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Brandenburg/Havel Ziesar bleibt auf Müllbergen sitzen
Lokales Brandenburg/Havel Ziesar bleibt auf Müllbergen sitzen
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02:15 06.08.2017
Ziesars Bürgermeister Dieter Sehm vor einem der Abfallberge im Industriegebiet. Quelle: Frank Bürstenbinder
Ziesar

Fassungslos steht Dieter Sehm vor Bergen aus geschredderten Abfällen. In einer braunen, Asche ähnlichen Masse sind Holzstückchen mit Kunststoffteile vermischt. Metallreste und Keramikscherben sind auch dabei. Im Industriegebiet an der Autobahn haben Unbekannte tonnenweise Müll abgeladen und sich danach aus dem Staub gemacht. „Wer ist nur so dreist so etwas zu tun“, fragt sich Ziesars Bürgermeister bei einem Rundgang über das städtische Grundstück, das seit der Eröffnung des einstigen Preußenparks 1993 noch keinen Käufer gefunden hat.

Vom Gewerbegebiet zum Industriepark

Das Gewerbegebiet „Preußenpark“ wurde 1993 seine Bestimmung übergeben. Die privaten Investoren versprachen die Entwicklung zu einem Baugewerbepark mit bis zu 700 Arbeitsplätzen. Die Ansiedlung der Fertighausfirma Libella war ein guter Anfang.

Dafür ließt sich Ziesar auf die Finanzierung der Erschließung ein. Über die Grundstücksverkäufe sollte das Geld zurück in die Stadtkasse fließen. Doch dazu kam es wegen der geringen Nachfrage bis heute nur teilweise. Nach der Pleite der Entwickler kam Ziesar in den Besitz aller noch freien Grundstücke.

Um Investoren mehr Möglichkeiten zur Ansiedlung zu geben, erfolgte die planungsrechtliche Umwandlung des Gewerbegebietes in einen Industriepark. Auf den Zusatz Preußenpark wurde fortan verzichtet. Doch der erhoffte Andrang von Firmen blieb bis heute aus.

Vor gut einem Jahr wurden die illegalen Ablagerungen entdeckt. Seit dem schlägt sich die Kommune mit dem Erbe krimineller Machenschaften herum. Die Hintermänner haben sich die Entsorgung erspart. Augenzeugen gibt es nicht. Natürlich hat die Verwaltung Anzeige erstattet. „Doch die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft sind in die Leere gegangen. Ein Verursacher wurde nicht gefunden, hat man uns mitgeteilt“, sagte Amtsdirektor Norbert Bartels der MAZ. Somit sitzt die Stadt Ziesar auf dem Problem. Auf Dauer liegen bleiben kann das Zeug aus Gründen des Umweltschutzes nicht. Außerdem dürfte ein Grundstücke mit Müllbergen erst recht keinen Investor finden.

Auch solcher Müll findet sich immer wieder auf dem Gewerbegelände an der Schopsdorfer Chaussee. Quelle: Frank Bürstenbinder

Inzwischen wurde der Inhalt beprobt. Wie eine Schadstoffanalyse ergab, geht von den Abfällen keine unmittelbare Gefahr für den Boden aus. Asbesthaltige Inhaltsstoffe wurden nicht gefunden. Dennoch kommt wohl die Kommune um eine Entsorgung nicht herum. Problem: Ein Kostenvoranschlag beziffert den finanziellen Aufwand mit rund 70 000 Euro. Mit einem Fördermittelantrag beim Landkreis hatte die Stadt keinen Erfolg. Aus dem eigenen Haushalt kann die Kommune den unverschuldet aufgelaufenen Posten derzeit nicht finanzieren. Der Etat 2017 ist unter anderem äußerst angespannt durch die Stadtsanierung und die kommunale Beteiligung am Ausbau der B 107, wo Ziesar deutlich mehr Geld für die Nebenanlagen ausgeben muss, als ursprünglich geplant (MAZ berichtete).

Das zum großen Teil leer stehende Industriegebiet Ziesar wird von Brummi-Fahrern gern zur Übernachtung genutzt. Quelle: Frank Bürstenbinder

„Die illegalen Ablagerungen sind eine böse Sache für uns. Leider gibt es noch keine richtige Lösung“, räumte Amtsdirektor Bartels ein. Das Müllproblem fällt zusammen mit der ohnehin unbefriedigenden Situation auf dem über 40 Hektar großen Areal entlang der Schopsdorfer Chaussee. Von Aufschwung und Jobwunder ist vor den Toren Ziesars wenig zu spüren. Die Fertighausproduktion ist Geschichte. Gleichwertige Investitionen sind nicht in Sicht.

Die Flurschäden im ehemaligen Preußenpark sind nicht zu übersehen. Quelle: Frank Bürstenbinder

An dem Dilemma hat auch die planungsrechtliche Umwandlung des Gewerbeparks in ein Industriegebiet nichts geändert. Dafür gibt es reichlich brach liegende Grundstücke, zerfahrene Nebenanlagen, umgeknickte Laternen und Brummi-Fahrer, die die Parkbuchten als Rastplätze für sich entdeckt haben. Zaunteile und Gehwegpflaster wurden schon gestohlen. Für die Erschließung in den 1990er-Jahren zahlt die Stadt heute noch einen Kredit ab. Wacker halten sich eine Lkw-Werkstatt, ein Metall- und Bauelementebauer, ein Imbiss und die Rettungswache. Andere Flächen und Aufbauten wurden zu Lagern umfunktioniert.

Von Frank Bürstenbinder

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