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Brandenburg/Havel Wo die Osterlämmer herkommen
Lokales Brandenburg/Havel Wo die Osterlämmer herkommen
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06:06 31.03.2018
Skudden-Züchterin Katja Behling aus Weseram mit zwei echten Osterlämmern. Die Zwillinge kamen am Gründonnerstag zur Welt. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Weseram

Es sind Zwillinge! Die beiden schneeweißen Wollknäuel, die Katja Behling (48) auf den Armen trägt, erblickten vor wenigen Stunden das Licht der Welt. Für ein Foto nimmt die Züchterin die Jungtiere aus der mit Stroh ausgelegten Lämmerbox, wo sich der Nachwuchs an das Muttertier drängt. Abgetrennt von der Herde kommt das Trio in dem separatem Gatter besser zur Ruhe, gewöhnen sich Jung und Alt schnell aneinander.

Ostern fällt mitten in die Lammzeit auf dem Skuddenhof in Weseram. 15 Jungtiere wurden in der Woche vor dem Fest geboren. 40 bis 50 weitere Lämmer werden nach einer Tragezeit von fünf Monaten in den nächsten Tagen folgen. Nur ganz selten muss der Mensch eingreifen. Zwillingsgeburten sind bei Schafen keine Seltenheit, so dass die Herde von Katja Behling im Frühling durchaus auf 80 bis 100 Tiere anwachsen kann. Die Winterlammung war dagegen weniger erfolgreich. „Nur ein Drittel der Zibben waren trächtig geworden. Womöglich hätten die Böcke das Deckgeschäft ernster nehmen müssen“, scherzt die Züchterin.

Opfertier im Alten Testament

Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts war die Skudde das bodenständige Schaf Ostpreußens und des Baltikums. Das Land Brandenburg unterstützt über die Agrarförderung die Haltung der heute vom Aussterben bedrohten Schafrasse.

Katja Behling schert ihre Schafe selbst. Abnehmer für die Wolle ist eine Firma, die Füllmaterialien für Inlets verarbeitet. Auch zum Füllen von Plüschtieren kommt die Wolle zum Einsatz. Wolle wird neuerdings auch zu Düngepellets verarbeitet.

Das Osterlamm steht im Christentum für die Unschuld und das Leiden Christi. Das Lamm ist auch Symbol der Wehrlosigkeit gegen wilde Tiere und zudem das klassische Opfertier im Alten Testament. In der Küche wird gebackenes Osterlamm geschätzt.

Katja Behling hat sich dem Erhalt einer der ältesten Hausschaf-Rassen verschrieben. Und zwar so erfolgreich, dass die Weseramerin im vergangenen Jahr auf der Brala in Paaren zur Züchterin des Jahres ausgezeichnet wurde. Ihre aus Ostpreußen und dem Baltikum stammenden Skudden stehen auf der Roten Liste der bedrohten Nutztierrassen. Als Vorsitzende des Schafzuchtverbandes „Fläming“ hält sie sich streng an das Zuchtziel. Ihre Skudden sollen reinweiß sein.

Heu vom eigenen Grünland

Während sich die erwachsenen Tiere mit Heu und Wasser zufrieden geben, ernähren sich die Lämmer in den nächsten Wochen von der Milch ihrer Mütter. Doch relativ schnell werden sie anfangen Heu und Stroh zu knabbern, weil die Rohfasern eine schnelle Pansenentwicklung fördern. Heu für ihre eingetragene Herdbuchzucht kommt bei Katja Behling vom eigenen Grünland oder wird bei der ortsansässigen Agrargenossenschaft eingekauft. Wie Pferdehalter muss die Schafzüchterin den Futterbedarf übers Jahr planen. „Heu ist knapp geworden. Da muss man sich rechtzeitig kümmern“, berichtet die Züchterin.

Am Tage sind die Schafe in der Regel im Freien, doch am Abend werden die Tiere eingestallt. Ein Wolf ist der Herde bislang noch nicht zu nahe gekommen. Quelle: Frank Bürstenbinder

Angefangen hat alles vor über 15 Jahren mit vier Schafen. „Als Rasenmäher“ , erinnert sich die aus dem Wendland stammende Weseramerin. Längst verkauft sie Tiere an andere Züchter weiter. Abnehmer sich ebenso Privatleute, die Schafe für größere Anwesen als Landschaftspfleger suchen. Doch natürlich dient die Zucht am Ende auch einem anderen Zweck – der menschlichen Ernährung.

Ostern ausverkauft

Rund 40 Tiere lässt der Skuddenhof jedes Jahr im Herbst und im Winter schlachten. Ein Schäfermeister in Berge bei Nauen besitzt eine EU-zertifizierte Schlachtstation. Verkauft werden die Schafe als ganze Schlachtkörper in der Gewichtsklasse von rund zehn Kilo. Wem zum Osterfest spontan nach einem Weseramer Lammbraten zumute ist, hat allerdings Pech gehabt. „Allein mit den Vorbestellungen ist die Menge ausgeschöpft“, berichtet Katja Behling. Bei Salami und Schinken, die immer noch bei Fleischermeister Kowalski in Wachow gemacht werden, sieht die Nachfrage ähnlich hoch aus. Wer genießen will, muss vorbestellen.

Leben könnte die Familie von dem „bezahlten Hobby“ nicht. Das geht nur mit Unterstützung des voll berufstätigen Ehemanns Christoph, der selbst ein gelernter Fachmann in der Schafzucht ist. Der Skuddenhof ist keine abgeschottetes Gelände. Kinder und erwachsene Besucher können sich für Führungen anmelden. Seit drei Jahren gibt es auf dem Hof, dem einstigen Schwanebeckschen Bauernhof, fünf Ferienwohnungen.

Von Frank Bürstenbinder

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