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Wölfe räubern Jägern die Reviere leer

Damwild in Bedrängnis Wölfe räubern Jägern die Reviere leer

Das Jagdgeschäft in Potsdam-Mittelmark wird immer mühsamer. Seit der Rückkehr der Wölfe ist die Damwildstrecke um fast die Hälfte eingebrochen. Auch beim Rehwild haben die Waidleute mit der Konkurrenz der Räuber zu kämpfen. Denn davon gibt es immer mehr.

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Ganz in Weiß: Wo dieser Damspießer auftaucht, heißt es für die Jäger „Hahn in Ruh“. Ein Abschuss könnte Unglück bringen.

Quelle: Torsten Fritz

Mittelmark. Wer einen weißen Hirsch erlegt, stirbt binnen Jahresfrist. Aberglaube ist unter Waidleuten durchaus noch verbreitet. Deshalb hat der Damspießer, der in der Görzker Nonnenheide in eine Fotofalle tappte, alle Chancen auf ein langes Leben als braver Schaufler. Es gibt jedoch einen Jäger, der sich von düsteren Wandersagen nicht den Appetit verderben lässt. Dem Wolf ist es egal, ob seine Beute einen weißen, schwarzen oder roten Farbschlag hat.

Es kann kein Zufall mehr sein, dass die Damwildstrecke in Potsdam-Mittelmark das vierte Jahr in Folge eingebrochen ist. Die Zahlen sind dramatisch. Wurden im Jagdjahr 2012/13 genau 4333 Stück erlegt, weist die aktuelle Statistik für das Jagdjahr 2015/16 noch 2742 Damwild-Abschüsse aus. Die Rückkehr der Wölfe und die Etablierung weiterer Rudel zwischen Havelland und Fläming bringt das Wild immer mehr in Bedrängnis.

Weniger Unfallwild

Passend zur Entwicklung der Wildbestände ist das Unfallgeschehen auf den Straßen. Von April 2015 bis April 2016 wurden 591 Stück Unfallwild gemeldet. Ein Jahr zuvor gab es noch über 800 Tiere, die unter die Räder kamen. Es gab auch schon Jahre mit über 1000 Zusammenstößen.

In Potsdam-Mittelmark gibt es derzeit 1362 Männer und Frauen mit Jagdschein. Allein in diesem Jahr haben 40 Jungjäger das grüne Abitur abgelegt. Die Tendenz ist wieder leicht steigend. Im Vorjahr waren es 30 erfolgreiche Prüflinge.

Problematisch bleibt die steigende Zahl eingewanderter Arten (Neozoen). Die Jäger erlegten 51 Minks. Soviel wie noch nie. Mit 1077 Stück gibt es auch bei Waschbären eine neue Rekordstrecke. Nur bei Marderhunden ist die Strecke mit 458 Stück leicht rückläufig.

Für Torsten Fritz von der Unteren Jagdbehörde der Kreisverwaltung ist die Entwicklung noch kein Grund zur Sorge: „Wir sind von überhöhten Wildbeständen auf eine normale Dichte angekommen. Außerdem gibt es derzeit keine wissenschaftlichen Erkenntnisse über einen Zusammenhang zwischen der Wolfspopulation und dem Streckenrückgang beim Damwild.“ Doch die Jäger machen sich ihre eigenen Gedanken. Jagdgemeinschaften korrigieren ihre Abschusspläne vorsorglich nach unten.

„Wo Wölfe jagen, ist das Wild verdrängt“

Die Vorbereitungen für die Zeit der Gesellschaftsjagden laufen auf Hochtouren. Weiträumige und revierübergreifende Bejagungsarten sind wohl nötig, um zum Erfolg zu kommen. „Wo Wölfe jagen, ist das Wild verdrängt. Eine genaue Beobachtung des eigenen Reviers ist deshalb unumgänglich“, rät Fritz, der auch ehrenamtlicher Wolfsbeauftragter für Potsdam-Mittelmark ist. Die Haupteinstandsgebiete des Damwilds befinden sich südlich der A 2 in der Zauche und im Fläming. Besonders betroffen sind die Hegegemeinschaften Nonnenheide/Hagelberg, Nördlicher Fläming und Wiesenburg.

Torsten Fritz, Untere Jagdbehörde

Torsten Fritz, Untere Jagdbehörde.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Neben dem Damwild macht sich auch das flächendeckend verbreitere Rehwild rarer. Die Strecke sank deutlich von 5861 Stück im Jahr 2012/13 auf 4907 Abschüsse in 2015/16. Vom wenig wehrhaften Rehwild können Wölfe praktisch jede Altersklasse erbeuten. Wolfsrudel, die für Potsdam-Mittelmark von Bedeutung sind, gibt es in den Bereichen Altengrabow, Lehnin, Görzke sowie Göritz/Klepzig bei Raben.

Auch im benachbarten Jerichower Land machen sich die Wölfe immer breiter. Neueste Meldungen über weitere Rudel kommen aus Möckern und Parchen-Fienerode. Bei Loburg und Schlagenthin sollen Ansiedlungen kurz bevorstehen. Auch rücken von Süden kommende Wölfe in die Grenzbereiche zwischen Sachsen-Anhalt und Brandenburg vor. Die ganze Region erlebt eine Verdichtung der bekannten Vorkommen – mit Folgen für die Wildbestände.

Rotwildbestand ist stabil

Auf das Rotwild hat der Einmarsch der Wölfe offenbar noch keinen so spürbaren Einfluss. Mit 200 erlegten Tieren, vor allem im westhavelländischen Teil sowie im Fläming, liegt die Strecke im langjährigen Durchschnitt. Nicht unnormal ist der Rückgang der Schwarzwildstrecke auf 4841 Stück. 2014/15 wurden noch 5341 Wildschweine zur Strecke gebracht. „Das Auf und Ab beim Schwarzwild ist stark vom Wetter bei der Jagd abhängig. Auch der Anfall von Baumfrüchten und die Art der Feldbestellung haben Einfluss auf die Streckenentwicklung“, so Torsten Fritz.

Stabil hält sich wohl der letzte Muffelwildbestand in Potsdam-Mittelmark, der im Raum Bensdorf-Vehlen bis über die Landesgrenze im Rudel und in Gruppen umherzieht. Die Strecke stieg von 12 auf 21 Stück an. Die Jäger sind offenbar zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen.

Von Frank Bürstenbinder

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