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Wölfe reißen ganze Herde in Ragösen

Schafhalter zittern um ihre Tiere Wölfe reißen ganze Herde in Ragösen

Mit der Ruhe in Wald und Flur ist es seit der Rückkehr der Wölfe vorbei. Zwischen Brandenburg an der Havel und Bad Belzig gab es allein in den vergangenen zwei Wochen mehrere Angriffe auf Schafe, bei denen mindestens 20 Tiere gerissen wurden. Gleich zwei Wolfsrudel sind in der Region aktiv.

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Schafhalter Detlef Bäricke aus Dippmannsdorf mit dem Rest seiner Herde.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Mittelmark. „Wir füttern die Tiere groß, damit der Wolf was zu fressen hat.“ Mit Galgenhumor reagiert Detlef Bäricke (65) auf den jüngsten Angriff der Räuber auf seine Schafherde. Zwei Mutterschafe und drei Lämmer hat Isegrim auf einer Koppel des Dippmannsdorfers gerissen. Nicht irgendwo im Wald, sondern mitten im Dorf an der B 102. Wenn Bäricke aus dem Schlafzimmerfenster blickt, kann er die restlichen sechs Tiere sehen, die ihm die Wölfe gelassen haben. „Es ist ein Jammer. Die überlebenden Schafe sind völlig verstört. Da hat man keine Lust mehr als Hobbyzüchter weiter zu machen“, sagt Bäricke.

Weidezaun kein Hindernis

Der 1,60 Meter hohe Weidezaun hat die Wölfe von ihrem Raubzug nicht abgehalten. Sie buddelten sich unter dem Drahtgeflecht durch und richteten im offenen Stall ein Massaker an. Zwei Schafe fand der Besitzer mit durchgebissener Kehle auf der Koppel, drei andere Tiere wurden von den Wölfen weggeschleppt. Nicht besser erging es in den vergangenen Wochen Achim Spiesecke im benachbarten Ragösen. Bei mehreren Angriffen wurden auf seiner abseits der Ortslage gelegenen Koppel im Golzower Bruch elf Tiere gerissen. Auch in der Nacht zum Montag waren die Wölfe wieder da. Spieseckes Kamerun-Herde existiert praktisch nicht mehr. „Zwanzig Jahre habe ich Schafe gehalten. Jetzt höre ich auf. Es macht keinen Sinn mehr“, meinte der resignierte Züchter zur MAZ. Vor zwei Wochen waren in Müggenburg bei Golzow vier Schafe von Lothar Jordan gerissen worden.

Zwei Rudel sorgen für Unruhe

Dass im Raum Dippmannsdorf-Ragösen-Golzow-Groß Briesen derzeit eine erhöhte Wolfsaktivität festzustellen ist, hat auch mit der Lage zu tun. Mal ist es das Lehniner und mal das neue Görzker Rudel, dass in dieser Region auf Beutezug geht. Insbesondere fühlen sich die Wölfe an den Reviergrenzen von relativ ungeschützten Nutztieren magisch angezogen. „Die Tierhalter kennen eigentlich die Gefahren und müssen sich auf Begegnungen mit den Wölfen einstellen. Doch leider werden Nutztiere noch zu sorglos geschützt“, sagte Torsten Fritz der MAZ. Der Wolfsbeauftragte für Potsdam-Mittelmark verweist auf die Beratungsmöglichkeiten durch das Landesumweltamt.

Wolfsbeobachtungen gehören mittlerweile für Jäger und Landwirte zum Alltag. Wie zahlreiche Fotos und Videos belegen, scheuen die streng geschützten Räuber selbst am hellichten Tage nicht die Nähe zu menschlichen Siedlungen. Verschiedene Quellen berichten unter anderem von einem auffallend großem Einzelgänger, bei dem es sich um einen hellgrauen Rüden handeln soll. Weil es von Wölfen gejagt wird, drückt sich Dam- und Rehwild immer öfter an den Dorfrändern herum. „Mit der Ruhe im Wald ist es längst vorbei. Jetzt trauen sich kaum noch Leute in den Wald, um Frühjahrsmorcheln zu sammeln“, weiß Schafhalter Bäricke.

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Von Frank Bürstenbinder

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