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Zuckersüße Aufforderung zum Nachdenken

Fair gehandelte Schokolade Zuckersüße Aufforderung zum Nachdenken

Gerade zur Weihnachtszeit werden Supermärkte in der ganzen Welt mit billig produzierter Schokolade überschwemmt. Darunter leiden die Kakaobauern, die für den Anbau der Kakaofrucht zuständig sind. Viele können gerade so ihr Leben davon bestreiten, andere nicht mal das. Die Industrie ist mächtig. Darauf macht nun eine Ausstellung in Brandenburg aufmerksam.

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Christian Treinies, sozialpädagogischer Mitarbeiter im Cafe Contact, reicht den Kakaobohnen-Aufsteller an Ute Wolf weiter.

Quelle: Schidlowski

Brandenburg an der Havel. Könnten Schokoweihnachtsmänner sprechen, hätten sie einiges zu erzählen. Vielleicht, wie die Kakaofrucht mit der Machete vom Baum geschlagen wird oder wie die Bohnen fermentiert und getrocknet werden. Sie würden beschreiben wie Kakaopulver entsteht und sie selbst am Ende des Verwandlungsprozesses als „ganzer Mann“ aus der Maschine der großen Schokoladenfabrik purzeln. Sie könnten uns sogar verraten, ob es bei der Produktionskette immer fair zuging.

Tun sie aber nicht. Sie schweigen und schmunzeln. Deshalb schauen Menschen, wie Ute Wolf gerne mal etwas genauer hin. Die 53-Jährige ist Betriebsärztin im Städtischen Klinikum. Zusätzlich arbeitet sie seit mehr als zehn Jahren ehrenamtlich im „Eine-Welt-Laden“ in der Havelstadt. Dessen 13 Mitarbeiter wollen den fairen Handel in Brandenburg unterstützen, das globale Lernen vorantreiben und Bildungsangebote machen. Eines davon ist die Wanderausstellung „Make Chocolate Fair“, die sich die Mitglieder des Ladens bei dem Verein „Inkota-netzwerk“ ausgeliehen haben. Jetzt kann man sie im Gesundheitszentrum am Hauptbahnhof besichtigen. Passend zur gleichnamigen europäischen Kampagne, informiert die Ausstellung über den langen Weg von der Kakaobohne zur Schokolade, über das Leben der Kakaobauernfamilien und die Ursachen ihrer Armut. Sie soll zum Nachdenken über das eigene Kaufverhalten anregen und zeigen, wie jeder selbst aktiv werden kann.

Wanderausstellung ist ausgeliehen

Natürlich kennt man die diversen Gütesiegel, wie Bio, Öko, Fairtrade, die mittlerweile auf vielen Produkten prangen und Fairness, wie auch Nachhaltigkeit versprechen. Berichte in den Medien zu Tricksereien und selbsterfundenen Siegeln machen aber auch skeptisch. Eine Skepsis, die auch Ute Wolf kennt. „Ich kann nie sicher sein, aber was ist denn die Alternative?“, fragt sie und dass es die einzige Chance sei, sich daran zu orientieren. Sie ist gut informiert und weiß, dass es schwer ist, ein solches Siegel zu bekommen. Warum setzt sie sich für dieses Thema ein? „Das ist für mich eine Selbstverständlichkeit“, lautet die selbstbewusste Antwort. Der ökologisch-grün Orientierten ist der Weltladen vor einigen Jahren „über den Weg gelaufen“. „Die Arbeit im Laden ist für mich bereichernd, es sind schöne und leckere Sachen und man bewegt was.“

Natürlich kennt auch sie die Preisargumente und versteht sie gut: „Man muss nicht gleich zum Fairtrade-Papst werden“. Deshalb erklärt Wolf das eigene Kaufverhalten. Sie setze sich Schwerpunkte. „Seit ich den teuren, fairgehandelten Kaffee kaufe, überlege ich genau, wie viel ich davon koche.“ Und Schokoweihnachtsmänner, die super günstig gekauft, noch nach Ostern im Schrank stehen und irgendwann im Müll landen, sind für sie tabu. „Etwas weniger naschen, dafür aber faire Schokolade wählen und besonders genießen“, lautet ihr Tipp.

Fair-trade kostet eben mehr

Aber was ist, wenn die Zeit nicht reicht, um vielleicht den Bioapfel vom heimischen Bauern zu kaufen? „Natürlich kaufe ich auch mal einen Apfel aus Chile“, sagt sie, aber dass sie dann beispielsweise mit dem Fahrrad zum Supermarkt fahre. Das rechnet sie auf ihrem Umweltkonto dagegen.

Die Texttafeln, Fühl-, Video- und Hörstationen der Ausstellung waren zuletzt im Café Contact, in dem man sich bereits seit drei Wochen, zum Thema Schokolade informieren konnte. Zwölf Schulklassen der 5. bis 8. Klassen haben die Ausstellung „Make Chocolate Fair“ dort besucht. Die Schüler haben sich dazu Gedanken gemacht, von Powerpointpräsentation über Darstellendes Spiel bis zu Collagen. Die Ergebnisse sind auch im Gesundheitszentrum zu sehen.

info: Die Ausstellung ist bis 21. Dezember im Gesundheitszentrum am Hauptbahnhof zu sehen – montags bis freitags von 7 bis 18 Uhr.

Von Ina Schidlowski

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