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Ziesar: Schachbrettblumen in voller Pracht

Berühmte Wiese Ziesar: Schachbrettblumen in voller Pracht

Ziesar blüht was: Das über 1000-jährige Städtchen im Fiener Bruch hat nicht nur seine Burg und Bischofsresidenz. Am östlichen Rand stehen gerade die Schachbrettblumen in voller Pracht. Es ist das größte natürliche Vorkommen dieser Art östlich der Elbe.

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Klaus Schwanke vom Kultur- und Heimatverein Ziesar auf der Schachbrettblumenwiese.

Quelle: Jacqueline Steiner

Ziesar. Sie sind die heimlichen Lieblinge der Ziesarer. Ihre purpurfarbenen Blüten könnten glatt die gekreuzten Schlüssel als Stadtwappen ablösen. Hunderte Besucher haben in diesem Frühjahr schon die Pracht der Schachbrettblumen bewundert. Mit ein wenig Glück sind die letzten blühenden Exemplare noch bis zum Wochenende zu sehen.

Bewohner vom Albrechtshof besuchen Ziesars berühmte Wiese

Bewohner vom Albrechtshof besuchen Ziesars berühmte Wiese.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Klaus Schwanke vom Kultur- und Heimatverein Ziesar weiß sogar ganz genau, was die im Wiesenboden steckenden Zwiebeln in diesem Jahr hervorgebracht haben. „Wir haben 2550 rote Blüten gezählt. Damit ist 2016 ein durchschnittliches Jahr“, berichtete Schwanke den Besuchern aus der Miteinander-Wohnstätte Albrechtshof. Die Männer und Frauen aus der Behinderteneinrichtung folgten gerne der Einladung in die Natur. „Das ist für uns eine willkommene Abwechslung“, sagte Wohnstättenleiterin Marion Lüdecke bei der Umrundung der etwa ein Hektar großen Wiese, die sich in der Feldflur östlich des Stadtrandes versteckt.

Karomuster gab den Namen

Der wissenschaftliche Name für die Schachbrettblume lautet Fritillaria meleagris, was allerdings wörtlich übersetzt Perlhuhnblume bedeutet. Das Karomuster der aus sechs Blütenblättern bestehenden Blüte gab der Roten-Liste-Art ihren volkstümlichen Namen.

Wie die Tulpe gehört die Schachbrettblume oder Schachblume zu den Liliengewächsen. Hummeln und Bienen holen sich den Nektar aus den glockig-nickenden Blüten. Die Wiese bei Ziesar gehört zu den Naturdenkmälern im Land Brandenburg.

Die Bewohner vom Albrechtshof waren längst nicht die einzigen Besucher von Ziesars berühmtester Wiese. Die öffentliche Führung auf einem Trampelpfad am vergangenen Sonntag lockte auf einen Schlag an die 150 Gäste zu dem Naturschauspiel – so viel wie noch nie. Selbst aus Berlin, Coswig und Rathenow kommen die Fans, um sich am größten Vorkommen dieser streng geschützten Art östlich der Elbe zu erfreuen. Es gab schon bessere Jahre, wie zum Beispiel 1992. Damals breitete sich auf dem vom Siebbach begrenzten Areal ein Teppich von 7500 roten Blüten aus. „Einige wenige weiße Exemplare sind immer dabei – eine Laune der Natur“, so Wiesenbetreuer Klaus Schwanke.

Das Karomuster gab der Schachbrettblume ihren Namen

Das Karomuster gab der Schachbrettblume ihren Namen.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Zusammen mit Gattin Jutta, dem Ehepaar Christa und Peter Menge sowie Revierförster Lothar Greinke wurde die aktuelle Blütenzahl für die seit Jahren penibel geführte Statistik ermittelt. Dazu wird das Grünland mit Bindfäden in zwei Meter breite Bahnen aufgeteilt, die von den zählenden Heimatfreunden abgeschritten werden. Warum sich ausgerechnet auf dieser in Privatbesitz befindlichen Wiese die streng geschützte Schachbrettblume so wohl fühlt, ist ein noch ungelöstes Rätsel. Rechts und links des Naturdenkmals dürften die Bodenverhältnisse ähnlich aussehen. Doch außerhalb der eingekoppelten Wiese, lässt sich nicht eine Blüte blicken.

„Wichtig ist eine ausreichende Feuchtigkeit, damit der schwimmfähige Blütensamen keimen kann. Drei Jahre vergehen, bis aus einem Samen eine austreibende Zwiebel wird“, erklärt Schwanke der Gruppe vom Albrechtshof. Die Wiese darf nicht gedüngt und nur ein Mal im September gemäht werden. Wo die so selten gewordene Schachbrettblume zu finden ist, sind das weißliche Wiesen-Schaumkraut die gelbblühende Sumpfdotterblume nicht weit. Auch deren Ausbreitung fällt von Jahr zu Jahr höchst unterschiedlich aus. Eine anhaltende Frühjahrstrockenheit kann die Population gehörig zusammenschrumpfen lassen. Der größte Feind von Ziesars blumiger Sehenswürdigkeit ist deshalb an dieser Stelle nicht die intensive Landwirtschaft sondern der Klimawandel.

Von Frank Bürstenbinder

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