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Wolliner Stellmacher werkelt noch als Senior

Altes Handwerk lebt weiter Wolliner Stellmacher werkelt noch als Senior

Der gelernte Stellmacher Siegfried Ballerstein aus Wollin kann als Rentner nicht vom Holz lassen. Der 70-Jährige steht aber nur noch stundenweise in der Werkstatt, um Stiele für Handwerks- und Gartengeräte oder Schneidebretter zu fertigen. Zum Aktionstag „Feuer und Flamme“ am 24. Oktober ist er im Stellmachermuseum in Damsdorf dabei.

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Siegfried Ballerstein an seiner Hobelbank in der Wolliner Werkstatt.

Quelle: Claudia Nack

Wollin. Der gelernte Stellmacher und Karosseriebauer Siegfried Ballerstein kann selbst als Rentner nicht vom Holz lassen. „Weil es mir Spaß macht, aber auch, um die schmale Rente ein bisschen aufzubessern“, erzählt der Wolliner. „Außerdem ist es für mich wie eine Therapie, denn der Doktor empfiehlt Bewegung“, sagt der 70-Jährige, der an Diabetes leidet.

Dreimal die Woche werkelt er stundenweise in der Werkstatt in der Schulstraße. „So wie ich Lust habe und es meine Gesundheit erlaubt.“ Ohne Werkstatt würde ihm etwas fehlen. „Denn ich bin mit ihr aufgewachsen, habe schon beim Vater zugeguckt und mitgeholfen.“ Ballerstein hat ein Handwerk gelernt, das früher das wichtigste war auf den Dörfern, heute aber ausgestorben ist. Zwar gibt es noch die letzten ihrer Art in Süddeutschland oder Dieter Dilling in Wusterwitz, aber auch der ist Rentner. Stellmacher werden schon lange nicht mehr ausgebildet, weil kein Bedarf da ist. Ackerwagen mit Holzrädern haben längst ausgedient.

Auf Dorf- und Erntefesten zu Gast

„Manchmal kommt noch ein Stammkunde vorbei, um sich von mir ein hölzernes Handwagenrad reparieren zu lassen“, erzählt Siegfried Ballerstein. Ansonsten fertigt er vor allem Stiele jeder Art für Äxte und Gartengeräte oder Schneidebretter auf Bestellung. Dazu verwendet er Erle aus seinem Altbestand, „weil es ein leichtes, aber trotzdem haltbares Holz ist“, erklärt der Rentner. Wenn ihn jemand anfordert, fährt er in der Umgebung ab und an zu Dorf- und Erntefesten. In Wiesenburg war er schon oder in Mötzow.

Unlängst nahm er zum zweiten Mal beim Tag der Regionen mit Herbstfest im Brandenburger Krugpark teil. Dann bietet er aber nicht nur seine Holzprodukte feil, sondern erzählt den Leuten auch von dem alten Handwerk. Das Stellmachermuseum in Damsdorf hat ihn am kommenden Samstag zum überregionalen Museumsaktionstag „Feuer und Flamme“ eingeladen. „Walter Richter, der verstorbene Vater der Inhaberin Renate Fuchs war jahrelang Innungsobermeister in Brandenburg Stadt und Land“, erzählt er. „Ein ganz feiner Mensch.“

1988 übernahm er die Stellmacherei

Siegfried Ballerstein war Stellmacher wie seine Vorfahren. Gelernt hatte er in der Landstellmacherei der LPG in Viesen, aber auch im Zimmererberuf mitgearbeitet. Anschließend ging er bei einem Brandenburger Karosseriebau-Familienbetrieb in die Lehre und arbeitete dann noch im Leichtmetallbau. „Um meine Erkenntnisse zu erweitern und flexibel zu sein.“ Ende der 70er Jahre holte ihn sein Vater Otto Ballerstein in die heimische Stellmacherei, die er nach dessen Tod 1988 übernahm.

Anders als seine Berufskollegen habe er zu DDR-Zeiten im Auftrag der Einkaufs- und Liefergenossenschaft keine Bauwagen hergestellt, sondern für die „Campingbude“ in Brandenburg jedes Jahr 36 000 Holzarmlehnen für Campingstühle. Außerdem fertigte er Gestelle für die Kammgarnspinnerei, Schubkarren für die Bäuerliche Handelsgenossenschaft sowie für den Fahrzeugbau hölzerne Böden und Klappen für Laster. Nach der Wende hielt er sich mit Zimmererarbeiten sowie mit Toren und Türen über Wasser.

Söhne brauchen keine Ratschläge

Ballersteins Urgroßvater Andreas Schmidt, der aus Wenzlow stammte, hatte die Werkstatt in der Schulstraße in Wollin 1850 aufgebaut. „Jede Generation hat etwas an Haus, Hof und Werkstatt gemacht“, erzählt der 70-Jährige. Sein ältester Sohn Detlef führt den Familienbetrieb gemeinsam mit dem jüngeren Bruder Udo als Zimmerei weiter. „Wir sind in Land Brandenburg unterwegs und übernehmen auch Dachdeckerarbeiten, Treppenbau, stellen Tore und Türen her“, sagt der 47-Jährige, der ebenfalls gelernter Stellmacher ist, nach der Wende aber seinen Zimmerer-Meister machte.

Vater Siegfried mischt sich nicht in die Geschäfte seiner Söhne ein. „Sie brauchen keine Ratschläge von mir“ , sagt er und freut sich, dass der Familienbetrieb weiterläuft. „Drei Maschinen sind noch aus der Zeit meines Großvaters, fast 100 Jahre alt und hatten noch nie eine Reparatur.“

Das Stellmachermuseum in Damsdorf, Alte Lindenstraße 3, hat zum Aktionstag am 24.Oktober von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Neben Holzprodukten gibt es Führungen und die Sonderausstellung „Holzschädigende Pilze und Insekten.“

Von Claudia Nack

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