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Zum Tode von Gottfried Rauh

Brandenburg an der Havel Zum Tode von Gottfried Rauh

Ein mutiger Bekenner des christlichen Glaubens ist tot. Kurz vor seinem 77. Geburtstag ist Gottfried Rauh in Brandenburg an der Havel gestorben. Er war ein leiser Christ mit klaren Worten, die er häufig in der MAZ-Rubrik „Blickpunkt Kirche“ zu Papier brachte.

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Gottfried Rauh (1940-2017)

Quelle: privat

Brandenburg/H. Vielen war er vertraut und bekannt in unserer Stadt Brandenburg an der Havel. Oft hat er in der MAZ-Rubrik „Blickpunkt Kirche“ geschrieben, ich erinnere mich gut an seinen Beitrag über die Himmelswiese und den Esel in der St. Katharinenkirche. Er war viel in der Stadt unterwegs und nahm rege am kirchlichen Leben teil. Gottfried Rauh, geboren am 7. Juni 1940 in Sulzbach-Rosenberg (Bayern) kam im Jahr 2004 nach Brandenburg an der Havel. Unsere Stadt wurde zu seinem Lebensmittelpunkt und die St. Katharinengemeinde seine geistliche Heimat.

Ich habe Gottfried Rauh schnell kennengelernt als ich nach Brandenburg kam. Er ging auf mich zu und suchte das Gespräch mit mir und ich spürte: Dieser Mann lebt seinen Glauben. Ich war davon beeindruckt, wie der Glaube ihm Kraft gab, sein Halt war im Leben und Quelle der Inspiration und Begeisterung.

Beeindruckt, wie er trotz seiner Krankheit am Leben teilnahm

Ich war umso mehr beeindruckt, als ich sah, wie er trotz seiner Krankheit am Leben teilnahm, sich immer wieder ins Leben kämpfte, wenn er nicht so konnte, wie er wollte. Unerschrocken und mit unbändiger Kraft. Unvergessen ist mir, wie er sich zu einer unserer Lesungen in die alte Bibliothek die sehr steilen Stufen hinaufhelfen ließ, um der Lesung beizuwohnen.

Ich habe mich öfter gefragt, woher er eigentlich diese Kraft nimmt, sich nicht zu verkriechen, sondern so mutig das Leben anzunehmen. Ich habe oft gestaunt darüber, wie er es geschafft hat und besonders, wie er trotz seiner körperlichen Einschränkungen, geistig so präsent, so überzeugt war.

Feuer und Flamme für die Sprache des Glaubens

Er war ein Lehrer durch und durch. Das habe ich gemerkt bei den vielen Rückmeldungen, die er mir zu meinen Gottesdiensten und Predigten gegeben hat. Auch wenn er mich manchmal belehrt hat, war er stets Feuer und Flamme für die Sprache des Glaubens, die präzise Ausdrucksweise, die ökumenische Weite des Glaubens, die er selbst lebte, dafür, dass der Glaube die Herzen der Gläubigen erreicht und dass die Sprache des Glaubens nicht im stillen Kämmerlein verstummt, sondern öffentlich erklingt und weitergegeben wird.

Am Gründonnerstag habe ich ihn das letzte Mal gesehen. Er kam zu unserem Tischabendmahl. Nicht, dass es für ihn allein schon genug Kraft gekostet hätte, zu kommen, brachte er auch noch eine Flasche koscheren Wein und Mazzen von seinen jüdischen Nachbarn mit.

Der Traum

Im Gottesdienst sprachen wir von besonderen Abendmahlserfahrungen und er erzählte von seinem Traum, in dem er seinen verstorbenen Lieben begegnet. Dass die Erfüllung dieses Traumes so schnell so nah sein würde, daran hat er bestimmt nicht gedacht, aber er hat sich gewünscht, dass er nicht lange leiden muss und er so lange wie irgend möglich sein Leben selbstbestimmt leben kann. Dieser Wunsch ist ihm erfüllt worden. Am 9. Mai ist Gottfried Rauh gestorben.

Möge er das schauen, woran er geglaubt hat und mögen wir ihn und sein leidenschaftliches und öffentliches Eintreten für den Glauben nicht vergessen.

Jonas Börsel ist Pfarrer von St. Katharinen.

Info: Am 2. Juni findet um 11 Uhr der Trauergottesdienst für Gottfried Rauh in der St. Katharinenkirche statt, die Beisetzung um 13 Uhr auf dem Waldfriedhof Seelensdorf.

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Von Jonas Börsel

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