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Brandenburg/Havel Zug fährt ab, Baby bleibt am Bahnsteig zurück
Lokales Brandenburg/Havel Zug fährt ab, Baby bleibt am Bahnsteig zurück
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10:37 01.10.2014
Mit diesem Zug waren Jessica Koch-Werth (18) und ihre Tochter unterwegs. Quelle: J. Steiner
Fohrde

Den blanken Horror hat eine junge Mutter aus Premnitz am Sonntagnachmittag gegen 14.30 Uhr am Bahnhof Fohrde erlebt. Sie wollte mit Kinderwagen aus dem Zug aussteigen, das dauerte wegen der hohen Bahnsteigkante etwas länger. Doch als Jessica Koch-Werth (18) den Kinderwagen mit ihrer siebeneinhalb Monate alten Mia vom Zug auf den Bahnsteig geschoben hatte, ging plötzlich die Tür zu, die junge Frau steckte fast dazwischen.

Alle Versuche der Mutter, die Tür wieder aufzubekommen, scheiterten. Sie geriet in Panik. "Ich habe meine flache Hand zwischen die Tür geschoben und wie wild auf den Öffnen-Knopf gedrückt", erzählt die Mutter. Doch die Tür blieb geschlossen und der Zug fuhr einfach los. Die Mutter hörte ihr Kind aus der Ferne weinen und musste der Kleinen dann hilflos hinterher schauen. In den folgenden Minuten wusste sie nicht, was mit ihrer kleinen Tochter passieren würde.

Schreiendes Baby zehn Minuten allein am Bahnsteig

"Der Kinderwagen stand doch ganz nah an der Bahnsteigkante", erzählt die Premnitzerin, die die schlimmsten Momente ihre Lebens durchmachte. Voller Angst und Ungewissheit. Sie rief: Helft mir, haltet den Zug an! Die Schaffnerin der Eisenbahngesellschaft Odeg kam, konnte aber nicht wirklich helfen. Sie schaffte es nicht, über die Sprechanlage den Lokführer zu erreichen und zum Anhalten zu bewegen. Auch die Notbremse betätigte die Mitarbeiterin nicht.

So erfuhr der Lokführer erst auf der Strecke von dem Malheur. Eine junge Familie half der verzweifelten Mutter indessen, die ja nicht einmal mehr die Wickeltasche und ihr Handy dabei hatte, weil beides mit im Kinderwagen lag. Es gelang Jessica Koch-Werth schließlich, mit dem fremden Handy ihre Freundin Mandy Holtz zu erreichen, mit der sie sich in Fohrde treffen wollte. Die Freundin war da bereits auf dem Weg zum Bahnhof und gelangte wenig später zu dem Kinderwagen mit dem schreienden Säugling. Rund zehn Minuten lang war die Kleine allein am Bahnsteig geblieben. Wenig später trafen auch Beamte der inzwischen ebenfalls alarmierten Bundespolizei ein. Das Kind war also in Sicherheit.

Mutter und Kind sind wieder glücklich vereint. Quelle: J. Steiner

Jessica Koch-Werth erlebte höllische Minuten. Sie musste die ganze Strecke bis Brandenburg mitfahren und blieb dann in dem Zug, um so schnell wie möglich wieder bei ihrer Tochter zu sein. Gegen 15.30 Uhr, also eine knappe Stunde später, war sie wieder bei ihrem Kind. Die Kleine ist wohlauf, die Mutter jedoch mit den Nerven fertig. "Meine Freundin war ganz aufgelöst, hat nur noch geweint", erzählt Mandy Holtz.

Lokführer drohen arbeitsrechtliche Konsequenzen

Odeg-Geschäftsführer Arnulf Schuchmann nennt menschliches Versagen als Grund für den Vorfall, der böse hätte enden können. Der Lokführer hätte vor der Abfahrt auf seinen Bildschirm schauen müssen und erkennen, dass ein Kinderwagen allein am Bahnsteig steht. Ein weiterer Fehler sei gewesen, dass er die Zwangsschließung der Türen ausgelöst habe. "So etwas zu tun, dafür gibt es auf dieser Strecke überhaupt keinen Grund", sagt Schuchmann. Er kündigte arbeitsrechtliche Konsequenzen für den Lokführer an.

Bis Mittwoch will die Odeg den Vorfall auf Grundlage der Videoaufnahmen auswerten und dann Kontakt zu der Mutter aufnehmen.

Von Jürgen Lauterbach

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