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Brandenburg/Havel Zigaretten-Jobs lösen sich in Rauch auf
Lokales Brandenburg/Havel Zigaretten-Jobs lösen sich in Rauch auf
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00:32 06.02.2015
Ein schöner Tanz zum Auftakt am 30. Juni 2006: Vor der Halle von Grand River Enterprises im Rietzer Gewerbegebiet feierten die kanadischen Eigentümer und ihre Gäste eine bewegende Eröffnungsfeier. Quelle: J. Schulz
Rietz

Geraucht wird immer. Die Geschäftsführung sprüht vor Optimismus, verweist stolz auf Millionen-Investitionen und beschwört die Firma als große Familie. Selbst Brandenburgs OB Dietlind Tiemann gratuliert zum zehnjährigen Bestehen der Rietzer Zigarettenfabrik. Im August 2014 ist die Welt für das Unternehmen mit indianischen Wurzeln noch in Ordnung. Doch war sie es wirklich?

Derzeit sickern keine guten Nachrichten aus Kloster Lehnins erfolgreichstem Gewerbegebiet. Bei Grand River Enterprises Deutschland (GRE) stehen Entlassungen an. Mitarbeiter haben mit der Post ihre Kündigung erhalten. Um die 30 sollen es sein. Möglicherweise mehr. Es gibt keinen Betriebsrat. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten ist ohne Einfluss. Der bekannte Firmenchef Willie Beck, letztes Jahr noch Schirmherr des Brandenburger Wirtschaftsballs, hat nichts mehr zu sagen. Auch er musste seinen Platz räumen.

Geführt wird der Rietzer Produktionsstandort derzeit von dem aus Kanada stammenden Bernard Johnston. Ein Mann, der in der Branche und im Unternehmen aus früheren Führungsjobs nicht unbekannt ist. Johnston erklärt, warum ein Personalabbau aus Sicht der Firmenleitung unausweichlich ist: „Es ist tragisch aber wahr: Aldi hat zum Jahreswechsel unsere Zigaretten ausgelistet. Weil wir das Absatzloch nicht sofort stopfen können, müssen wir den Personalbestand der gesunkenen Nachfrage anpassen.“ Neben den Eigenmarken wie Mohawk, Mark 1 oder American Club gehören Discounter-Label zu den umsatzstärksten Produkten aus Rietz. Dann heißen die Zigaretten zum Beispiel Goldfield, wie für Lidl.

Das aktuelle Absatz-Desaster bleibt nicht ohne Folgen. Das Betriebsklima sei am Boden. Niemand wisse, wie es weitergeht, beklagen unabhängig von einander mehrere Quellen. Selbst das Management hofft offenbar auf ein Wunder. Johnston verspricht sich von der Eigenmarke Mohawk einen weiter wachsenden Marktanteil. Die Zigaretten mit dem markanten Indianerkopf raucht man inzwischen in 29 Ländern dieser Erde. Ob das Konzept aufgeht, steht in den Sternen.

Geschäftstüchtige Indianer

Der Grundstein für die Firmengruppe von Grand Rivers Enterprises (GRE) wurde 1992 von sieben Mohawk-Unternehmern aus dem „Six Nations“-Reservat in Kanada gegründet. Diese Unternehmer, die alle am Ureinwohner-Freihandel beteiligt waren, legten ihr Kapital zusammen, kauften die erste Zigaretten- und Verpackungsmaschine und brachten zunächst die Zigarettenmarke Sago auf den kanadischen Markt. Heute ist GRE eines der erfolgreichsten Unternehmen im Besitz der Mohawk-Indianer.
Ein deutscher Ableger von GRE wurde 2004 gegründet. Zwei Jahre später erfolgte die Produktionsaufnahme im Gewerbegebiet Rietz (Kloster Lehnin). Schritt für Schritt wurde der Ausbau des Werkes vorangetrieben. Neben der bekannten Hausmarke Mohawk werden weitere Zigarettenlabel und andere Tabakprodukte hergestellt. Die zur Gruppe der Irokesen gehörenden Mohawk-Indianer veredeln seit über 800 Jahren Tabak. Sie waren 1783 aus dem Staat New York nach Kanada geflüchtet.

Ziel sei es eine Stammbelegschaft von 150 bis 160 Leuten halten zu wollen, so Johnston. Vorgänger Beck sprach immer von über 250 Beschäftigten, was die Kündigung von rund 100 Mitarbeitern bedeuten würde. Eine Zahl, die Johnston weder bestätigen noch dementieren wollte.

Fest steht, dass die ersten gekündigten Arbeitnehmer bei der Arbeitsagentur Brandenburg vorgesprochen haben. Teamleiter Marko Naue bestätigte „Meldungen entsprechender Bewerber“.Von einer regelrechten Entlassungswelle spürt man in Brandenburg/Havel allerdings nichts. Kein Wunder. Unter den Beschäftigten sind viele Männer und Frauen mit Wohnsitz in den Nachbarkreisen. Auch in der Bad Belziger Arbeitsagentur haben sich Betroffene gemeldet, deren Arbeitsplätze sich quasi in Rauch aufgelöst haben.

Mohawk ist die Hausmarke der Rietzer Zigarettenfabrik. Quelle: F. Bürstenbinder

Unschuldig am Schlingerkurs bei Grand River Enterprises ist der seit Januar geltende Mindestlohn. „Das Thema berührt uns nicht. Wir sind deutlich darüber. Die Leute sollen von der Arbeit ordentlich leben können. Sie sind unser wichtigstes Kapital“, hatte Ex-Geschäftsführer Beck noch letzten Sommer versichert.

Damals funktionierte der Absatz noch. Der deutsche Markt hatte sich trotz aller Reglementierungen als stabil erwiesen. Freilich generiert die Grand River Enterprises GmbH ihr Wachstum auf internationalen Märkten. Jahresausstoß: zehn Milliarden Zigaretten. 250 Millionen Euro investierte das Unternehmen nach eigenen Angaben in das Rietzer Anlagevermögen. Die Expansion der indianischen Firmenlenker Jerry Montour und Kenneth Hill im fernen Kanada schien grenzenlos – bislang jedenfalls.

Von Frank Bürstenbinder

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