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Brandenburg/Havel Mittelalter-Freunde verlassen Slawendorf-Schänke
Lokales Brandenburg/Havel Mittelalter-Freunde verlassen Slawendorf-Schänke
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17:20 29.01.2019
Jens Wiedecke am Grill während des Wintermarktes im Slawendorf. Er ist einer der Geschäftsführer der Firma Zeitreise GmbH, die nun nicht mehr Pächter der Schänke ist. Quelle: Heiko Hesse
Brandenburg/H

Wann immer bunte Recken sich im Slawendorf die Köpfe einschlugen, Handel trieben, Ende April Hexen jagten oder Glühwein und Bratäpfel verkauften, hatten die Männer der „Zeitreise GmbH“ die Finger im Spiel. Jens Wiedecke und Thomas Rau waren als Zeitreise-Chefs die „Gesichter“.

Die Pächter des Dorfes allerdings waren sie nie, sondern nur die der Schänke, die von Ostern bis Oktober betrieben werden kann.

„Ja, wir haben keinen Vertrag mehr!“

Und auch das sind sie nicht mehr. „Ja, wir haben uns aus dem Slawendorf zurückgezogen, die Sachen gepackt und Lager geräumt“, bestätigt Wiedecke. Man habe der Zeitreise-GmbH wieder nur einen Jahresvertrag angeboten, erzählt er.

Für 1000 Euro monatlich habe die GmbH Räume auf dem Areal nutzen können, habe aber damit nicht den Zugriff auf das Dorf gehabt. Nach wie vor habe die BAS als Betreiber des Slawendorfes selber Veranstaltungen angeboten. Und zwar unter dem Preis, den die Zeitreise GmbH nehmen musste.

Bei Veranstaltungen, die „Zeitreisen“ dort organisierte, habe die städtische Beschäftigungsgesellschaft BAS dann noch einmal die Hand aufgehalten. Etwa 50.000 Euro wurden insgesamt in vier Jahren bezahlt.

Alle Versuche gescheitert, dauerhaft zu kooperieren

Er wolle nicht schlecht über die BAS reden, sagt der Mittelalterexperte. Sein Herz hänge am Dorf und auch in Zukunft werde man das Gelände für Veranstaltungen mieten. Nur seien alle Versuche gescheitert, eine dauerhafte Partnerschaft auf die Beine zu stellen.

An einem Gespräch zwischen OB Steffen Scheller, der Zeitreise GmbH und der BAS Ende 2018 habe das kommunale Unternehmen kein Interesse gehabt, sagt Wiedecke. BAS-Chefin Margitta Scholz bestätigt die Trennung, verweist aber darauf, dass ihr vom Gesellschafter, also der Stadt, die Hände gebunden seien.

In der Tat hatte OB Scheller schon im Dezember 2018 im Hauptausschuss erklärt, dass die SVV darüber nachdenken müsse, wie denn endgültig über diese Fläche in Zukunft verfügt werden solle. Das sei nicht die Aufgabe der BAS.

Hoteldiskussion nicht die Ursache

Wie berichtet, war die Idee laut geworden, auf dem Areal ein großes Innenstadthotel zu errichten. „Zeitreisen“ verlasse das Dorf aber nicht, weil die Politik eine Diskussion zu einem Hotel vom Zaun gebrochen habe, sagt Wiedecke: „Würde das Dorf funktionieren, würde sich keiner trauen, die Diskussion zu führen.“ Doch dem sei ja nicht so.

Die BAS sehe das Slawendorf nicht als Kulturstandort, sondern als Ort für Maßnahmen des zweiten Arbeitsmarktes, glaubt er. Da bleibe wenig Platz für ein Unternehmen, das das Mittelalter wieder erweckt, szenische Führungen anbietet oder Märkte und Spektakel organisiert.

Beim Landesmuseum im Pauli-Kloster oder auf der Burg Ziesar renne man hingegen offenen Türen mit den Ideen ein, schwärmt Wiedecke von zukünftigen Partnern.

Tür nicht zugeschlagen

Die Tür endgültig im Slawendorf zu schließen, hat er aber nicht vor: „Unser Herz hängt an dem Ort. Wir sind für vieles offen.“ Allerdings glaubt auch er, dass die Idee einer Hotelansiedlung an diesem Ort spätestens nach der Kommunalwahl im Mai offensiver geführt wird.

Allerdings ist er sich sicher, dass sich die Stadt dann von den Betreibern des geplanten Boutique-Hotels in direkter Nachbarschaft zum Slawendorf verabschieden kann: „Das haben uns die Investoren ganz klar gesagt."

Bas steht vor einer schweren Zeit

Margitta Scholz trifft der Abgang der Zeitreise GmbH hart. Denn schon jetzt hat sie kein Geld, um das hölzerne Slawendorf instand zu halten. Von der Stadt kommt kein Zuschuss, der geförderte zweite Arbeitsmarkt ist praktisch tot und Pacht gibt es nun auch nicht mehr.

Im Übrigen räumt sie auf mit der Legende, die BAS habe das Dorf nicht hergeben wollen: Es habe schlicht niemanden gegeben, der von der Stadt das Gelände und von der BAS die Gebäude pachten wollte und der ein Konzept hatte.

Von Benno Rougk

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