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Brandenburg/Havel Wölfe zwingen Rinderzüchter zur Aufgabe
Lokales Brandenburg/Havel Wölfe zwingen Rinderzüchter zur Aufgabe
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18:46 22.01.2018
Die Idylle trügt: Auch diese Mutterkuhherde im Fiener Bruch bei Boecke ist mehrfach von Wölfen angegriffen worden. Quelle: Silvia Zimmermann
Boecke/Beelitz

Die Weidetierhalter in Potsdam-Mittelmark kommen nicht zur Ruhe. So haben Wölfe am Wochenende erneut die Mutterkuhherde von Manfred und Anita Matthies bei Boecke (Amt Ziesar) angegriffen und ein vier Wochen altes Bullenkalb zerfleischt. Dem Landwirt blieb nichts andere übrig, als den Kadaver auf den Hof zu holen. Ein Tierkörperbeseitigungsbetrieb in Genthin kümmert sich um die Entsorgung und bescheinigt dem Züchter den Tod des Kalbes. Nicht zum ersten Mal. „Seit November 2017 haben wir sieben Kälber durch Wolfsrisse verloren“, berichtet Matthies.

Vierstellige Verluste

Die finanziellen Verluste belaufen sich mittlerweile auf rund 6000 Euro. Angezeigt hat der Boecker Züchter die Wolfsrisse nie: „Am Anfang dachten wir, dass könnte die Zucht verkraften. Auch Hilfe erwarten wir keine.“ Doch weil die Übergriffe zunehmen und eine wolfssichere Einzäunung des 30 Hektar großen Weidelandes im Fiener Bruch nicht praktikabel ist, hat sich das Ehepaar Matthies schweren Herzens dazu entschlossen, die Rinderhaltung nach 25 Jahren aufzugeben. Dabei glaubten die Züchter alles richtig zu machen. Fleisch aus extensiver Weidehaltung ist gefragt. Außerdem sind die Tiere ihrer Angus-Herde perfekte Landschaftspfleger. Nun sollen die Rinder aus der anerkannten Herdbuchzucht nach und nach verkauft werden.

Züchter Manfred Matthies mit dem Kadaver eines gerissenen Angus-Kalbs. Der Boecker Landwirt will seine Weidetiere jetzt abschaffen. Quelle: Silvia Zimmermann

Dass sich im Fiener Bruch Wölfe aufhalten, ist längst bekannt. Jäger berichten immer wieder von Sichtungen. Die Rinder wurden in der Vergangenheit unruhiger, zertrampelten in Panik die Weidezäune. Die Mutterkühe konnten ihre Kälber nicht vor den Wölfen schützen. Tagelang war ihr lautes Wehklagen über den Verlust des Nachwuchses zu hören. In einigen Fällen verschwanden ganze Kälber spurlos. Weitere Verluste will sich die Boecker Züchterfamilie nicht mehr antun.

Schutz half nicht

Während die ersten Weidetierhalter aufgeben, prüft das Landesumweltamt gerade den Antrag eines anderen mittelmärkischen Landwirtes. Der Mutterkuhhalter im Naturpark Nuthe-Nieplitz stellt als erster Züchter in Brandenburg die neue Wolfsverordnung auf die Probe. Trotz stromführender Zäune sind Wölfe mehrfach in seine Herde eingebrochen. Gerissen wurden sogar mehrere Monate alte Absetzer mit 200 Kilo Lebendgewicht. Deshalb fordert das Oberhaupt eines Familienbetriebes als letztes Mittel den Abschuss mehrerer Tiere, die als Dobbrikower Rudel bekannt sind. Wie die Sache ausgeht, weiß derzeit niemand. „Es ist noch viel zu früh, um über den Stand des Verfahrens zu berichten. Ein kurzfristige Entscheidung ist jedenfalls nicht zu erwarten. Es wäre das erste Mal, dass die Wolfsverordnung zur Anwendung kommt“, sagte der Pressesprecher des Landesumweltamtes, Thomas Frey, der MAZ.

Auch KBV-Vorsitzender Jens Schreinicke ist Rinderhalter. Er hat Verständnis für den Abschussantrag eines Berufskollegen. Quelle: F. Bürstenbinder

Der Kreisbauernverband Potsdam-Mittelmark (KBV) verteidigt indessen den Abschussantrag. „Das Dobbrikower Rudel verursacht viele Probleme. Es gehört nicht in diese Region, wo es viele Weidetiere gibt. Ich bin jetzt gespannt, wie praxistauglich die neue Wolfsverordnung wirklich ist. Der Bauernverband und das Forum Natur unterstützt und begleitet jedenfalls den Antrag“, sagte Verbandsvorsitzender Jens Schreinicke auf Nachfrage. Zum Schutz des betroffenen Züchters hält sich der Bauernverband mit Namen zurück. „Wir wollen vermeiden, dass sich der Tierhalter persönlichen Angriffen ausgesetzt sieht“, so KBV-Chef Schreinicke.

Bestand in den letzten Jahren dezimiert

Wie blank die Nerven südwestlich von Beelitz liegen, beschreibt ein anderer Betriebsleiter, der mit dem aktuellen Antrag an das Landesumweltamt nichts zu tun hat. „Die Lage ist schrecklich. Unser Betrieb hat in den vergangenen Jahren 40 Kälber an die Wölfe verloren“, berichtet Jürgen Frenzel aus Wittbrietzen. Für den Kreisbauernverband ist es nur eine Frage der Zeit, wann dem Präzedenzfall weitere Anträge verzweifelter Tierhalter folgen werden. Auch für die andere berufsständische Interessenvertretung, Brandenburgs Bauernbund, steht die ökologische Weidehaltung durch die ungebremste Ausbreitung der Wolfspopulation auf dem Spiel. Wie berichtet, verlangt der Bauernbund wolfsfreie Zonen in Brandenburg. „Die Zeit des Verhandelns ist vorbei“, erklärte Bauernbundpräsident Marco Hintze aus Krielow. Im März soll es wieder landesweite Mahnfeuer geben. Züchtern wie Manfred Matthies aus Boecke werden sie nicht mehr helfen.

Von Silvia Zimmermann und Frank Bürstenbinder

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