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Brandenburg/Havel Bei den Indianern raucht der Schornstein
Lokales Brandenburg/Havel Bei den Indianern raucht der Schornstein
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05:59 29.08.2014
Quelle: F. Bürstenbinder
Rietz

Rauchen Sie? Brauchen Sie einen Aschenbecher? Eine Begrüßungskultur, wie aus einer anderen Welt. Herzlich willkommen in einer Zigarettenfabrik. Der Hersteller Grand River Enterprises Deutschland (GRE) feiert am Sonnabend in Rietz sein zehnjähriges Bestehen. Davon wird seit 2006 in Kloster Lehnins erfolgreichstem Gewerbegebiet produziert. Jahresausstoß: Zehn Milliarden Zigaretten. Damit der Schornstein raucht, stehen dort inzwischen an die 290 Männer und Frauen in Lohn und Brot. Für mittelmärkische Verhältnisse ist GRE ein ganz Großer unter den Arbeitgebern.

Raucher zu sein ist keine Einstellungsvoraussetzung in dem von kanadischen Indianern gegründeten Unternehmen. Selbst der für die Deutschland-Produktion verantwortliche Firmenchef Willie Beck hat die Zigaretten aus der Hand gelegt. Dafür darf es ab und an ein Zigarillo oder eine Zigarre sein. Ihn wurmt die gesellschaftliche Ächtung, die Raucher in Deutschland mittlerweile über sich ergehen lassen müssen. Auch am Werbeverbot für Tabakwaren lässt der Manager kein gutes Haar. „Dabei spült die Branche dem Bundesfinanzminister jährlich rund 14 Milliarden Euro Tabaksteuer in die Haushaltskasse“, moniert Beck. Auch zu den penetranten Gesundheitswarnungen auf jeder Packung hat der Firmenchef natürlich seine Meinung: „Dann müsste auf jeder Flasche Schnaps stehen: Saufen kann tödlich sein.“ Immerhin: Zigarettenmilliardär Beck ist auf den Geschmack gekommen – nämlich ein gutes Essen in einem rauchfreien Restaurant einzunehmen.

Trotz aller Reglementierungen ist der deutsche Markt stabil.

Gott sei dank wird noch geraucht. Seit der Einführung in 2004 haben sich die Tabakprodukte mit dem Indianerkopf als Label gut behauptet. Neben den Eigenmarken Mohawk, Mark 1 oder American Club fertigt GRE in Rietz Zigaretten für Discounterketten wie Lidl oder Aldi. Dann heißen sie Goldfield oder Templeton. Auf den zweiten Blick am GRE-Logo auf der Schachtel als Made in Mittelmark zu erkennen. Oder für Insider an der Steuerzeichenbeziehernummer 555 auf jeder Steuerbanderole.

Doch ihr Wachstum generiert die Grand River Enterprises GmbH auf internationalen Märkten, in die der Einstieg neben hochwertiger Qualität natürlich über den Preis gelingt. In halb Europa werden inzwischen Zigaretten aus Rietz gepafft. Polen und Spanien zum Beispiel sind wichtige Absatzländer geworden. Exportiert wird nach Russland, Bulgarien, Tschechien, Slowakei, Österreich, Japan und andere Staaten. Und zwar so erfolgreich, dass GRE in den acht Rietzer Jahren ein Anlagevermögen von rund 250 Millionen Euro geschaffen hat.

Beim Vertrieb setzt das Management auf den Großhandel. „Doch auch die kleinen Verkäufer sind uns nicht zu popelig. So versorgen unsere Außendienstler zum Beispiel die Bahnhofskioske in Potsdam“, berichtet GRE-Chef Beck. In der Produktion ist das Rietzer Unternehmen als so genannter Vollsortimenter breit aufgestellt. Neben den Fertigprodukten in zahlreichen Längen, Geschmacksrichtungen und Abpackungen wird auch jene Kundschaft bedient, die ihre Zigaretten mit Feinschnitt-Tabak selbst drehen wollen. Hülsen, Filter und Zubehör für die Heimarbeit gehören deshalb zum Sortiment. Wie auch Pfeifentabak – allerdings frei von Vanille, Kirsche, Mango und anderen Modearomen.

Nach alter Tradition

Seit über 800 Jahren nutzen die Mohawk-Indianer die ursprüngliche Tabakveredlung ihrer Vorfahren, die innerhalb ihres Stammes überliefert wurde. In ihrem Reservat der Six Nations in Ontario/Kanada betreiben die Indianer seit vielen Jahren eine eigene Fabrik.
Grand Rivers Enterprises Deutschland wurde 2004 gegründet, um den internationalen Markt schneller zu beliefern. 2006 wurde das Werk im Gewerbegebiet Rietz feierlich eröffnet. Seither hat GRE den Ausbau der Zigarettenfabrik kontiniuierlich vorangetrieben.
Bekanntestes Produkt von GRE ist die Hausmarke Mohawk. Daneben werden weitere Zigaretten und Tabakprodukte hergestellt. Die Gründung von GRE Deutschland geht auf die 1992 erfolgte Gründung von GRE International zurück. Damals legten sieben Mohawk-Unternehmer ihr Kapital zusammen, kauften die erste Zigaretten- und Verpackungsmaschine und brachten die Zigarettenmarke Sago auf den kanadischen Markt.
Neben dem Werk in Rietz betreibt GRE in der Brandenburger Steinstraße einen Mohawk-Store, wo es Tabakprodukte, Textilien und indianischen Schmuck zu kaufen gibt. GRE engagiert sich als Sponsor im sozialen und sportlichen Bereich. Vom Gewinn wird zudem eine indianische Stiftung zur Förderung von Kindern unterstützt.

GRE-Produktionsleiter Axel Lüer sieht viele Raucher zu den Wurzeln des Lasters zurückkehren. Der unverfälschte Tabakgeschmack sei wieder gefragt. „Wenn ich rauchen will, rauche ich Tabak. Und wenn ich Lust auf Obst habe, esse ich eine Mango“, meint Lüer, der seit über 30 Jahren der Zigarettenbranche treu ist. Zu DDR-Zeiten als Mitarbeiter in der Ostberliner Zigarettenfabrik, wo „Club“, „Cabinet“ und „Karo“ vom Band liefen.

In Rietz ist Lüer verantwortlich für alles, was mit der Herstellung der Indianer-Zigaretten zu tun hat – von der Aufbereitung des Rohtabaks zu Schnitttabak über die Produktion auf mittlerweile neun Maschinen bis hin zur versandfertigen Ware. Schon die Mischung der verschiedenen Tabake ist eine Wissenschaft für sich. Die Rezepturen aus rund 30 verschiedenen Sorten werden als Betriebsgeheimnis gehütet. Der Konzern hat firmeneigene Anbaugebiete in Kanada. Zugekauft wird weltweit, zum Beispiel in Brasilien, Mexico, Indien, den USA und Bulgarien.
Hätte Tabak aus Deutschland in einer deutschen Fabrik noch eine Chance? Der aus Trier stammende und in Potsdam lebende Branchenkenner Beck winkt ab. Der Anbau sei längst nicht mehr rentabel. Schon gar nicht bei Mindestlöhnen von 8,50 Euro. Außerdem bringe das mitteleuropäische Klima keine hochwertigen Tabake hervor, wie sie der Markt heute verlange, so der GRE-Manager. Und wie hält es der Hersteller selbst mit dem Mindestlohn? Beck: „Das Thema berührt uns nicht. Wir sind deutlich darüber. Die Leute sollen von der Arbeit ordentlich leben können, sie sind unser wichtigstes Kapital.“

Von Frank Bürstenbinder

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