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Brandenburg/Havel Zitzer Hähnestreit: Noch fehlen die Beweise
Lokales Brandenburg/Havel Zitzer Hähnestreit: Noch fehlen die Beweise
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15:43 09.05.2016
Der Zitzer Hähnestreit wird am Amtsgericht Brandenburg zum Dauerbrenner. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Zitz

Sind drei Hähne einer zuviel? Wer am Montag im Saal VII des Brandenburger Amtsgerichtes eine Antwort auf diese umstrittene Frage erwartet hatte, wurde enttäuscht. Richter Torsten Bönig hält die Zeit für eine Entscheidung über das schlagzeilenträchtige Federvieh von Reno Nerling in Zitz für noch nicht gekommen. Ob sich dessen Gockel mit dem Krähen tatsächlich einschränken müssen, hängt nun vom klagefreudigen Nachbarn ab.

Hans-Wilhelm Geue soll nämlich über einen Zeitraum von drei Wochen genau dokumentieren, wann und wie viele Hähne Spektakel machen. „Ja, so eine Art Kräh-Protokoll“, bestätigte Richter Bönig der MAZ auf Nachfrage. Von der Stellungnahme der Klägerseite wird abhängen, wann es in der Sache einen neuen Termin mit oder ohne Beweisbeschluss geben wird. Nerling ist mit seinem Rassegeflügel aber nicht aus der Verantwortung. Richter Bönig betonte beim Verkündungstermin, dass das Hähnekrähen eine wesentliche zeitweise Beeinträchtigung darstelle, wenn es über die Ortsüblichkeit hinausgehe. In diesem Falle müsse der Beklagte Maßnahmen einleiten, um Beeinträchtigungen für Nachbarn abzustellen.

Reno Nerling (r.) ist mehrfach ausgezeichneter Geflügelzüchter. Hier mit dem Zitzer Vereinsvorsitzenden Steffen Jäger. Quelle: Silvia Zimmermann

Ortsüblich bleibt jedoch ein unbestimmter Rechtsbegriff. Für den Amtsrichter ist jedenfalls der von der Gemeinde gut gemeinte Beschluss über die Ortsüblichkeit der Nutztierhaltung vom 23. Februar 2016 nicht relevant. Maßgeblich für eine Bewertung seien immer die praktischen Umstände vor Ort. Und diese können von Fall zu Fall unterschiedlich sein. Deshalb soll ein Kräh-Protokoll das Ausmaß der Beeinträchtigung belegen. Von einem richterlichen Lokaltermin ist bislang noch nicht die Rede.

Weder die Klägerseite noch der Beklagte waren am Montag vor Gericht erschienen. Dafür hingen zahlreiche Medienvertreter an den Lippen des Amtsrichters, der stakkatoartig vortrug, was er in der nächsten Runde des Hähnestreits zu sagen hatte. Bodo Kister, Anwalt des in Genthin lebenden Geflügelhalters, wollte sich auf Nachfrage der MAZ nicht zum Fall seines Mandanten äußern. Auch Klägervertreter Falk Michael Walter von der Kanzlei Große-Boymann übte sich in Zurückhaltung und lehnte eine Stellungnahme ab.

Der Zitzer Hähnestreit wird am Amtsgericht Brandenburg zum Dauerbrenner. Quelle: Bürstenbinder

Im Kern geht es bei der juristischen Auseinandersetzung um einen jahrelangen Nachbarschaftsstreit. Die Familie des Klägers fühlt sich durch das „lang anhaltende und andauernde Geschrei“ der Hähne von Reno Nerling belästigt. Und das in einem Dorf, wo es seit 36 Jahren einen Rassegeflügelverein mit dem traditionellen Wettkrähen am Pfingstsonntag gibt. Nerling hält etwa ein Dutzend Tiere der Zwergrasse Chabo. Wegen der Beschwerden hatte der Züchter bereits reagiert. „Ich habe einen elektronischen Pförtner eingebaut, damit sich die Hühnerklappen nicht vor acht Uhr morgens öffnen“, berichtete er der MAZ. Eine andere Rasse schaffte er ab. Trotzdem flatterte ihm Anfang des Jahres die Klage ins Haus. Eine gütliche Einigung ist nicht in Sicht. Während der Kläger eine gänzliche Abschaffung oder eine Rasse fordert, bei der die Hähne nicht so laut krähen, wäre es für Nerling ein Unding, wenn auf dem Dorf die Hühnerhaltung verboten würde. Doch soweit ist es für Richter Bönig in „dem nicht alltäglichen Fall“ noch nicht.

Von Frank Bürstenbinder

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