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Wurde er Opfer einer Polizei-Prügelorgie?

Landeskriminalamt ermittelt Wurde er Opfer einer Polizei-Prügelorgie?

Der 64-jährige Manfred Rau (64) aus Brandenburg an der Havel erhebt schwere Prügelvorwürfe gegen die Polizei. Er habe um sein Leben gefürchtet und sei froh, dass er nicht erschossen wurde, sagt er. Dass ein Einsatz an einer Tankstelle völlig aus dem Ruder lief, ist klar. Doch die Version der Polizei widerspricht der von Rau.

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Manfred Rau, etwa acht Stunden nach dem Konflikt mit der Polizei.

Quelle: Malo

Brandenburg/H. Manfred Rau aus Schmerzke hat nach dem Kontakt mit zwei Polizeibeamten am Dienstag ein dickes blaues Augen davongetragen und weitere Verletzungen im Gesicht und am Oberkörper. Der 64-Jährige sagt, dass die Beamten ihn grundlos derart vermöbelt hätten, dass er um sein Leben gefürchtet habe. Der Polizeidirektion zufolge hatte sich der Brandenburger so heftig gewehrt, dass die Polizisten Gewalt anwenden mussten.

Manfred Rau sieht gar nicht gut aus mehrere Stunden nach dem Vorfall gegen 10 Uhr in und vor der Tankstelle des Beetzsee-Centers. Die rechte Wange ist geschwollen, das Auge veilchenblau, die Haut aufgeschürft. Auch am Oberkörper sind Verletzungen zu sehen. Zwei Polizisten sollen ihn so zugerichtet haben.

Abschürfungen und ein Veilchen im Gesicht

Was der in Schmerzke geborene und lebende Mann erzählt, ist haarsträubend und widerspricht in allen entscheidenden Punkten der Darstellung der Brandenburger Polizei. Er schildert das Geschehen so: Er tankt am Dienstag kurz nach 9 Uhr an besagter Tankstelle. Er hat den Eindruck, dass die Benzinzufuhr aus dem Zapfhahn mitunter stockt, während die Gelduhr immer weiter läuft.

Wenige Stunden nach dem Polizeieinsatz sieht man noch Wunden am Arm von Manfred Rau

Wenige Stunden nach dem Polizeieinsatz sieht man noch Wunden am Arm von Manfred Rau.

Quelle: Malo

Er möchte den Sachverhalt vom Tankwart geklärt wissen. Der verweist auf die geeichte Säule und will nichts weiter davon wissen. Rau besteht auf Klärung und bleibt im Tankstellenbüro, obwohl der Pächter ein Hausverbot ausspricht. Daraufhin ruft der die Polizei.

Ein Streifenwagen kommt, zwei Beamte betreten den Raum und sagen zu Rau, ohne zu grüßen: „Wat willste hier, willste Wasser tanken hier?“ Der Schmerzker entgegnet: „Wir sind nicht per du und ich lasse mich von euch nicht verdummen.“

Die Darstellung der Polizei

Die Polizei schildert das Geschehen in und an der Tankstelle des Einkaufszentrums ganz anders als Manfred Rau, nämlich so:

Die Beamten sprechen gegen den 64-jährigen im Tankstellenhäuschen einen Platzverweis zur Durchsetzung des Hausrechts aus. Er weigert sich und beleidigt die Beamten.

Um ihn in Gewahrsam zu nehmen, wollen die Polizeibeamten ihn in Richtung Ausgang führen. Doch er reißt sich los und wehrt sich. Mit körperlichen Zwangsmittel bekommen sie ihn nach draußen. Der Mann schlägt dabei wild um sich und verletzt einen Beamten leicht im Gesicht, der aber dienstfähig bleibt.

Der 64-Jährige leistet weiter Gegenwehr, die Beamten müssen ihn auf den Boden vor der Tankstelle drücken, damit sie ihm die Handfesseln anlegen können. Dabei prallt der Mann auf den Boden auf und wird im Gesicht verletzt.

Obwohl er mehrfach aufgefordert wird, seine Gegenwehr einzustellen, lässt er nicht locker und versucht, sich weiter los zu winden. Selbst als ihm die Handfesseln angelegt sind, beleidigt und bedroht er die Beamten. Er beruhigt sich auf dem Weg ins Polizeigewahrsam nicht, reißt sein Bein hoch, tritt in Richtung des fahrenden Beamten und trifft ihn am Hinterkopf.

Der Beamte bleibt unverletzt, hat aber Schwierigkeiten, den Streifenwagen unter Kontrolle zu behalten. Danach sichern sie ihn so, dass keine Gefahr mehr von ihm ausgeht.

Auch die Pressestelle der Polizei hat dazu eine Meldung veröffentlicht – sie kann hier nachgelesen werden.

In dem Moment nimmt der Korpulente der beiden Polizisten den mit verschränkten Armen dastehenden Rau in den Schwitzkasten, der andere Polizist und der Tankwart gehen auch auf ihn los und drücken ihn vor der Tankstelle auf den Boden. Der Schwere setzt sich auf seinen Rücken und prügelt auf ihn ein. Rau versucht sich rauszuwinden, hat aber keine Chance.

Der 64-Jährige schreit um Hilfe, keiner kümmert sich drum. Offenbar denken die Passanten, dass die Polizei gerade einen Verbrecher festnimmt. Die Beamten fesseln den Mann, die Hände hinten am Rücken. Die Fessel sitzt so fest, dass es höllisch schmerzt, er fleht vergebens nach Lockerung. Dann verfrachten sie ihn auf den Rücksitz des Streifenwagens. Der kleinere Beamte sitzt neben ihm, beschimpft ihn als „Drecksau“ oder „das Schwein aus Schmerzke“, mit dem sie noch zehnmal fertig würden. Das Polizeiauto steht noch, als der schwere Polizist auf dem Fahrersitz sich umdreht und Manfred Rau mehrfach ins Gesicht boxt. Währenddessen hören Beamte auf der Wache über das eingeschaltete Funktelefon die Nachricht ihrer Kollegen: „Der wehrt sich.“ Rau ruft dazwischen: Alles Schwindel.

Auch im Hals-Brust-Bereich sind die Folgen des Polizeieinsatzes zu sehen

Auch im Hals-Brust-Bereich sind die Folgen des Polizeieinsatzes zu sehen.

Quelle: Malo

Hat der Beamte dem Mann grundlos ins Gesicht geboxt?

Die Beamten stoßen den Brandenburger in den Fußraum und fahren ihn zur Wache. Dort wird er von anderen Beamten anständig behandelt. Ein Drogentest wird gemacht, alles ist in Ordnung. Der gelernte Kfz-Meister lässt sich einen Rettungswagen rufen und wird in der Notaufnahme behandelt. Die Ärzte stellen zahlreiche Prellmarken fest an Hals, Schulter, Brustkorb, Oberarmen, außerdem Schwellungen an beiden Handgelenken sowie Schwellungen, Hämatome, Abschürfungen im Gesicht.

Rau sagt: „Ich bin heilfroh, dass sie mich nicht erschossen haben.“ Noch in der Rettungsstelle informiert er die MAZ und erstattet wenig später Anzeige, denn er will komplette Aufklärung.

Mutmaßliches Opfer von Polizeigewalt will Aufklärung

„Erfunden und erlogen“, nennt Manfred Rau die Polizeiversion (siehe Infokasten). Er vertraut darauf, dass das sichergestellte Filmmaterial aus der Tankstelle deutlich macht, dass er nicht handgreiflich geworden ist. Er hofft auch, dass sich Zeugen melden, die bestätigten können, dass er nicht um sich geschlagen hat.

Die Polizeiinspektion ermittelt gegen Rau wegen Hausfriedensbruches und Widerstandes, das Landeskriminalamt gegen die beiden Beamten wegen Körperverletzung im Amt und Beleidigung.

Von Jürgen Lauterbach

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