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Brandenburg/Havel Wolf jagt Reh durch Trebitz – Frauen handeln
Lokales Brandenburg/Havel Wolf jagt Reh durch Trebitz – Frauen handeln
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07:19 15.12.2017
In Brandenburg gibt es 22 Wolfsrudel. Quelle: dpa
Brück

In Potsdam-Mittelmark häufen sich denkwürdige Begegnungen zwischen Mensch und Wolf. Nicht irgendwo beim Wandern oder Pilze sammeln in den dunklen Wäldern des Hohen Flämings. Sondern auf Straßen, vor Häusern, zwischen Scheunen – und neuerdings vor der Tür eines Gasthofs im Brücker Ortsteil Trebitz. Was ist passiert?

Doreen Wolf wird die Begegnung mit dem Wolf noch lange in Erinnerung bleiben. Quelle: Frank Bürstenbinder

Wolf ausgerechnet beim Schlachtefest im Ort

Doreen Wolf heißt nicht nur wie der graue Räuber. Die Hotelfachfrau hat ihn zuerst gesehen. Ausgerechnet ein Schlachtefest im Gasthof und Hotel „Zur Linde“ mit 90 Mittagsgästen war gerade zu Ende gegangen. Es gab Blutwurst, Bouletten, Krustenbraten, Bier und Sauerkraut. Im verlassenen Saal machte sich Doreen Wolf ans Besteckputzen. Von ihrem Arbeitsplatz kann sie durch die großen Fenster auf die Parkplatzzufahrt des Hauses blicken. „Plötzlich flitzte ein junges Reh über den Hof. Ein Wolf hinterher. Ich wollte es erst gar nicht glauben. Mit einer Kollegin bin ich vor die Tür gerannt“, berichtet die Linden-Kellnerin aus Brück.

Nach dem Wolfsangriff suchte das verletzte Kitz nach Deckung. Quelle: privat

Wolf flüchtete, Reh verendet

Draußen spielte sich ein Drama ab. Der Wolf hatte das Kitz an den Hinterläufen zu fassen bekommen. Mit lauten Rufen versuchte Doreen Wolf Isegrim einzuschüchtern. Kollegin Ute Zedler stand ihr mit Pfiffen wie in der Fankurve eines Fußballstadions bei. Der Wolf hielt inne, ließ von seiner Beute und flüchtete über den Parkplatz ins freie Gelände. Aufatmen bei den Service-Kräften. Doch dem verletzten und unter Schock stehenden Reh war nicht mehr zu helfen. Es verendete hinter einem Baum, wo es nach Deckung gesucht hatte.

Den langjährigen Wirtsleuten Roland und Monika Heine gibt der tierische Vorfall am helllichten Tag vor ihrer Haustür zu denken. „Wir haben in der Gastronomie schon viele schräge Gäste kommen und gehen gesehen. Aber dass es mal ein Wolf zu uns schafft, hätten wir uns im Leben nicht vorgestellt.“ Vor allem das ungenierte Vordringen des Raubtieres in die Trebitzer Dorfmitte macht Roland Heine Sorgen. Der Wolf muss von der Plane kommend dem flüchtenden Wild geradewegs über die Hauptstraßenkreuzung zum Markt gefolgt sein, wo seit über 100 Jahren der Gasthof „Zur Linde“ steht. Auf seiner Jagd hat der Wolf auch einen Spielplatz passiert.

Seit 1983 betreiben Roland und Monika Heine Gasthof und Hotel „Zur Linde“ in Trebitz bei Brück. Das Paar öffnet allerdings nur noch für Gesellschaften. Einen Wolf hatten die Wirtsleute noch nicht vor der Tür. Quelle: Frank Bürstenbinder

Wo der Räuber wirklich zu Hause ist, weiß niemand. Möglicherweise gehört das Tier zum Lehniner Rudel, das auf dem Truppenübungsplatz nachgewiesen ist. Oder es war ein Einzelgänger, der als Durchzieher auf der Suche nach einem neuen Revier ist. Vor drei Jahren geriet der kleine Ort Trebitz schon einmal in die Schlagzeilen. Rinderzüchter Peter Kernchen musste als einer der ersten Weidetierhalter in Potsdam-Mittelmark erleben, dass Wölfe in Mutterkuhherden einfallen. Mehrere Kälber wurden dabei gerissen.

Dass Menschen in Siedlungen auf einen Wolf treffen, galt unter Fachleuten lange als äußerst unwahrscheinlich. Doch ein anderer Vorfall in Grebs bei Glienecke zeigt, dass solche Begegnungen keine Ausnahmen mehr sind. Dort war am Wochenende eine Frau auf einen Wolf gestoßen, der mitten im Dorf ein Damwildkalb gerissen hatte. Für den Wolfsbeauftragten des Brandenburger Landesbauernverbandes, Jens Schreinicke, alles Beispiele für eine verfehlte Politik beim Umgang mit dem Rückkehrer. „In unserer dicht besiedelten Kulturlandschaft ist für den Wolf kein Platz. Zwangsläufig wird es immer wieder zu Konflikten mit Weidetierhaltern und Dorfbewohnern kommen“, ist Schreinicke überzeugt.

Wie verhalten bei Begegnung mit dem Wolf?

Nach derzeitigem Kenntnisstand leben im Land Brandenburg 22 Wolfsrudel, die meisten davon in Potsdam-Mittelmark. Mit dem Auftauchen der streng geschützten Art ist mittlerweile flächendeckend zu rechnen. Aus Sicht der Wolfsbeauftragten des Landes Brandenburg, Valeska de Pellegrini, haben sich die Frauen in Grebs und Trebitz richtig verhalten. Rufen, anschreien, gestikulieren und in die Hände klatschen sind geeignete Mittel, um einen Wolf zum Abdrehen zu bewegen. „Wer mehr Abstand möchte, sollte sich selbst langsam zurückziehen, aber nicht vor dem Tier davonrennen“, empfahl die Wolfsbeauftragte in einem MAZ-Interview.

Von Frank Bürstenbinder

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