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Brandenburg/Havel Ziesar holt sich seinen Reformator zurück
Lokales Brandenburg/Havel Ziesar holt sich seinen Reformator zurück
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15:15 28.10.2016
Hartmut Eberling beschäftigt sich mit Leben und Werk des aus Ziesar stammenden Reformators Johannes Aepinus. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Ziesar

Was verbindet Karsten Schwanke, Otto Altenkirch und ein gewisser Johannes Hoeck, genannt Aepinus? Sie sind Söhne dieser Stadt. Obwohl alle drei Männer überregional Karriere machten, könnte ihr Bekanntheitsgrad nicht unterschiedlicher sein. Der 1969 geborene TV-Meteorologe Schwanke informiert jede Woche vor einem Millionen-Publikum über Hochs und Tiefs. Bei Altenkirch (1875-1945) sind es zumindest die Kunst- und Heimatinteressierten, denen der Name des Malers und Bühnenbildners ein Begriff ist. Doch spätestens bei Aepinus (1499-1553) versagt das Allgemeinwissen.

Ziesar in früher Jugend verlassen

Johannes Hoeck, der sich Aepinus nannte, war zweimal verheiratet. Die Namen der Frauen sind nicht bekannt. Er hinterließ mehrere Kinder. Unter seinen Nachfahren befinden sich bekannte Theologen und Juristen. Ziesar verließ Aepinus bereits in früher Jugend, um zunächst dem Prämonstratenserkloster Belbuck bei Treptow an der Rega (Pommern) beizutreten.

Für das Reformationsjahr 2017 hat die Region Ziesar eine Veranstaltungsreihe mit Kirchenführungen, Wanderungen, Konzerten und Ausstellungen aufgelegt. Die Tafel-Ausstellung zu Johannes Aepinus ist vom 17. Mai bis zum 31. Oktober in der Stadtkirche zu sehen.

Es gibt weitere gebürtige Ziesaraner, die zu ihrer Zeit überregional bekannt waren. Darunter der Pädagoge Johann Friedrich Wilberg (1766-1846) sowie der evangelische Pfarrer und Hymnologe Albert Fischer (1829-1896).

Ausgerechnet dieser Unbekannte erlebt gerade ein glänzendes Comeback. In Bronze gegossen schmückt sein Konterfei seit wenigen Tagen Ziesars Pflaster neben dem ehemaligen Landambulatorium. In den Boden eingelassen, wie 15 weitere beim jüngsten Kunstgießer-Symposium hergestellte Platten mit Motiven zur Geschichte Ziesars. Die Bildhauerin Franziska Schwarzbach aus Berlin hat Aepinus nach zeitgenössischen Vorlagen ein Gesicht gegeben. Auffällig an dem ernst dreinblickenden Mann sind seine hervorstehenden Augen. Ob Aepinus an der Basedowschen Krankheit litt, ist nicht überliefert. So wie überhaupt wenig privates über diese Berühmtheit bekannt ist.

Bronzerelief für Johannes Aepinus in Ziesar, geschaffen von der Bildhauerin Franziska Schwarzbach. Quelle: Frank Bürstenbinder

Und dennoch widmet Wikipedia dem gebürtigen Ziesaraner ganze sechs Seiten. Immerhin hat es der Sohn des städtischen Ratsherrn Hans Hoeck zum Doktor der Theologie und zu einem bedeutenden Reformator im Gefolge von Martin Luther und Philipp Melanchthons gebracht. Nebenbei arbeitete er 1523, nur sechs Jahre nach Luthers Thesenanschlag, die erste evangelische Kirchenordnung aus – und zwar für die Stadt Stralsund. Der Mann aus Ziesar wurde der erste Superintendent Hamburgs, vertrat die Hansestadt sogar in heiklen diplomatischen Diensten. Dort wurde er 1553 auch begraben. Die Hamburger halten ihn bis heute in Ehren. Soweit in Kurzfassung.

Dass Aepinus zu seiner Zeit eine große Nummer unter den Reformatoren und Kirchenorganisatoren war, ist nicht nur in Ziesar in Vergessenheit geraten. „Man findet in ganz Brandenburg kaum einen Hinweis auf den Theologen. Ich selbst bin erst durch das Studium alter Lexika und Recherchen im Internet auf seinen Namen gekommen“, berichtet Hartmut Eberling (66). Der pensionierte Augenoptikermeister will als geschichtsinteressierter Bürger das Leben hinter dem bronzenen Portrait von Aepinus lebendig werden lassen.

Die prachtvoll ausgemalte Burgkapelle gehört zur Bischofsresidenz Ziesar. Die Reformation bedeutete das Ende der Brandenburger Bischöfe und ihres bevorzugten Sitzes. Quelle: Frank Bürstenbinder

Eberling trägt die Puzzle für das Reformationsjahr 2017 zusammen. Ab dem 17. Mai soll es in Ziesars Stadtkirche eine Tafelausstellung zum Wirken des Luther-Anhängers, der im Schatten einer katholischen Bischofsresidenz aufwuchs, geben. Eine kleine Ehrung für einen großen Mann, von dem niemand weiß, wo einst sein Geburtshaus stand. „Leider sind im Dreißigjährigen Krieg alle Kirchenbücher verbrannt“, bedauert Eberling. Als Mitglied im Kultur- und Heimatverein Ziesar hat er etliche Lesestunden in der 2008 auf dem Burggelände eröffneten Fachbibliothek für Kirchen- und Kulturgeschichte verbracht. In einem Gelehrtenlexikon von 1750 und in einem 1896 erschienenen Werk „Religion in Geschichte und Gegenwart“ finden sich umfangreiche Abhandlungen über Aepinus. „Es ist höchste Zeit diesen Mann wieder in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken“, findet Eberling.

Von Frank Bürstenbinder

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