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Brandenburg/Havel Zerkleinerte Lenkräder für Brandenburg
Lokales Brandenburg/Havel Zerkleinerte Lenkräder für Brandenburg
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00:40 24.07.2015
Die Darstellung zeigt, wo auf dem Industriegelände die moderne Schredderanlage der Firma Remine entstehen und im November in Betrieb gehen soll. Quelle: Remine GmbH
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Brandenburg an der Havel

Ein innovatives Industrieunternehmen soll im Recyclingpark auf dem ehemaligen Stahlwerkgelände in Brandenburg entstehen. Wiederverwendung statt Verbrennung ist die Philosophie des Unternehmens Remine, das die Genehmigung seiner Schredderanlage durch die Landesumweltbehörde anstrebt. Noch bis zum 31. Juli haben Bürger die Chance, die Antragsunterlagen in der Stadtverwaltung einzusehen und sich ein eigenes Bild von dem Vorhaben zu machen.

29 neue Arbeitsplätze

Das Positive vorweg: Die großen überwiegend nicht oder wenig benutzten ehemaligen Stahlwerkshallen neben dem Industriemuseum werden besser ausgelastet. Die Mebra-Tochter Recyclingpark erzielt Mieteinnahmen mit dem Wandel vom Schwerindustrie- zum Technologiestandort. Das Industriemuseum, das nur einen symbolischen Mietpreis zahlt, behält seine Perspektive in den denkmalgeschützten Hallen.

29 neuen Arbeitsplätze sollen entstehen, mittelfristig ist ein Ausbau auf bis zu 40 Arbeitsplätze möglich, teilt Remine-Geschäftsführer Bernd Fleschenberg mit. Sobald die Anlage genehmigt ist will das Recyclingunternehmen das Bewerbungsverfahren beginnen- Gesucht sind dann Schlosser und Elektriker, Schicht- und Anlagenführer, Radlader- und Gabelstaplerfahrer und Bürofachkräfte.

In Brandenburg siedelt sich ein als innovativ geltender Betrieb an, der ökonomisch funktionieren sollte und ökologisch sinnvoll scheint., weil die Wiedergewinnung von Rohstoffen aus der Schredderleichtfraktion an die Stelle energieintensiver Verbrennung tritt.

Das zuletzt gebeutelte Abfallunternehmen Mebra wird als Kooperationspartner und indirekter Vermieter von Remine profitieren. „Das kann und wird der Mebra nach den letzten Jahren mit den bekannten eher schwierigen Themen gut tun“ sagt deren Geschäftsführer René Liese.

Kunststoff- und Metallrückgewinnung

Die Remine GmbH in Brandenburg ist eine 100-prozentige Tochter der TSR Recycling in Bottrop. Sie ist spezialisiert auf die Kunststoff- und Metallrückgewinnung.

Das Vorhaben in der ehemaligen Stahlwerkshalle in Brandenburg/Havel sieht eine Verarbeitungskapazität von 123 600 Tonnen pro Jahr vor. In der TSR-Großschredderanlage auf der anderen Seite der B 1 liegt die genehmigte Durchsatzmenge bei 640 000 Tonnen pro Jahr.

Die Abfälle werden als nicht gefährlich eingestuft, es handelt sich um eine Schredderleichtfraktion.

12 Millionen Euro investier Remine eigenen Angaben zufolge in das Vorhaben. 1 843 200 Euro Fördermittel hat das Land Brandenburg dafür bewilligt.

Mit einer neuen Zufahrt über die Südseite soll die Lärmbelastung durch Lkw-Verehr verringert werden.

Der Containerabstellbereich außerhalb der Halle wird mit einem Lärmschutzwall in Richtung Magdeburger Landstraße ausgestattet.

Zu den Lärm- und Staubschutzvorkehrungen gehört Folgendes: Lose Schüttgüter werden in der geschlossenen Halle verladen und Abfälle nur dort verarbeitet. Draußen stehen nur geschlossene Container und „Bigbags“. Lärmintensive Maschinen werden eingehaust. Staubbeladene Luft wird abgesaugt und mit Filtern behandelt. Alles wird regelmäßig gereinigt

Die Maschinentechnik besteht aus Zerkleinerungsmaschinen, Sieben, Windsichtern, Magnetscheidern, Wirbelstromabscheidern, Sortiereinheiten und Lufttrennherden.

Der Genehmigungsantrag bei der Landesumweltbehörde liegt noch bis zum 31. Juli in der Stadtverwaltung, Klosterstraße 14, Haus F, Zimmer 307, aus.

Von der Sache her geht es darum, auf einer Hallenfläche von 300 mal 80 Metern rund um die Uhr das zu verarbeiten, was nach dem Großschreddern von Schrottautos übrig bleibt: Teile von zerkleinerten Lenkrädern und Autositzen zum Beispiel, nicht aber Müll aus gelben Säcken. Liese: „Es wird daher auch kein Müll per Hand sortiert, sondern modernste Maschinentechnik eingesetzt.“ Der Mebra-Chef erwartet keine Gefahr im Hinblick auf Lärm, Gestank und Müll.

Heikelster Punkt: der Lärm

An dieser Stelle der Bürgerbeirat Walzwerksiedlung noch skeptisch. Ingo Weiß vermisst ausreichende Aufklärung durch die Antragsteller, hätte sich auch gewünscht, dass Remine auf den Bürgerbeirat zugekommen wäre. So empfiehlt er Bürgern, den Blick in die drei Aktenordner mit den Antragsunterlagen nicht zu scheuen.

Burkhard Grosse aus dem Tulpenweg hat sich die Unterlagen angeschaut und befürchtet, dass westliche Winde Gerüche und Geräusche in seinen Vorgarten treibt. Der besorgte Bürger wünscht sich die Anlage außerhalb der Stadtgrenzen.

Der heikelste Punkt ist tatsächlich der zunehmende Lärm, einmal durch den steigenden Lkw-Lieferverkehr, vor allem aber den erhöhten nächtlichen Lärmausstoß. Denn der geltende Bebauungsplan lässt nachts von 22 bis 6 Uhr nur 44 und 45 Dezibel Lärm auf dem Areal der geplanten Anlage zu. Das reicht nicht aus, um die Anlage wirtschaftlich zu betreiben.

Ungenutzte Lärmkontingente

Mit einem Kniff, der ein wenig an den Emissionshandel mit dem Kohlendioxidausstoß von Industrieanlagen erinnert , will Remine diese Aufgabe lösen. Der auf dem ehemaligen Stahlwerkgelände benachbarte Stadthafen hat nämlich Nacht-Lärmkontingente, die er gar nicht ausschöpft und die er auf absehbare Zeit auch nicht benötigt. Diese ungenutzten nächtlichen Lärmkontingente will sich der Anlagenbetreiber in Abstimmung mit der Stadtverwaltung übertragen lassen, ein Verfahren, zu dem auch der Lärmgutachter rät. Nach seinen Angaben ist eine „Steigerung der abgestrahlten Schallemissionen um mehr als den Faktor 4 möglich“.

Im Antrag heißt es wörtlich: „Die nachträgliche schaltechnische Untersuchung hat ergeben, dass durch die Umverteilung der Immissionsanteile, ohne eine langwierige, damit unter Umständen teure Änderung des Bebauungsplanes, die maximal zulässigen Immissionskontingente an allen relevanten Immissionsorten unterschritten beziehungsweise eingehalten werden.“ Das so findet Remine, liege im öffentlichen Interesse, weil das Vorhaben zu einer stabilen Standortentwicklung und verbesserten Wirtschaftsstruktur beitrage.

Von Jürgen Lauterbach

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