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Brandenburg/Havel Ziesar macht gegen Vollsperrung mobil
Lokales Brandenburg/Havel Ziesar macht gegen Vollsperrung mobil
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16:08 19.04.2016
In Richtung Schopsdorf geht seit dieser Woche nichts mehr. Ab Ende Mai ist Ziesars Autobahnzufahrt von der Vollsperrung betroffen. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Ziesar

Es rollt nicht wie sonst auf der Schopsdorfer Chaussee. Kein Wunder, hinter dem Autobahnanschluss Ziesar ist Schluss. Auf Anhaltiner Seite wird seit Montag gebaut. Vollsperrung der Landesstraße 52 in Richtung Schopsdorf und weiter bis Magdeburgerforth. Nach Ziesar geht es nur den Umweg über Tucheim. Das gilt auch für die Schulkinder aus dem Jerichower Land, die zum Unterricht auf die Brandenburger Seite müssen. Bis Oktober soll sich der Straßenbau südlich der Autobahn 2 hinziehen.

Rettungswagen auf dem Radweg

Von den Straßenbauarbeiten im Bereich Ziesar verspricht sich der Landesbetrieb Straßenwesen eine Erhöhung der Verkehrssicherheit. Die großräumige Umleitung erfolgt ab der A 2 über die Anschlüsse Wollin und Burg-Ost. Die kleinräumige Umleitung wird von Ziesar über die B 107 in Richtung Tucheim bis Magdeburgerforth in Richtung Schopsdorf geleitet.

Die Bauarbeiten werden unter Vollsperrung ausgeführt und sollen Ende September abgeschlossen sein. Am längsten lleidet die Ortslage von Ziesar, die während der gesamten Maßnahme keine direkte Verbindung zur Autobahn hat. Rettungswagen und Feuerwehr sollen über den straßenbegleitenden Radweg geführt werden.

Das ist nur ein Vorgeschmack auf weitere Bauarbeiten. Ab 23. Mai trifft es Ziesar mit voller Wucht. Die Innenstadt bleibt bis Ende September von der Autobahn abgeschnitten. Grund sind Vollsperrungen der Schopsdorfer Chaussee (L 93), die in drei Bauabschnitten und über 2,3 Kilometer Länge auf sieben Meter verbreitert wird. Außerdem wird innerhalb von Ziesar der Bereich Gehlsdorfer Weg/Mühlentor auf einer Länge von 157 Meter grundhaft ertüchtigt.

Von und zur Autobahn geht während dieser Zeit nichts mehr. „Eine nur halbseitige Sperrung kommt während der Bauarbeiten aus Gründen des Arbeitsschutzes nicht in Frage. Dafür wäre eine Fahrbahnbreite von 8,50 Meter erforderlich. Die haben wir aber nicht“, verteidigt Frank Schmidt, Planungschef von der Niederlassung West des Landesbetriebes Straßenwesen Brandenburg, das Abschneiden Ziesars von der Autobahn.

Marktleiter Mike Dörpmund befürchtet durch die Vollsperrung einen massiven Umsatzeinbruch. Quelle: Frank Bürstenbinder

Für Mike Dörpmund ein Unding. Der Betreiber des Edeka-Marktes an der Schopsdorfer Chaussee bezeichnet die Vollsperrung als „organisatorische Bankrotterklärung“. Rund ein Viertel seines Umsatzes macht der Markt mit Kunden aus dem südlichen Hinterland Ziesars – von Schopsdorf bis Dörnitz. Nun würden sich die Anhaltiner zum Einkaufen wohl nach Burg orientieren, befürchtet der Edeka-Mann. Doch die Burger stöhnen selbst unter Baustellen und kilometerweiten Umwegen. Dörpmund hat schlechte Erinnerungen an 2007 hat, als die Schopsdorfer Chaussee vor seinem Markt deutlich länger als geplant erneuert wurde. Arbeitsplatzreduzierungen kann der Marktleiter deshalb nicht ausschließen.

Dörpmund gehört zu einem Dutzend Gewerbetreibender, Gastronomen und Dienstleister, die gegen die Baupläne des Landesbetriebes Sturm laufen. Sie fordern eine Ampelbaustelle, einen Nachtbaubetrieb zur Reduzierung der Bauzeit sowie zeitweilige Parallelstraßen, wenn gesetzliche Bestimmungen keine halbseitige Sperrung zulassen. Die Kritiker trafen sich mit Bürgermeister Dieter Sehm (SPD), um Sorgen und Forderungen vorzutragen. „Wir stehen vor einer extremen Situation. Ob die Kommune dabei konkrete Hilfe leisten kann, ist für mich allerdings fraglich“, räumt das Stadtoberhaupt ein.

Gastwirt Holger Paelchen fürchtet um seine Existenz. Quelle: Frank Bürstenbinder

In „Holgers Waldstübchen“ wird die bevorstehende Vollsperrung zur A 2 als „existenzbedrohend“ angesehen. „Gerade im Sommer kommt die Masse der Gäste von der Autobahn. Fallen diese Einnahmen aus, geht es bei mir knallhart um zwei Arbeitsplätze“, berichtet Gastwirt Holger Paelchen. Ramona Hudeczek vom Imbiss im Industriegebiet Ziesar hat bereits vier Teilzeitkräfte nach Hause geschickt – und wieder zurückgeholt. Denn eigentlich sollte am 1. April Baubeginn sein. 95 Prozent der Kundschaft kommt von der Autobahn. Ist die Zufahrt ab Mai dicht, wird kein Kaffee mehr gebraucht. Wenigstens soll die Verbindung zum Industriegebiet nur die ersten sechs Wochen unterbrochen sein.

Susanne und Matthias Finsterer denken mit Grausen an die nächste Sperrung der B 107 zwischen Ziesar und Köpernitz. Quelle: Frank Bürstenbinder

Lautstarker Protest kommt von der B107 bei Rottstock, wo Susanne und Matthias Engels ihren Forellenhof betreiben. Das Ehepaar befürchtet nicht nur Umsatzeinbußen durch den Wegfall des Autobahnanschlusses. Mit Grausen denken sie an den ebenfalls noch in diesem Jahr geplanten Ausbau der B 107, der mit einer Vollsperrung zwischen Köpernitz und Ziesar einhergehen wird. „Uns stecken noch die Sperrungen der Bundesstraße von 2014 und die Sanierung der Görzker Ortsdurchfahrt im letzten Jahr in den Knochen. Geht das so weiter, sind wir mit unserem Konzept am Ende. Rücklagen für schlechte Zeiten konnten wir bislang nicht aufbauen“, beklagt sich Susanne Engels. Noch drastischer sieht es Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg: „Die unkoordinierten bevorstehenden Baustellen bergen das Potenzial in sich, dem Gewerbestandort Ziesar den Todesstoß zu versetzen.“

Von Frank Bürstenbinder

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