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Züchter lässt Hochzeitstauben aufsteigen

Symbol für Glück und Frieden Züchter lässt Hochzeitstauben aufsteigen

Taubenzüchter Bernd Raible verleiht seine schneeweißen Lieblinge an Hochzeitspaare. Sie gelten als Symbol für Glück und eine lange währende Zweisamkeit. Manche seiner Tauben fliegen bis zu 800 Kilometer nonstop. Nach Hause finden die allermeisten Tiere erstaunlicherweise problemlos.

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Bernd Raible mit zwei seiner Schützlinge, seinen blütenweißen Hochzeitstauben.

Quelle: Tobias Nandelstädt

Brandenburg an der Havel. „Die Eltern wollten zur Hochzeit etwas Besonderes. Und weiße Tauben geben dem Ganzen definitiv einen besonderen Touch.“ Bernd Raible freut sich darüber, dass seine selbst gezüchteten weißen Brieftauben am Samstag nicht nur als etwas kitschige Hochzeitsdeko, sondern auch als internationales Symbol der Völkerverständigung dienten. Anlässlich der Hochzeit zwischen der Taiwanesin I Lun Tsai und dem Brandenburger Tobias Schubotz war Raible mit einem Dutzend seiner Tauben im Einsatz. „Weiße Tauben steigen lassen – das versteht man überall auf der Welt“, erzählt der leidenschaftliche Züchter, der erst im Rentenalter als Taubenverleiher zum Glücksboten wurde.

Bis zu 1100 Kilometer fliegen die Tiere

Zuvor war Raible 55 Jahre lang als sogenannter Leistungszüchter mit klassischen Brieftauben erfolgreich. In der Zeit, erzählt Raible mit glänzenden Augen, habe er im Bezirk Potsdam in der Reisevereinigung Brandenburg an der Havel alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Zweimal war er Bezirksmeister mit seinen Langstreckenfliegern, deren Beste es von Paris bis nach Hause an nur einem einzigen Tag schafften. Auf die besonders weiten Strecken – bis zu 1100 Kilometer Entfernung – hatte sich Raible mit seinen Tauben spezialisiert. „Wobei Brieftaube längst nicht gleich Brieftaube ist“, betont Raible. „Es gibt intelligente und dumme Tauben. Manche fliegen 800 Kilometer nonstop, andere finden den Weg aus der Nachbarschaft nicht nach Hause“, schmunzelt der Züchter. „Eine richtige Brieftaube ist es, wenn man die morgens um 5 Uhr auflässt und sie mittags 500 Kilometer weiter wieder zuhause ankommt.“

Ein Hochzeitspaar, kurz bevor es die weißen Tauben fliegen lässt

Ein Hochzeitspaar, kurz bevor es die weißen Tauben fliegen lässt.

Quelle: T. Nandelstädt

Nach seiner Karriere als aktiver Züchter hat es Raible 2008 zum Taubenverleih gezogen. Zu festlichen Anlässen jeder Art – von der Taufe bis zur Einweihung – schickt der Rentner nun seine blütenweißen quer durchs brandenburgische Land auf Heimreise. Einen besonderen Höhepunkt seiner zweiten Karriere erlebte Raible erst vor wenigen Monaten im Frühjahr. Damals war er mit 50 Tauben zur Eröffnung der Buga in Stölln vor Ort. Nun steht er auf dem Rathausplatz vor dem Brandenburger Roland und zieht mit zwei zusätzlich mitgebrachten indischen Pfautauben sämtliche Blicke auf sich. Die Ziertauben können zwar kaum fliegen, eignen sich aber hervorragend als Blickfang für das Brautpaar. Während dieses sich bereits trauen lässt, baut Raible seinen Taubenkäfig repräsentativ vor dem Saal auf. Routiniert, wie es nur 60 Jahre professioneller Umgang mit Tauben möglich machen, befördert Raible eine Taube nach der anderen in den Käfig. Zuhause hat er rund 120 Stück, wobei die Züchtung weißer Tauben anspruchsvoller sei als jene von Brieftauben.

Hoher Anspruch an die Züchtung

Bereits ein einzelner winziger dunkler Fleck im Gefieder der sonst schneeweißen Brieftauben bedeutet für den anspruchsvollen Züchter ein Ausschlusskriterium, um von dieser speziellen Taube keine Nachkommen mehr zu ziehen. Darüber hinaus machen seinen Tauben die zahlreichen Raubvögel das Leben schwer. Alle paar Tage käme eine Taube nicht mehr in den heimischen Hort zurück, weil sie Opfer eines Sperbers oder eines Wanderfalken wurde. „Ich habe schon oft verletzte Tauben wieder zusammengenäht oder -geflickt“ sagt Raible traurig.

An diesem Samstag allerdings geht alles glatt. Das Wetter ist bestens – ein wichtiges Kriterium für einen guten Flug – und die Entfernung ins heimische Brielow beträgt nur wenige Kilometer. Als das selige Brautpaar samt taiwanesischer Entourage den Saal verlässt, sind Raibles Tauben mehr als bereit und geradezu begierig darauf, dem lästigen Käfig zu entfliegen. „Die Tauben sollen Ihnen beiden Glück, Zufriedenheit und Frieden auf Ihrem gemeinsamen Weg bringen“, gibt der Züchter dem Brautpaar mit auf den Weg. Nachdem der taiwanesische Dolmetscher übersetzt hat, öffnet das Paar gemeinschaftlich den Käfig. Nach kurzem Zögern fliegen die weißen Tauben als symbolische Zeichen der Hoffnung in den strahlend blauen Brandenburger Himmel.

Zufrieden packt Glücksbote Raible seine sieben Sachen und macht sich auch auf den Heimweg. Wenn er mit seinem Wagen zuhause ankommt, laben sich seine Zöglinge längst am heimischen Trog.

Von Tobias Nandelstädt

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