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Zu Gast bei afghanischen Flüchtlingen

Brandenburg an der Havel: Fasten im Ramadan Zu Gast bei afghanischen Flüchtlingen

Am Freitag endet der Fastenmonat Ramadan. Doch wie ist es, einen Monat lang zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang nichts zu essen? MAZ-Volontärin Melanie Höhn hat sich ins Getümmel geschmissen. Während eines Kochabends mit afghanischen Flüchtlingen näherte sie sich dem für viele Muslime wichtigen Thema.

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Afghanische Gastfreundschaft: Javad Rezaiy verteilt Suppe während des Ramadans.

Quelle: Melanie Höhn

Brandenburg an der Havel. Nach zwei Tagen hatte sich Javad Rezaiy daran gewöhnt, zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang nichts zu essen. Der Afghane und gläubige Muslim fastet schon seit einem Monat während des Ramadans. „Manche Leute sind arm. Gerade werde ich daran erinnert, wie diese Menschen sich fühlen müssen“, sagt er. Am Freitag ist es vorbei und zur Belohnung für den wochenlangen Verzicht wird das Zuckerfest gefeiert. „Meine Frau Zainab macht viele Süßigkeiten wie Mandel- und Kokoskekse selbst, ich sehne dieses Fest regelrecht herbei.“ Während der Hitze Anfang Juli war das Fasten schwer für ihn, er musste sich tagsüber oft hinlegen. „Der Ramandan ist nicht echt, wenn auch nur ein Glas Wasser vor 22 Uhr getrunken wird,“ bemerkt er.

An einem Kochabend vergangenen Freitag im Gemeindehaus der katholischen Kirchengemeinde bereiteten Zainab und andere afghanische Frauen ein Abendessen für etwa 20 Personen vor. Auch viele Deutsche kamen, denn sie wollten Kontakte zu den Neubürgern knüpfen und die Küche Afghanistans kennenlernen. Eingeladen hatte die Ehrenamtliche Monika Böhling-Fießinger, die schon bei den Vorbereitungen half. „Die Tische sollten so gerückt werden, dass alle miteinander kommunizieren können,“ erzählt sie. „Mir geht es darum, dass Leute wie Javad die Möglichkeit haben, sich gut zu fühlen. Wenn sie etwas für uns machen, zum Beispiel ihre Kochkünste zeigen, können sie auch etwas geben.“

Eine Prise Salz, um das Fasten zu brechen

Der lange Tisch im katholischen Gemeindehaus war schon seit nachmittags gedeckt: Datteln, Salat, Schafskäse und der süße hellgelbe Pudding versprachen ein reichhaltiges Abendessen. Als Hauptspeisen wurden pürierte Hühnersuppe mit Koriander, Reis und eine Speise names Ghormesabzi, die aus Petersilie, Fleischbällchen und Spinat besteht, serviert. Kurz vor 22 Uhr war es dann soweit: Zunächst gab es für jeden eine Tasse Milch, danach nahmen alle gläubigen Muslime eine Prise Salz zu sich, um das Fasten zu brechen.

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An einem Kochabend im Gemeindehaus der katholischen Kirchengemeinde in Brandenburg/H. bereiteten Zainab Rezaiy und andere afghanische Frauen ein Abendessen für etwa 20 Personen vor. Auch viele Deutsche kamen, denn sie wollten Kontakte zu den Neubürgern knüpfen und die Küche Afghanistans kennenlernen.

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Mit seiner Frau Zainab und den drei Kindern wohnt der 42-Jährige Javad schon seit fünf Jahren in Brandenburg. „Wir fühlen uns hier sehr wohl. Die Stadt ist klein und ruhig, meine Kinder haben es hier gut“, sagt er. Seine Frau Zainab ist 31 kommt aus dem Iran. Dort hat die Familie auch gelebt, bevor sie 2010 nach Deutschland kam. Vom Iran flüchteten sie in die Türkei, dann nach Griechenland, bis sie schließlich in Hamburg landeten, wo eine Schwester und drei Brüder von Javad leben. Dort bekam die Familie jedoch kein Asyl und so kamen sie für drei Monate nach Eisenhüttenstadt, dann nach Brandenburg. Javad ist gelernter Schuhmacher, im Moment bewirbt er sich bei Lebensmitteldiscountern, bisher ohne Erfolg. „Ich will nicht den ganzen Tag zu Hause bleiben. Ich möchte mit Deutschen arbeiten, damit ich die Sprache auch lerne“. Seine Frau ist Friseurin und macht ihrer Tochter oft hübsche Frisuren. Gerne würde sie in diesem Beruf auch hier in Deutschland arbeiten.

Seine 13-jährige Tochter Niloofar, übersetzt Seerose, kann inzwischen schon besser Deutsch sprechen als die zwei Jahre ältere Tochter seines Bruders in Hamburg. Niloofar war acht, als sie nach Deutschland kam. Inzwischen ist sie eine von wenigen aus ihrer Klasse, die auf das Bertold-Brecht-Gymnasium nach den Sommerferien wechselt. Ihr Vater ist stolz auf sie. „Wir sind glücklich und finden das Leben hier gut.“

 

Von Melanie Höhn

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