Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg/Havel Hündin Angie nach Wolfsangriff eingeschläfert
Lokales Brandenburg/Havel Hündin Angie nach Wolfsangriff eingeschläfert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:50 19.02.2018
Die lebenslustige Terrier-Hündin Angie hat einen Wolfsangriff nicht überlebt.  Quelle: privat
Anzeige
Steinberg

 Jeden Tag fahren 40 000 Pkw und über 10 000 Laster an Steinberg vorbei. Das Grundrauschen einer Autobahn, die nie schläft, hat neuerdings Konkurrenz bekommen. Es ist der vielstimmige Chor der Dorfhunde. Es gibt Nächte, in denen die vierbeinigen Alarmanlagen um die Wette winseln, jaulen und kläffen. Auch Angie schlug immer wieder seit Weihnachten in ihrem mit einem Stabgitterzaun gesicherten Revier Krach. Der Parson Russell Terrier war das, was man einen aufgeweckten Hund nennt: vital, unerschrocken und immer zu Späßen aufgelegt. Bis zu jenem Morgen, als Kerstin Schöbe frisches Blut vor ihrer Haustür entdeckte.

Zur Galerie
Durch einen Stabgitterzaun hindurch hat ein Wolf die Terrierhündin Angie angegriffen und schwer verletzt.

Es passierte zur besten Aufstehzeit, als Nachbarn die Schnitten für die Schulkinder schmierten. „Auf der Suche nach Angie kam mir die Hündin entgegengehumpelt. Die linke Vorderpfote fehlte – abgefressen von einem Wolf“, berichtet die Steinbergerin. Was sie bei ihrer Vermutung so sicher macht, zeigt der Blick auf die tagelange Bildergalerie einer am Grundstückszaun montierten Wildkamera. Ein Wolfsfoto folgt dem nächsten. Aufgenommen nicht nur in tiefer Nacht, sondern auch in den Morgenstunden. Ungeniert wagen sich die grauen Räuber bis in die Nähe der Menschen.

Von Kerstin Schöbes Küchenfenster bis zum robusten Grundstückszaun samt Betonsockel sind es gerade mal zehn Meter. Ein Wolf muss Angie durch die Gitterstäbe zu packen bekommen haben. Fellreste belegen das Drama. Die schwer verletzte Terrier-Dame wurde in eine Potsdamer Tierklinik gebracht. Dort sahen Ärzte nur die Möglichkeit den gesamten Vorderlauf zu amputieren. Doch um der 13-jährigen Hündin ein Leben als Krüppel zu ersparen, entschlossen sich die Besitzer Angie einschläfern zu lassen.

Ziesars Amtsdirektor: „Der Wolf schränkt unser Leben ein“

Der tragische Vorfall hat Kerstin Schöbe die Augen geöffnet: „Ich hätte nie gedacht, dass Angie auf unserem Hof etwas passieren könnte.“ Bei ihren geliebten Spaziergängen durch die Feldmark wird sie nicht mehr von ihrer Hündin, sondern von einem flauen Gefühl im Magen begleitet. Sie schaut sich öfter abrupt um, sucht Waldkanten nach verdächtigen Bewegungen ab. Wolfssichtungen wären noch die harmlosesten Ereignisse, wie sie inzwischen fast täglich in der Gemeinde Buckautal südlich der A 2 vorkommen.

Zur Galerie
Züchter Manfred Matthies mit dem Kadaver eines gerissenen Angus-Kalbs. Der Boecker Landwirt will seine Weidetiere jetzt abschaffen.

Ziesars Amtsdirektor Norbert Bartels, der selbst in Steinberg lebt, nimmt auf Nachfrage kein Blatt vor den Mund: „Die Kinder trauen sich im Dunkeln nicht mehr vor die Tür. Der Wolf schränkt unser Leben ein. Wir brauchen Entscheidungen, die den Wolf kurz halten. Sonst wird alles nur noch schlimmer.“ Bartels vergleicht die Situation in Steinberg mit einem Belagerungszustand und warnt vor gefährlichen Mischungen zwischen Wolf und Hund. Die grauen Räuber dringen selbst am helllichten Tage bis an die Siedlungskante vor. So jagten Wölfe vor wenigen Tagen über eine nahe Koppel, um zwei Kälber von ihrer Mutterkuh zu trennen. Sigrid Kabelitz war Augenzeugin. Die Bäuerin verfolgte das schaurige Schauspiel von einem Futterhänger: „Die Alte hat gebrüllt wie verrückt und verteidigte ihre Zwillinge mit den Hörnern.“

Schleichend verändern diese und andere Vorfälle den Alltag im Dorf. Mit dem Fahrrad fährt Sigrid Kabelitz nicht mehr zu den Koppeln. Ihre beiden schulpflichtigen Enkel bringt sie jeden Morgen mit dem Auto bis zur Bushaltestelle. Dabei wären es nur 200 Meter zu Fuß. „Hier ist nichts mehr so wie früher. Die Sache mit dem Hund hätte auch einem Kind passieren können“. Die Steinbergerin hat selbst bittere Erfahrungen mit dem Wolf machen müssen. Sechs Kälber sind ihrer Familie, die im Nebenerwerb eine Mutterkuhhaltung betreibt, bis Ende 2017 gerissen worden. Alle Fälle sind protokolliert und angezeigt. Was Sigrid Kabelitz besonders ärgert: „Immer wird die Schuld für die Konflikte bei den Weidetierhaltern gesucht. Als wenn wir uns nicht um unsere Rinder kümmern würden. Doch wer kann schon zehn Hektar mit fünf Litzen einzäunen?“

Von Frank Bürstenbinder

Bis zum Wahltermin begleitet die MAZ-Redaktion die beiden Kandidaten um das Oberbürgermeisteramt der Stadt Brandenburg mit verschiedenen journalistischen Formaten. Die vierte Frage, die wiederum in der Länge einer Twitternachricht beantwortet werden soll, lautet: Was soll mit der Planebrücke in welchem Zeitraum geschehen?

12.02.2018

Benjamin K. (31) hat am 18. Juni 2017 ein Patientenzimmer der geschlossenen Psychiatrie auf dem Görden in Brand gesetzt.Zuvor hatte er am 21. Mai seinem Großvater (85) auf dem Autobahnparkplatz Schwielowsee den Hals zugedrückt, um ihn zu töten. Das Landgericht Potsdam verurteilte dem wahnhaften Täter am Freitag dennoch nicht, da er schuldunfähig ist.

14.02.2018

Eine Aufführung mit nachempfundenen Klängen aus der Vorgeschichte, von der Steinzeit bis zur Epoche der Wikinger. Das Ensemble Mare Balticum präsentiert im Paulikloster in Brandenburg an der Havel ungewöhnliche Musik, vorgetragen auf verschiedenen prähistorischen Instrumenten wie Schwirrhölzern, Schrappern und Knochenflöten.

14.02.2018
Anzeige