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Hündin Angie nach Wolfsangriff eingeschläfert

Ziesar OT Steinberg (Potsdam-Mittelmark) Hündin Angie nach Wolfsangriff eingeschläfert

Erstmals hat ein Wolf einen Familienhund auf einem umzäunten Privatgrundstück angegriffen, sind sich die Einwohner von Steinberg sicher. Die Terrier-Hündin Angie wurde so schwer verletzt, dass sich die Besitzer zum Einschläfern des Tieres entschlossen. „Der Wolf schränkt unser Leben ein“, sagt Ziesars Amtsdirektor Norbert Bartels.

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Die lebenslustige Terrier-Hündin Angie hat einen Wolfsangriff nicht überlebt.
 

Quelle: privat

Steinberg.  Jeden Tag fahren 40 000 Pkw und über 10 000 Laster an Steinberg vorbei. Das Grundrauschen einer Autobahn, die nie schläft, hat neuerdings Konkurrenz bekommen. Es ist der vielstimmige Chor der Dorfhunde. Es gibt Nächte, in denen die vierbeinigen Alarmanlagen um die Wette winseln, jaulen und kläffen. Auch Angie schlug immer wieder seit Weihnachten in ihrem mit einem Stabgitterzaun gesicherten Revier Krach. Der Parson Russell Terrier war das, was man einen aufgeweckten Hund nennt: vital, unerschrocken und immer zu Späßen aufgelegt. Bis zu jenem Morgen, als Kerstin Schöbe frisches Blut vor ihrer Haustür entdeckte.

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In Steinberg nahe Ziesar tappen Wölfe beinahe jede Nacht in die aufgestellte Fotofalle. Mitte Februar hatte ein Wolf durch einen Stabgitterzaun hindurch die Terrierhündin Angie angegriffen und schwer verletzt. Die Bewohner sind seitdem verunsichert.

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Es passierte zur besten Aufstehzeit, als Nachbarn die Schnitten für die Schulkinder schmierten. „Auf der Suche nach Angie kam mir die Hündin entgegengehumpelt. Die linke Vorderpfote fehlte – abgefressen von einem Wolf“, berichtet die Steinbergerin. Was sie bei ihrer Vermutung so sicher macht, zeigt der Blick auf die tagelange Bildergalerie einer am Grundstückszaun montierten Wildkamera. Ein Wolfsfoto folgt dem nächsten. Aufgenommen nicht nur in tiefer Nacht, sondern auch in den Morgenstunden. Ungeniert wagen sich die grauen Räuber bis in die Nähe der Menschen.

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Steinberg Sigrid Kabelitz und Kerstin Schöbe

Quelle: Frank Bürstenbinder

Von Kerstin Schöbes Küchenfenster bis zum robusten Grundstückszaun samt Betonsockel sind es gerade mal zehn Meter. Ein Wolf muss Angie durch die Gitterstäbe zu packen bekommen haben. Fellreste belegen das Drama. Die schwer verletzte Terrier-Dame wurde in eine Potsdamer Tierklinik gebracht. Dort sahen Ärzte nur die Möglichkeit den gesamten Vorderlauf zu amputieren. Doch um der 13-jährigen Hündin ein Leben als Krüppel zu ersparen, entschlossen sich die Besitzer Angie einschläfern zu lassen.

Ziesars Amtsdirektor: „Der Wolf schränkt unser Leben ein“

Der tragische Vorfall hat Kerstin Schöbe die Augen geöffnet: „Ich hätte nie gedacht, dass Angie auf unserem Hof etwas passieren könnte.“ Bei ihren geliebten Spaziergängen durch die Feldmark wird sie nicht mehr von ihrer Hündin, sondern von einem flauen Gefühl im Magen begleitet. Sie schaut sich öfter abrupt um, sucht Waldkanten nach verdächtigen Bewegungen ab. Wolfssichtungen wären noch die harmlosesten Ereignisse, wie sie inzwischen fast täglich in der Gemeinde Buckautal südlich der A 2 vorkommen.

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Diese Bilder zeigen, wie dramatisch die Lage ist – 2017 hat sich die Zahl der Wolfrisse nahezu verdoppelt. Besonders Landwirte leiden darunter. Entschädigungen werden erst nach einem aufwendigen Verfahren gezahlt.

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Ziesars Amtsdirektor Norbert Bartels, der selbst in Steinberg lebt, nimmt auf Nachfrage kein Blatt vor den Mund: „Die Kinder trauen sich im Dunkeln nicht mehr vor die Tür. Der Wolf schränkt unser Leben ein. Wir brauchen Entscheidungen, die den Wolf kurz halten. Sonst wird alles nur noch schlimmer.“ Bartels vergleicht die Situation in Steinberg mit einem Belagerungszustand und warnt vor gefährlichen Mischungen zwischen Wolf und Hund. Die grauen Räuber dringen selbst am helllichten Tage bis an die Siedlungskante vor. So jagten Wölfe vor wenigen Tagen über eine nahe Koppel, um zwei Kälber von ihrer Mutterkuh zu trennen. Sigrid Kabelitz war Augenzeugin. Die Bäuerin verfolgte das schaurige Schauspiel von einem Futterhänger: „Die Alte hat gebrüllt wie verrückt und verteidigte ihre Zwillinge mit den Hörnern.“

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In Steinberg nahe Ziesar tappen Wölfe beinahe jede Nacht in die aufgestellte Fotofalle.

Quelle: privat

Schleichend verändern diese und andere Vorfälle den Alltag im Dorf. Mit dem Fahrrad fährt Sigrid Kabelitz nicht mehr zu den Koppeln. Ihre beiden schulpflichtigen Enkel bringt sie jeden Morgen mit dem Auto bis zur Bushaltestelle. Dabei wären es nur 200 Meter zu Fuß. „Hier ist nichts mehr so wie früher. Die Sache mit dem Hund hätte auch einem Kind passieren können“. Die Steinbergerin hat selbst bittere Erfahrungen mit dem Wolf machen müssen. Sechs Kälber sind ihrer Familie, die im Nebenerwerb eine Mutterkuhhaltung betreibt, bis Ende 2017 gerissen worden. Alle Fälle sind protokolliert und angezeigt. Was Sigrid Kabelitz besonders ärgert: „Immer wird die Schuld für die Konflikte bei den Weidetierhaltern gesucht. Als wenn wir uns nicht um unsere Rinder kümmern würden. Doch wer kann schon zehn Hektar mit fünf Litzen einzäunen?“

Von Frank Bürstenbinder

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