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Wohin mit abgelaufenen Medikamenten?

Arznei-Entsorgung Wohin mit abgelaufenen Medikamenten?

Immer wieder kommt es vor, dass Medikamente ablaufen oder nicht mehr gebraucht werden. Doch wie lassen sich diese Altlasten entsorgen? Informationen dazu geben unter anderem die Apotheken. Einige Arzneihäuser in Brandenburg an der Havel helfen außerdem aus. So wird verhindert, dass durch die Entsorgung andere zu Schaden kommen.

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Medikamente entsorgt man besser nicht in der Toilette – der Umwelt zuliebe.

Brandenburg/H. Wer kennt das nicht? Abgelaufene Medikamente in der Hausapotheke und keine Ahnung, wohin damit. Restmüll? Hausmüll? Zurück zur Apotheke? Eine einheitliche Gesetzgebung gibt es in Deutschland nicht. Über diese Unübersichtlichkeit ärgert sich Marianne Ganschow. Die Rentnerin hatte ihre abgelaufenen und ungebrauchten Medikamente über Jahre in der Apotheke zurückgeben können.

Doch kürzlich sagten ihr gleich drei Arzneihäuser, dass sie Gaschnows Altlasten nicht annehmen wollen. „Ich sollte sie im Hausmüll entsorgen“, erzählt sie. „Aber dann landen die Medikamente doch im Grundwasser.“ Sie macht sich Sorgen um die Gesundheit des Menschen und der Natur. „Bei all den Chemikalien und Medikamenten, die ohnehin schon in unserem Trinkwasser sind, müssen wir bald nicht mehr in die Apotheke gehen“, fährt sie zynisch fort.

Marianne Ganschow weiß nicht, wohin sie ihre alten Medikamenten richtig entsoregn soll und fragt um Rat

Marianne Ganschow weiß nicht, wohin sie ihre alten Medikamenten richtig entsoregn soll und fragt um Rat.

Quelle: Annika Jensen

Tatsächlich kommen die alten Arzneien auch bei den meisten Apotheken nur in den normalen Hausmüll – so sie sie denn zurücknehmen. Der wird nämlich verbrannt und sollte dadurch nicht ins Grundwasser gelangen können. Und doch: viele Menschen fühlen sich wohler, wenn sie die alten Medikamente in Profihände geben können. In Brandenburg an der Havel nehmen einige Apotheken nach wie vor die Arzneien an und entsorgen sie für die Patienten.

Medikamente gehören nicht in die Toilette

Auch die Raths-Apotheke bietet diesen Service an. Berit Günther kann die Bedenken ihrer Kunden gut verstehen. „Ohne einheitliche Gesetzgebung wird man im Moment als Patient recht allein gelassen“, sagt die angestellte Apothekerin. „Aus Unwissenheit kippen viele Menschen ihre alten Medikamente in die Toilette. Das ist aber eine viel größere Belastung für die Umwelt als der Weg in die Verbrennung. Denn dann können sie über das Abwasser in der Nahrungskette gelangen.“ Obwohl der Gesetzgeber es nicht tut: Günther selbst empfindet eine persönliche Verantwortung. „Ich sehe es als eine gewisse Pflicht für uns als Apotheke, die Medikamente zurückzunehmen. Wir haben diese schließlich auch ausgegeben.“

Berit Günther von der Raths-Apotheke mit alten Medikamenten

Berit Günther von der Raths-Apotheke mit alten Medikamenten. In der gelben Box werden Spritzen und Ampullen gesammelt und verschlossen entsorgt.

Quelle: Annika Jensen

Bei der Entsorgung in der Apotheke werde nach Betäubungsmitteln und Nicht-Betäubungsmitteln unterschieden, so Günther. Betäubungsmittel enden letztlich zwar auch im Hausmüll und dadurch in der Verbrennung. Nur werden sie vor der Entsorgung zusätzlich unwirksam gemacht. Dadurch verhindern die Apotheken, dass sie von Menschen aus dem Müll genommen und missbraucht werden können. Und auch Ampullen und Spritzen werden, bevor sie im Hausmüll landen, gesondert in einer gelben Box verschlossen und eingepackt, damit sich etwa die Mitarbeiter bei den Entsorgungsunternehmen nicht verletzen können.

Tabletten im Müll – zu leicht erreichbar für Kinderhände

Hinsichtlich der Entsorgung im Hausmüll und der daraus resultierenden leichten Zugänglichkeit für andere Menschen hat auch Bernhard Doege von der Nord Apotheke seine Bedenken. „Kinder könnten eben mal naschen“, sagt er. „Oder wenn der Müll nicht der Verbrennung unterworfen ist, belasten die Arzneien das Grundwasser.“ Auch seine Apotheke nimmt sämtliche alte und ungenutzten Medikamente an. Doege betreibt in Berlin eine weitere Apotheke.

Dort hat er eine gebührenpflichtige Tonne, die sachgerecht durch die Berliner Müllabfuhr geleert wird. Regelmäßig bringt er die alten Medikament, die seine Brandenburger Kunden bei ihm in der Nord Apotheke übergeben, nach Berlin und entsorgt sie in der Spezialtonne. Er bedauert, dass es ein vergleichbares System nicht in Brandenburg gibt.

Schadstoffsammelstellen nehmen Medikamente an

Informationen zum Thema bietet neben jeder Apotheke und den Ärzten auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft. Auf dessen Homepage ist etwa zu lesen, dass alte Medikamente auch bei Schadstoffsammelstellen entsorgt werden können. Diese Option bestehe besonders dann, wenn sich der Patient unsicher ist, ob der Hausmüll verbrannt wird. Peter Reck von der Stadtverwaltung ergänzt: „In Brandenburg nimmt der Wertstoffhof Medikamente zur Entsorgung an“.

Grundsätzlich rät der Bundesverband: Die Tabletten sollten aus den Verpackungen gelöst werden, bevor sie entsorgt werden – ob sie nun zu Hause den Weg in den Müll finden oder in der Apotheke abgegeben werden. „Die Umverpackung kann zum Beispiel zu Hause gleich ins Altpapier“, sagt Berit Günther von der Raths-Apotheke. „Das erleichtert uns in der Apotheke die weitere Entsorgung.“

Von Annika Jensen

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