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Brandenburg/Havel Zum Niederknien: Fotos von Angela Fensch
Lokales Brandenburg/Havel Zum Niederknien: Fotos von Angela Fensch
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15:54 01.08.2016
Fotografin Angela Fensch (r.) mit Ziesars Bürgermeister Dieter Sehm vor dem Porträt einer jungen Kubanerin. Quelle: Frank Bürstenbinder
Ziesar

Was machen Künstler, wenn etwas verboten ist? Sie improvisieren. Weil keine Nägel und keine Haken die Wände des Burgmuseums verletzen dürfen, gingen die Macher der am Sonntag eröffneten Fotoausstellung einfach in die Knie. Und mit ihnen viele Gäste der Vernissage zu „El Vuelo de Bronce“ (Flug der Bronze). Hausherr Clemens Bergstedt, Fotografin Angela Fensch („Das Magazin“, „Sibylle“, „Playboy“) und Kunstgießer Klaus Cenkier platzierten die gerahmten Schwarz-Weiß-Aufnahmen kurzerhand auf hochkant aufgestellten Ziegelsteinen.

Modell und Fotografin

Angela Fensch wurde 1952 in Schwerin geboren Bevor sie ab 1972 lange Jahre freiberuflich als Mannequin und Fotomodell beim Modeinstitut der DDR tätig war, absolvierte sie eine Ausbildung zur Bibliothekarin.

Ab 1975 folgten eine Ausbildung zur Fotografin und ein Studium der Fotografie. Drei Jahre später begann Angela Fensch ihre freiberufliche Arbeit als Fotografin. Es folgten zahlreiche Veröffentlichungen und Ausstellungen. Veröffentlichungen: „Das Magazin“, „Sibylle“, „Für Dich“, „NBI“, „Neues Leben“ u.a.

Große Beachtung fanden nach der Wende unter anderem ihre Einzelausstellungen „Weltoffen – Ausländer in der Uckermark“ sowie „Frauen Porträts Kinder, 1989 und 2005“. Die Fotoausstellung „El Vuelo de Bronce“ ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr in den Räumen der Dauerausstellung auf der Burg Ziesar zu sehen.

Eine etwas umständliche Lösung für die Betrachter, aber die ungewohnte Perspektive bringt Bewegung in die vor über zehn Jahren eröffnete Dauerausstellung, die einen Einblick in die mittelalterlichen Kultur- und Kirchengeschichte Brandenburgs gibt. Seit Sonntag könnte man meinen die Wege in die Himmelstadt führen nicht über die altehrwürdige Bischofsresidenz Ziesar, sondern über die sozialistische Zuckerinsel Kuba. Dort hat Angela Fensch vor drei Jahren ihre Motive gefunden, die für die nächsten Monate in einem spannenden Kontrast zu Bischof, Glaube und Herrschaft stehen werden.

Kunstgießer Klaus Cenkier hielt die Laudatio zur Ausstellungseröffnung. Quelle: Frank Bürstenbinder

Angela Fensch, die ihre fotografische Laufbahn als Modell für Mode in der DDR begann, hat Porträts von Menschen gemacht. Die direkten, persönlichen, ja fast intimen Aufnahmen von Männern und Frauen strahlen Lust und Schönheit aus. Sie lassen den kargen Alltag auf Kuba fast vergessen. Es sind Menschen wie sie jeder in Santiago de Cuba treffen kann – beim Friseur, in der Bar oder auf der Parkbank. Entstanden sind die Aufnahmen am Rande eines Kunstgießersymposiums, so wie es im September in Ziesar stattfindet. Dann kommen unter anderem Kubaner in das Fienerstädtchen.

Fensch-Fotos auf Ziegelsteinen. Quelle: Frank Bürstenbinder

Auch Angela Fensch will dabei sein. Sie wird nicht nur den Künstlern bei der Arbeit an 16 Bronze-Reliefs über die Schulter schauen. Der eine oder andere Ziesarer könnte sich vor ihrer Optik wiederfinden. Porträts sind ihre große Leidenschaft. Analog oder digital – die Fotografin kann selbstverständlich noch selbst einen Film entwickeln, so wie sie Photoshop beherrscht. „Ich finde es schön, dass meine Bilder einen Platz in der Burg gefunden haben. Gerne komme ich nach Ziesar zurück“, sagte Angela Fensch der MAZ.

Eigentlich sollten auch Kunstgießeraufnahmen vom kubanischen Symposium 2013 die Ausstellung bereichern. Doch weil diese ausschließlich in Farbe entstanden waren, hätten sie wie Fremdkörper zwischen den Schwarz-Weiß-Porträts gewirkt. „Wir haben deshalb auf die Farbfotos verzichtet“, sagte Kunstgießer Klaus Cenkier aus Köpernitz. Als Laudator würdigte er die Ausstellung als wichtigen Beitrag für das kulturelle Leben in Ziesar. Außerdem sei sie ein guter Vorgeschmack auf das kommende Kunstgießersymposium mit acht Bildhauern aus Kuba, Spanien und Deutschland. Bürgermeister Dieter Sehm versicherte dem Symposium in seiner Begrüßung die volle Unterstützung: „Zwar steht nur ein bescheidenes Budget zur Verfügung. Doch ich freue mich auf diesen besonderen Höhepunkt im Jahr.“ Wie berichtet, unterstützt die Kommune das Bildhauersymposium mit rund 10 000 Euro. Dafür werden die Künstler einen offenen Raum in der Altstadt mit ihren Werken gestalten.

Von Frank Bürstenbinder

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