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Wo viele Spielzeuge ihre Wiege hatten

Brandenburg an der Havel Wo viele Spielzeuge ihre Wiege hatten

Das lässt die Herzen von kleinen und großen Kindern höher schlagen: Das Stadtmuseum im Brandenburger Frey-Haus gewährt einen Blick auf die Geschichte der Brandenburger Spielzeugproduktion. Mehr als 100 Jahren entstanden in der Altstadt viele verschiedene Spielzeuge, darunter der Kletteraffe Tom.

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In Brandenburg an der Havel fahren die Straßenbahnen nicht nur zwischen Hauptbahnhof und Quenzstadion: Auch in vielen Kinderzimmern waren Straßenbahnen aus der Brandenburger Fertigung unterwegs.

Quelle: Tobias Wagner

Brandenburg/H. Das Gebäude selbst ist bereits eines der stadtgeschichtlich relevanten Exponate. In der Ritterstraße 96, in Brandenburgs Altstadt, befindet sich das Stadtmuseum im Frey-Haus, dessen Geschichte ebenso vielschichtig ist wie dessen Ausstellungsstücke. Seit dem 1. April 1923 ist das für die Stadt einzigartige Gebäude ein wichtiger Ort des Brandenburger Geschichtsgedächtnisses. „Das Hauptgebäude mit seinem von Fachwerkgebäuden umgebenen Hof und Garten ist das einzige erhaltene barocke Gebäude-Ensemble der Stadt Brandenburg“, berichtet Museumspädagogin Heike Köhler (59).

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Vom späten 19. Jahrhundert bis in die Zeit nach der Wende ist in Brandenburg an der Havel Spielzeug hergestellt worden. Zahlreiche Exponate findet man in der Ausstellung im Brandenburger Stadtmuseum in der Ritterstraße.

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Das Haus wurde im Jahre 1723 für Oberst Detlef von Massow errichtet, zum Dank für seine treuen Dienste als Kommandeur des Königsregimentes Friedrich Wilhelm I., besser bekannt als die „Langen Kerls“. Mit „Frey-Haus“ wurden seinerzeit Gebäude bezeichnet, die zwar innerhalb der Mauern einer Stadt lagen, rechtlich allerdings nicht zu dieser gehörten. „Die Bewohner waren von Steuern und Abgaben befreit“, erläutert Heike Köhler.

Nach Oberst von Massow bewohnten weiterhin die Regiments-Kommandeure des Infanterieregimentes Nr. 36 die oberen Geschosse des Hauses, in dessen unterer Etage über die Jahrzehnte immer wieder kleinere Betriebe wie eine Orgel- und Filzfabrik, eine Butterhandlung aber auch eine Herstellung für Christbaumschmuck ansässig waren.

Anfahrt, Zeiten und Kontakt

Anfahrt: Ab Hauptbahnhof mit Straßenbahn-Linie 2 und 6 (Station Ritterstraße/Museum); Autobahn: A 2, Abfahrt Brandenburg, Richtung Altstadt, Nikolaiplatz, P+R-Platz, fünf Gehminuten zum Museum.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag und Feiertage 13 bis 17 Uhr.

Eintrittspreise: 3 Euro, ermäßigt 1,50 Euro. Kinder und Schüler frei. Gruppen ab zehn Personen 2 Euro pro Gast, Familienkarte mit maximal fünf Personen 5 Euro;

Ausstellungsführungen für Gruppen nach Vereinbarung unter 03381/584501 oder museum@stadt-brandenburg.de

Das Museum ist barrierefrei.

Mehr unter www.stadt-brandenburg.de

Im Jahre 1912 erwarb der Spielzeugfabrikant Ernst Paul Lehmann das Haus. Lehmanns Patentwerk, gegründet 1881 in direkter Nachbarschaft zum Frey-Haus, war eine der damals größten Spielzeugfabriken in Deutschland.

Lehmann setzte sich und seiner Frau mit der Figurengruppe „Ehemann Lehmann mit Hund“ gar selbst ein Denkmal. Sein Lieblingsspielzeug „Der störrische Esel“ ziert zudem das Relief über dem Eingangsportal seines Wohnhauses in der Plauer Straße 5/6, wo es noch heute zu sehen ist.

Das mechanische Blechspielzeug aus Lehmanns Fabrik erfreute mit seinem Bezug zur Wirklichkeit, seinen realistischen Details und Bewegungsabläufen sowie der erstklassigen Qualität Kinder in vielen Ländern. Kein Wunder, dass es weltweit Sammler der Lehmann-Spielzeuge gibt.

Sonderschau über Theodor Hosemann

Dem bedeutenden Maler und Illustrator Theodor Hosemann (1807-1875) widmet das Stadtmuseum eine Sonderausstellung. Sie ist noch bis zum 28. Januar im Stadtmuseum im Frey-Haus zu sehen.

Der in der Brandenburger Altstadt geborene Hosemann Künstler gehört zu den bekanntesten Brandenburger Künstlern des 19. Jahrhunderts und wäre im vergangenen Jahr 210 Jahre alt geworden.

Unter anderem illustrierte er zahlreiche Märchenbücher. Weit verbreitet waren außerdem Hosemanns Karikaturen über das Berliner Gesellschaftsleben und seine sozialkritischen Zeichnungen.

Die Dauerausstellung „Der Kletteraffe Tom“ im Frey-Haus hält die Erinnerung an diese Tradition der Spielzeugherstellung in der Stadt wach und zeigt etwa 6000 Stücke, die Brandenburger Spielzeugfabriken aus Blech und Lineol in einer Zeitspanne von mehr als 100 Jahren hergestellt haben. Neben dem Blechspielzeug sind aber auch die Ritter und Tierfiguren der Lineolfabrik von Oskar Wiederholz sehr beliebt.

Als Vorlage für die wirklichkeitgetreue Nachbildung der Tierfiguren diente dem in der Fabrik tätigen Brandenburger Modelleur und Künstler Albert Caasmann (1886- 1968) die Darstellungen in „Brehms Tierleben“. „Auch die Lineolfiguren sind heute auf den Spielzeugmessen und -auktionen sehr gefragt“, sagt Heike Köhler. „Uns besuchen eine Menge Sammler aus der gesamten Republik“.

Nach der Enteignung ging es unter VEB-Flagge weiter

Nach 1949 setzte zunächst der Volkseigene Betrieb Spielwarenwerk Patent-Lineol, der aus dem Zusammenschluss der enteigneten Fabriken von Wiederholz und Lehmann hervorging, die Produktion von Lineolfiguren und Blechspielwaren fort. Nach dem Verlegen der Lineolfertigung nach Dresden Ende 1956 knüpfte der VEB Mechanische Spielwaren an die Tradition der Herstellung von Spielwaren in den ehemaligen Lehmannschen Fabrikhallen in der Plauer Straße an. Hier wurden aber auch bald eigene, zeitgemäßere Spielzeuge, besonders Fahrzeuge mit mechanischem und elektromechanischen Antrieb, gefertigt.

Um diese Spielzeuge dreht sich die ebenfalls im Haus durchgeführte Sonderausstellung „Vom Raupenschlepper zum Truck“. Die hier zu bestaunenden Feuerwehren, Traktoren, Raupenschlepper, Trabants, Rennautos und Raketen waren ebenfalls im In- und Ausland bekannt und begehrt. Zahlreiche Exponate wecken hier Erinnerungen an so manche auf dem Fußboden verbrachte Stunde im Kinderzimmer, versunken in die Welt der Renn- und Raumfahrer.

Von Tobias Wagner

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