums ab. Nicht ohne Grund hat Tilo Ebermann die Wiese am Ortseingang für seine Kunst aus Paletten gewählt: „Hier stand einmal eine wunderschöne, große Pappel. Bis sie eines Tages grundlos weggesägt wurde“, bedauert der in Berlin tätige Tanz- und Bewegungstherapeut.

Der „Junge Stadtgarten“ auf dem Packhof in Brandenburg/Havel

Der „Junge Stadtgarten“ auf dem Packhof in Brandenburg/Havel

Quelle: Thomas Uhlemann/Buga

Die Umwelt, das Miteinander von Natur und Mensch liegen dem Familienvater am Herzen. Vor ein paar Jahren zog er mit seiner Lebensgefährtin und den gemeinsamen Kindern von Berlin ins idyllische Witzke im Westhavelland – „aus Liebe zur Natur“, wie er sagt. Die Kinder sollten auf dem Land aufwachsen, nicht in der Großstadt. Nach und nach zogen noch mehr junge Familien in das Hundert-Seelen-Örtchen im Norden von Rathenow. „Wir haben hier auch zur Verjüngung des Dorfes beigetragen“, sagt Tilo Ebermann stolz.

In Witzke gärtnert man gemeinsam

In Witzke kennt man sich, packt mit an. Hier ist die Welt noch in Ordnung, es herrscht keine Anonymität wie im rauen Berlin. Auch die Paletten-Installation bepflanzten die Dorfbewohner gemeinsam. Abwechselnd kümmern sie sich um die Pflege. Eigentlich wollte Ebermann das Projekt sich selbst überlassen, ganz im Einklang mit der Natur sozusagen. Hin und wieder musste aber doch Hand angelegt werden, damit die Holzmöbel nicht von Gras überwuchert werden, die Blumen auf dem Tisch und in den Regalen nicht vertrocknen.

Zwar geht es dem Witzker darum, zum Nachdenken anzuregen über den schonenden Umgang mit Ressourcen und der Natur. Für viele Fahrradfahrer und Buga-Reisende ist der Paletten-Erlebnisraum inmitten der weiten Felder aber in erster Linie ein toller Hingucker: „Sie freuen sich über unseren bescheidenen Beitrag zur Buga. Denen gefällt’s irgendwie“, sagt Ebermann. Die alten Möbel seien ein beliebtes Fotomotiv. Die Natur über das menschengemachte Mobiliar siegen zu lassen, wäre da natürlich schade.

„Junger Stadtgarten“ auf dem Packhof

Junge, kreative und engagierte Menschen, nehmen mehr und mehr den urbanen Raum ein. Mit frischen Ideen gestalten sie öffentliche Freiräume und zeigen Entwicklungspotenziale auf.

„Großstadtpflanzer“, „Guerilla Gardener“ oder „Urban Farmer“ kreieren neue Gartenbilder, die auch im privaten Garten Einzug halten.

Im Vordergrund steht dabei oft die spontane Idee mit Alltagsgegenständen, die man günstig erhält, den Rahmen des Gartens zu gestalten.

Die Kombination von teils recycelten Alltagsgegenständen mit hochwertigen Designermöbeln ergeben ein Spannungsfeld, welches den Reiz des Gartens ausmacht.

Ein Garten, der zeigt, wie mit wenig Mitteln und wenig Aufwand ein Raum geschaffen werden kann, der gerade für kleine Flächen in der Stadt zur Nachahmung empfohlen wird.

Von Josefine Sack

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