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Brandenburg/Havel Zauberflöte in der Marienkirche
Lokales Brandenburg/Havel Zauberflöte in der Marienkirche
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02:16 10.08.2015
Quelle: MaloszykVolkmar
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Lehnin

Bevor es überhaupt richtig losging am Donnerstagabend in der Marienkirche in Kloster Lehnin, da tobte bereits der pure Wahnsinn. Es herrschte ein nie zuvor da gewesener Andrang. Eine Opernaufführung in der Kirche. Das wollte sich natürlich niemand entgehen lassen. Und so saßen etwa 650 Zuschauer dicht gedrängt in den Kirchenbänken. Davor noch eng gestellte Stuhlreihen. Und immer noch strömten Menschen in die Kirche. „Wir haben keine Stühle mehr“, wurden sie am Einlass informiert. Egal. Hauptsache dabei sein. Wer nicht stehen wollte, der lagerte eben auf dem Kirchenfußboden.

Wegen Überfüllung geschlossen: Großer Andrang herrschte am Donnerstagabend in der Lehniner Marienkirche. Die Zauberflöte von Mozart feierte in der Inszenierung von Christina Pless Premiere. Die international bekannte Opernsängerin gab damit auch ihr Regiedebüt. Das Publikum war begeistert.

Schuld an dem ganzen Aufruhr war eine einzige Frau: Christina Pless. Die international bekannte Opernsängerin feierte mit ihrer Inszenierung von Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ ihr Regiedebüt. Dazu hat sie eine Riege weltbekannter Künstler um sich geschart. Doch damit das Inszenieren nicht zu einfach wurde, hat sie auch Laienkünstler engagiert. Würde das gut gehen? Doch, es ist gut gegangen! Vor allem gesangstechnisch waren die Laienkünstler den Profis ebenbürtig. Was nicht so sehr verwundert, denn die beteiligten Laien haben alle eine langjährige Gesangsausbildung absolviert, einige unter anderem auch bei Christina Pless. Und so gab es immer wieder Szenenapplaus für durchweg hervorragende Gesangsleistungen.

Anders war es mit der Bühnenpräsenz bestellt. Da konnte man teilweise deutliche Unterschiede feststellen. Rosa Hempel hat als Königin der Nacht stimmlich wirklich eine Bravourleistung vollbracht. Doch in ihrem Auftreten nahm man ihr die Verkörperung dieser machtbessenen, zerstörerischen Frau nicht ganz ab. Obwohl der Tenor Burkard Wehner als professioneller Sänger für Vokalmusik des Mittelalters und der Renaissance in verschiedenen Ensembles im In- und Ausland aufgetreten ist, agierte er in der Rolle des Tamino eher blass. Ganz anders Axel Pless als Papageno. Pralle Lebenslust zeigte der auf internationalen Bühnen gefeierte Sänger. Jolanda Antoinette Erken als Papagena wirkte neben diesem Vollblutmann zunächst sehr zart. Aber sie steigerte sich in ihrer Rolle, so dass man ihr schließlich glaubte, dass sie mit dem schlitzohrigen Papageno gerne „liebe kleine Kinderlein“ haben wollte.

Anja Dreibrodt lieh der Pamina ihre wunderbare Gesangstimme. Doch die junge Frau, die im zivilen Leben als Hausverwalterin tätig ist, hatte auch Text zu sprechen. Den sprach sie mit ihrer Alltagsstimme, der man einen leichten Touch des Brandenburger Tonfalls anmerkte. Das hat ihre Rolle auch da geerdet, wo es ursprünglich nicht vorgesehen war. Ob Paris oder London, ob Berlin oder Salzburg, der Zweimetermann Markus Hollop hat schon auf fast allen wichtigen Bühnen in Europa gestanden. Und wenn er in seiner Paraderolle als Sarastro seine unglaublich tiefe Bassstimme erklingen lässt, dann glaubt man ihm gern, dass Sarastro das Gute will und dass es ihm um Liebe und Freundschaft unter den Menschen geht.

Christian Deichstetter hat Schwerstarbeit geleistet. Der Pianist verkörperte das Orchester. Er begleitete die Sänger auf dem Klavier. Das bedeutete vollste Konzentration wahrend der gesamten Aufführung, denn als Orchester war er ja ständig im Einsatz. Auch wenn er nuanciert und einfühlsam spielte, den feinsten Gefühlsregungen nachspürte und Donner krachen ließ – ein bisschen mehr Orchester wäre einfach schöner gewesen. Doch auch in der Welt des weisen Sarastro gibt es Menschen, die fehlen können. Joachim Hörcher, pechschwarz geschminkt, verkörpert überzeugend mit sichtlicher Spielfreude und toller Stimme den Mohren Monostatos, der Pamina mit Gewalt nehmen will. Übrigens: Wer heutzutage eine derartige Rolle schriebe, würde sich dem Vorwurf des Rassismus aussetzen.

Von Ann Brünink

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