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Wohnen und Arbeiten unter einem Dach

60 Jahre Nachkriegsbau in Dretzen Wohnen und Arbeiten unter einem Dach

Dretzens Dorfältester Otto Schulze (91) blickt 2016 auf zwei Jahrestage zurück. Vor 60 Jahren bezog der Kaufmann zusammen mit seiner Ehefrau Ida den ersten Nachkriegsneubau in dem Dorf nahe Ziesar (Potsdam-Mittelmark). Zum Wohnhaus gehörte der Konsum. Seine Gattin war zehn Jahre zuvor mit der Vertreibung der Sudetendeutschen nach Dretzen gekommen.

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Otto Schulze vor seinem Haus.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Dretzen. Vor 60 Jahren wurde in Dretzen der erste Nachkriegsneubau bezogen. Es ist das Wohnhaus von Otto Schulze (91). Für den rüstigen Dorfältesten ist das Jubiläum Anlass zurückzublicken. Der eingeschossige Putzbau mit seinen vier Zimmern ist unterkellert. Hier verbringt der Rentner seinen Lebensabend. Es war der Lebensmittelpunkt für Otto Schulze und seiner im vergangenen Jahr verstorbenen Frau Ida. In seinem Haus zog das Ehepaar zwei Kinder groß.

Der Arbeitsplatz war gleich nebenan. Unter einem Dach mit den Wohnräumen befindet sich bis heute der Dorfladen - als Konsumverkaufsstelle 1956 eröffnet, gemanagt von den Hausbesitzern bis ins hohe Alter. Beflügelt von der Aussicht auf einen Dorfkonsum halfen viele Dretzener bei der Errichtung des Hauses. „Die Umstände des Baus waren teilweise abenteuerlich“, erinnert sich Schulze. Im Vorfeld schrieb der Kaufmann sogar an den DDR-Präsidenten Wilhelm Pieck, weil es mit der Bewilligung der Baumaßnahme nicht voran ging. Die Eingabe brachte dem Dretzener immerhin einen Termin beim Rat des Kreises ein.

Richtfest bei Otto Schulze 1956 in der Dorfstraße 10a

Richtfest bei Otto Schulze 1956 in der Dorfstraße 10a.

Quelle: Privat

Im Oktober 1955 war Baubeginn. Zwar hatte das Ehepaar Schulze mit der Firma Otto Schröder aus Reppinichen einen Baubetrieb an der Hand, aber noch lange kein Material. 4000 aus Trümmerresten und Zement produzierte Hohlblocksteine gelangten nach endlosen Gesprächen per Waggon von Potsdam nach Köpernitz, wo Bauern mit ihren Ackerwagen das Umladen und den Transport ins benachbarte Dretzen bewerkstelligten. Die Kellerräume wurde mit der Schippe ausgehoben, als Träger wurden Eisenbahnschienen verbaut, die noch aus dem Kaiserreich stammten. „Union 1908“ ist bis heute auf einem Träger im Keller des Hauses zu lesen.

Während die Männer auf der Baustelle anpackten, sorgte Ehefrau Ida Schulze für die Verpflegung. Sie war selbst erst zehn Jahre zuvor zusammen mit anderen Vertriebenen nach Dretzen gekommen. Ursprünglich in Weipert (Vejprty) auf der anderen Seite des Erzgebirges geboren, musste die junge Frau zusammen mit ihren Eltern wie rund drei Millionen andere Sudetendeutsche ihre Heimat verlassen. Genau 70 Jahre ist das jetzt her. In Dretzen begann ein neues Leben an der Seite von Otto Schulze, der als Soldat den Zweiten Weltkrieg heil überstanden hatte.

Von Frank Bürstenbinder

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