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Brandenburg/Havel Zalando lieferte Kleider an tote Brandenburger
Lokales Brandenburg/Havel Zalando lieferte Kleider an tote Brandenburger
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10:15 18.07.2017
Das Brandenburger Paar vertraute darauf, dass das Internet-Kaufhaus Zalando ihm nicht auf die Schliche kommen würde. Quelle: Konrad Radon
Brandenburg/H

Raffiniert, aber nicht raffiniert genug ging ein Gaunerpärchen in Brandenburg/Havel zu Werke, das vor rund drei Jahren Sweatshirts, Jeans und Schuhe im Wert von rund 3000 Euro beim Versandhändler Zalando bestellt hat, ohne zu bezahlen. Die jungen Leute ließen ihre Bestellungen an verstorbene Bürger schicken. In dieser Woche wurden beide zu Gefängnisstrafen verurteilt.

Janine K. (28) und Ricky S. (32) sind seit etwa drei Jahren ein Paar. Beide arbeiten nicht, sondern beziehen Hartz IV. Da sie davon keine großen Sprünge machen konnten, suchten sie nach einem Weg, ihr Einkommen aufzubessern.

Mit einem Trick gelang es ihnen, übers Internet Kleidung und Schuhe bei Zalando und Bonprix zu bestellen. Als Lieferadressen gaben sie keineswegs die eigene Anschrift an. Die gelernte Hotelfachfrau durchforstete vielmehr Todesanzeigen und notierte die Namen der Verstorbenen und deren Geburts- und Todesdaten.

Ihr Partner suchte parallel Häuser mit freien Wohnungen – überwiegend in Hohenstücken und Nord – und mit entsprechend ungenutzten Briefkästen. Auf diese Kästen und die Klingelschilder klebte das Gaunerpärchen vorbereitete Schilder mit den Namen der Toten. Dorthin ließen sie ihre Bestellungen liefern.

Die Post- und Hermes-Boten trafen dann natürlich niemanden an, der die Pakete hätte entgegen nehmen können. Deshalb hinterließen sie Benachrichtigungsscheine in den betreffenden Briefkästen, welche Janine K. wenig später mit ihren schlanken Fingern herausfischte.

Im Namen des verstorbenen Menschen stellte sie sich selbst Vollmachten aus, mit denen sie die Pakete mit der Versandware bei der Post oder bei Hermes abholen konnte.

Janine K. bot die neuen Kleidungsstücke auf Internetplattformen zum Verkauf an und erzielte auf diese Weise jeweils etwa die Hälfte des Originalpreises. Sie und ihr Freund vertrauten darauf, nie erwischt zu werden. Doch es kam anders.

Weil Janine K. ins Visier der Drogenfahnder geraten war, fand in ihrer Wohnung eine Hausdurchsuchung statt. Dabei stießen zwei aufmerksame Polizistinnen auf Spuren der Versandhandelbetrügereien, zum Beispiel Todesanzeigen, vorbereitete Namensschilder, Retourenzettel und ein Notizbuch mit verdächtigen Einträgen.

Weitere Ermittlungen bei Zalando und Bonprix ergaben, dass die beiden dort zumindest zehnmal Bestellungen aufgegeben und erhalten hatte, ohne zu bezahlen. Daher landeten sie vor Gericht.

Anfangs äußerte sich beide nicht zu den Vorwürfen. Zur Verhandlung in dieser Woche lag dem Brandenburger Schöffengericht allerdings das Ergebnis des Schriftgutachters Werner von Kiedrowski vor, der die Handschrift in dem Notizbuch eindeutig den Angeklagten und damit auch ihren krummen Geschäften zuordnete.

Im aktuellen Prozess war das Paar geständig im Hinblick auf die zehn nachgewiesenen Betrügereien, die in einem Zeitraum von nur elf Tagen im Juli 2014 abliefen. Die Staatsanwältin vermutet, dass die beiden noch mehr ergaunert haben, was nicht nachgewiesen werden kann.

Weil Ricky S. schon mehr als 15 Mal vorbestraft ist, erhielt er die höhere Strafe: Zweieinhalb Jahre Gefängnis, Bewährung ist bei ihm wegen seiner vielen einschlägigen Vorstrafen nicht mehr möglich. Anders bei Janine K. Sie ist zwar als Schwarzfahrerin und Kleindiebin wiederholt aufgefallen. Doch trotz der hohen kriminellen Energie, die die Richterin ihr bescheinigt, erhält sie eine anderthalbjährige Bewährungsstrafe.

Dafür muss die Frau, die vor zwei Jahren ihr Kind verloren hat, eine Bedingung erfüllen. Sie muss binnen kurzer Zeit Sozialstunden ableisten oder nachweisen, dass sie in Festanstellung mindestens acht Stunden täglich arbeitet.

Die Verteidiger Thomas Arndt und Simon Daniel Schmedes erwähnten in ihren Plädoyers eine gewisse „Mitschuld“ bei den Internet-Versandhändlern, die es ihren Mandanten verdammt einfach gemacht hätten zu betrügen.

Von Jürgen Lauterbach

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