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Wusterwitzer Kita feiert 70-Jähriges

Kindersegen Wusterwitzer Kita feiert 70-Jähriges

Wusterwitz blickt auf ein Jubiläum zurück. Vor 70 Jahren wurden im Dorf und im Ortsteil Bahnhof die ersten Kindergärten eröffnet. Eine Krippe kam 1953 hinzu. Heute werden alle Mädchen und Jungen an einem modernen Standort in der Rosa-Luxemburg-Straße betreut. Und dieser ist schon wieder fast zu klein.

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Annelie Jaschke, Gerda Dierck und Barbara Zander (v.l.) erinnern sich an ihre Zeit in den Wusterwitzer Kitas.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Wusterwitz. Bei ihnen haben Generationen von Wusterwitzern das Laufen gelernt. Über ihren Beruf, den sie als Berufung empfanden, könnten die drei Frauen ein Buch schreiben. Voll mit Spielplatzgeschichten, Anekdoten aus Kindermündern, Erinnerungen an Elternabende, Umzüge, Neuanfänge und viele ausgefüllte Stunden. „Es war eine schöne Zeit“, sind sich Annelie Jaschke (69), Gerda Dieck (85) und Barbara Zander (73) einig. Beim Anschauen alter Fotos werden Erinnerungen an die organisierte Kinderbetreuung wach, die in Wusterwitz vor genau 70 Jahren begann.

Bewegte Kita-Geschichte

Im Mai 1946 wurden zunächst zwei Räume in der einstigen Stade-Villa in der Rosa-Luxemburg-Straße als Kindergarten hergerichtet. Zu den ersten Erzieherinnen gehörte Ilse Dücker. Erst in den Jahren 1952 bis 1956 war die Einrichtung weitgehend saniert. 1953 erfolgte im Haus die Eröffnung der Kinderkrippe „Bummi“.

Weil die Plätze in der Villa nicht mehr ausreichten, kam es 1981 zur Errichtung eines Flachbaus auf dem Nachbargrundstück, wo sich bis heute die komplett sanierte Kita der Gemeinde Wusterwitz befindet.

Auch im Dorf gab es schon bald nach dem Krieg in der Hauptstraße einen Kinderbetreuung. Weil die Räume in einem Hofgebäude zu klein wurden, gab es einen Umzug in die alte Schule in die Warchauer Straße. Die Dorf-Kita wurde nach der Wende von der Kirchengemeinde übernommen und 2006 geschlossen.

Es gibt keinen Festakt und keine Sonderausstellung im Heimatmuseum. Ein Jubiläum, das fast in Vergessenheit geraten wäre, hätte nicht der Heimat- und Kulturverein ein wachsames Auge auf die vielen Zäsuren in der Wusterwitzer Geschichte. Die Eröffnung gleich zweier Kindergärten durch die Kommune nicht lange nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gehört unbedingt dazu. Sowohl im Dorf als auch im Ortsteil Bahnhof wurden Immobilien für die Aufnahme von Kindern ab drei Jahre hergerichtet.

Diese  Aufnahme aus der DDR-Zeit zeigt Kinder und Erzieherinnen vor der  Villa in der Rosa-Luxemburg-Straße

Diese Aufnahme aus der DDR-Zeit zeigt Kinder und Erzieherinnen vor der Villa in der Rosa-Luxemburg-Straße.

Quelle: Heimat- und Kulturverein

Unter bescheidenen Verhältnissen wurden zunächst zwei Räume in einem Hofgebäude des Hauses Nr. 41 im Dorf bereitgestellt. Es gab nur ein Außenklo. Eltern, die schlachteten, mussten die Schulküche bedenken. Dort wurde für alle Kinder gekocht. Das war 1946. Ein Jahr später war die erst 15-jährige Gerda Dieck mit dabei. Die Tochter einer Flüchtlingsfamilie aus Danzig bekam in Wusterwitz die Chance ihres Lebens. „Daraus sind am Ende 43 bewegte Berufsjahre geworden. Dafür bin ich sehr dankbar“, berichtet die noch immer agile Seniorin.

Beispielhaft für die vielen Frauen, die den Wusterwitzer Nachwuchs durch die Krippen- und Kindergartenjahre brachte, steht auch Barbara Zander. Sie leitete von 1968 bis 1990 den inzwischen in die Warchauer Straße verlegten Dorf-Kindergarten, bevor die Evangelische Kirche die Einrichtung in ihre Trägerschaft übernahm. 2006 erfolgte die Auflösung.

Gut behütet in der Wusterwitzer Kita

Gut behütet in der Wusterwitzer Kita. Frühstück und Vesper sind für die Eltern kostenlos.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Kita-Geschichte hat Annelie Jaschke (69) mitgeschrieben, die von 1990 bis 2006 die Geschicke des Kindergartens im Ortsteil Bahnhof in der Rosa-Luxemburg-Straße leitete. Dort war nach dem Krieg zunächst die Villa Stade (heute Hautarztpraxis Kunzelmann) als Kindergarten eröffnet worden. Auch die Kinderkrippe, die in der DDR dem Gesundheitswesen unterstand, fand dort ab 1953 ihr Domizil. Langjährige Leiterin war Uschi Wlodarski. Seit der Wende gibt es keine Trennung mehr zwischen Kita und Krippe. Zentraler Standort für die Kinderbetreuung ist der 1981 eröffnete und von der Gemeinde umfassend sanierte Flachbaukomplex neben der Hautarzt-Villa, die auch als Wohnsitz des 1944 abgestürzten Lufthansakapitäns und Arado-Testpiloten Max Schnirring bekannt geworden ist.

Betreuten die beiden Kitas und die Krippe in den Blütezeiten des Babybooms an die 200 Mädchen und Jungen, kümmern sich heute Leiterin Kerstin Tennigkeit (48) und ihre 18 Kolleginnen um rund 130 Kinder. Weil die Kapazität damit so gut wie erschöpft ist, gibt es eine Ausnahmegenehmigung für bis zu 155 Kinder. Die Kommune lässt regelmäßig sanieren und renovieren. Derzeit finden Dachreparaturen statt. Eine neue Küche wurde eingebaut.

„Gemeinde und Amt haben für uns immer ein offenes Ohr. Darin liegt wohl ein Grund für die langjährige Kontinuität der erfolgreichen Kinderbetreuung in Wusterwitz“, ist sich Kita-Leiterin Tennigkeit sicher. Auf Kolleginnen, die in letzter Zeit aus Altersgründen ausgeschieden sind, kann sich die Kita-Führung verlassen. Klemmt es wegen einer Grippewelle oder in der Urlaubszeit beim Personal, springen pensionierte Kindergärtnerinnen immer mal wieder ein. Ihr Dorf ohne Kita kann sich auch nach 70 Jahren kein Wusterwitzer vorstellen.

Von Frank Bürstenbinder

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