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Brandenburg/Havel Zitzer Streithähne ziehen vor Güterichter
Lokales Brandenburg/Havel Zitzer Streithähne ziehen vor Güterichter
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15:23 10.10.2016
Hühnerzüchter Reno Nerling (r.) und Rolf Graf vom Landesverband der Rassegeflügelzüchter im Amtsgericht Brandenburg. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Brandenburg/H

Überraschende Wende im Zitzer Hähnestreit: Statt ein Machtwort zu sprechen, hat Richter Torsten Bönig am Montag im überfüllten Saal VII des Amtsgerichtes Brandenburg die Sache an einen Güterichter verwiesen. Zuvor waren sowohl Hühnerzüchter Reno Nerling als Beklagter als auch Kläger Hans-Wilhelm Geue seinem Vorschlag gefolgt. Bei einem wahrscheinlich Anfang November stattfindenden Gütetermin wollen beide Seiten ausloten, ob eine einvernehmliche Lösung für die Zukunft möglich ist.

Unabhängiger Dritter

Das 2012 eingeführte Mediationsgesetz verfolgt das Ziel mehr Rechtsstreitigkeiten im gegenseitigen Einvernehmen zu lösen. Bei der Suche nach einer einvernehmlichen Lösung unterstützen Güterichter als unabhängige Dritte.

Güterichter sind Richter, die vom Präsidium eines ordentlichen Gerichts bestimmt werden. Der Güterichter wird in einem Rechtsstreit nach Verweisung durch den zuständigen Richter tätig.

Sollte ein erster Termin scheitern, ist in der Regel keine gütliche Einigung zu erwarten. Dann ginge der Fall zurück an den zuständigen Richter. So würde es auch im Zitzer Hähnestreit ablaufen.

„Ein von beiden Seiten erarbeiteter Kompromiss wäre in diesem Fall tragfähiger als eine richterliche Entscheidung“, warb Richter Bönig für die Abgabe des Rechtsstreits an einen Güterichter. Sollte er selbst zu einem Urteil kommen müssen, rechne er fest damit, dass die unterlegene Seite Rechtsmittel einlegen werde. Auch befürchte er negative Auswirkungen auf den Dorffrieden. Denn wenn es um das schlagzeilenträchtige Federvieh gehe, hätten beide Seiten Anhänger und Kritiker, so Bönig. Nur wenn der Gütetermin scheitert, wandert die Akte über den Zitzer Hähnestreit zurück auf seinen Tisch. Für eine gütliche Verständigung gibt es keine Gewähr. Schon 2012 waren beide Seiten beim Versuch einer außergerichtlichen Einigung in einem Schiedsverfahren im Amt Wusterwitz gescheitert.

Vor dem Eingang zum Verhandlungssaal drängen sich die Medienvertreter. Quelle: Frank Bürstenbinder

In der Sache gibt sich Kläger Hans-Wilhelm Geue unverändert hart. Er fordert eine Begrenzung der Hähne auf maximal zwei Tiere. Der Schallpegel ihres Krähens soll nicht lauter sein dürfen als 55 dB. Das entspricht in etwa der normalen menschlichen Sprache in einem Meter Abstand. Nerling hält derzeit in Geues Nachbarschaft fünf Hähne der Zwergrasse Chabo. Außerdem will Geue keine Störung der Nachtruhe dulden. An Feiertagen und Wochenenden sollen die Hähne zur Mittagszeit schalldicht verwahrt bleiben. Der schalldichte Umbau eines Hühnerstalls würde dagegen mehrere tausend Euro kosten, hält Nerling dagegen.

Die krähfreudige Rasse Antwerpener Bartzwerge, die eigentlich Anlass für den Streit war, hat der in Genthin lebende Züchter längst abgeschafft. „Dennoch wäre mein Mandant zu einem Gütegespräch bereit. Auch um beim Kläger Verständnis für die Tierhaltung im Dorf zu wecken“, so Nerlings Anwalt Bodo Kister. Moralische Rückendeckung bekommt der Zitzer Züchter unter anderem vom Landesverband der Rassegeflügelzüchter Berlin-Brandenburg. Vorsitzender Rolf Graf bestätigte der MAZ, dass sich die Hähne der Rasse Chabo deutlich ruhiger verhalten würden. Für die Klägerseite verkündete Anwalt Falk Michael Walter etwas weniger optimistischer: „Wir wollen uns dem Versuch einer gütlichen Einigung nicht verschließen.“ Sein Mandant war 1994 aus dem Altbundesgebiet in sein Elternhaus nach Zitz gezogen. Nicht nur Geue, sondern auch seine Frau und seine Tochter fühlen sich durch das Hähnekrähen belästigt. Die Stallanlage befindet sich schräg gegenüber ihres Hauses.

In Zitz gibt es einen Rassegeflügelverein, der jedes Jahr ein Wettkrähen veranstaltet. Quelle: Silvia Zimmermann

Eigentlich hatte die Öffentlichkeit am Montag eine Beweisaufnahme erwartet. Denn Richter Bönig gab im Mai beiden Seiten Hausaufgaben auf. So sollte Kläger Geue ein mehrwöchiges Krähprotokoll führen, um Beweise für eine Lärmbelästigung zu liefern. Andererseits sollte Züchter Nerling belegen, dass seine Hähne nicht mehr als ortsüblich krähen würden. Nun spielten die akribisch geführten Strichlisten keine Rolle mehr – vorerst jedenfalls. Unter den Beobachtern des Verhandlungstages war auch die Zitzer Altbürgermeisterin Roswitha Matthies. Sie hat für die Gründe des Streits nur noch Kopfschütteln übrig: „Über 1000 Jahre haben die Zitzer mit ihren Haustieren gelebt. Und das soll jetzt nicht mehr funktionieren?“

Von Frank Bürstenbinder

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