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Zusatzstress für die Wöchnerin

Keine Zeit für Hausbesuche Zusatzstress für die Wöchnerin

Die U 2-Untersuchung von Säuglingen findet in Brandenburg/Havel seit einigen Jahren meist außerhalb des Krankenhauses statt, bei niedergelassenen Kinderärzten. Eltern und Hebammen empfinden diese Praxis nicht optimal, weil das Stress bedeutet für die Wöchnerin. Denn die meisten Kinderärzte in Brandenburg haben keine Zeit für Hausbesuche. In Potsdam läuft es anders.

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Nicht fortlaufen! Lotta will sich an ihrem zwei Tag schon auf den Weg machen. Dabei möchte Chefarzt Hans Kössel die Kleine doch gerade untersuchen.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Brandenburg an der Havel. Gute Nachrichten für Jana Pfaffe. Ihre kleine Lotta, die am Montag im Städtischen Klinikum geboren wurde, hat die Untersuchung durch Kinderchefarzt Hans Kössel mit dem Prädikat „alles gut“ bestanden.

Kinder, die im Städtischen Klinikum zur Welt kommen, werden (mindestens) zweimal untersucht: einmal gleich nach der Geburt und dann erneut kurz vor ihrer Entlassung. Die U 2-Untersuchung findet allerdings seit einigen Jahren in der Regel außerhalb des Krankenhauses statt, bei der niedergelassenen Kinderärztin oder einem Kinderarzt.

Eltern und Hebammen empfinden diese gelebte Praxis allerdings nur als zweitbeste Lösung, weil die meisten Kinderärzte in Brandenburg nicht die Zeit für Hausbesuche finden. Daher müssen die Wöchnerinnen die Mühsal auf sich nehmen und in ihrem noch sehr geschwächten Zustand mit dem Säugling im Gepäck in die Praxis ihrer Wahl laufen oder fahren. Denn die U 2-UNtersuchung sollte am dritten bis zehnten Lebenstag stattfinden.

U 2 zwischen dem dritten und zehnten Tag

Kinderchefarzt Hans Kössel plädiert dafür, dass Säuglinge unbedingt noch einmal zwischen dem dritten und zehnten Lebenstag ärztlich untersucht werden. Zu diesem Zeitpunkt seien viele Mütter bereits aus der Klinik nach Hause entlassen.

Mögliche Probleme im Trinkverhalten, im Schlafverhalten, bei der Gewichtsentwicklung und beim Stoffwechsel seien oft erst nach einigen Tagen festzustellen. Das Gleiche gelte für Säuglingsgelbsucht, die nach sechs, sieben Lebenstagen auftreten kann.

Die Fachärzte nehmen bei der U 2 Organe, Geschlechtsteile, Haut und Gelenke unter die Lupe – vor allem auch das Hüftgelenk. Sie schauen nach möglichen Fehlbildungen und prüfen die Herzgeräusche.

Hebammen achten selbstverständlich auch auf solche Auffälligkeiten.

Für die U 2-Untersuchung erhalten Krankenhäuser kein zusätzliches Geld von den Krankenkassen. Niedergelassene Ärzte können diese Leistung mit den Kassen abrechnen.

Die U 3 als nächste Regeluntersuchung findet erst in der vierten bis fünften Lebenswoche statt. Daher ist die U 2 so wichtig.

„Für Mütter in der frühen Wochenbettphase ist das eine enorme Stresssituation und grenzt gerade beim ersten Kind an ein Kunststück“, sagt Hebamme Antje Zick. Sie arbeitet seit zwei Jahren in Brandenburg und kannte solchen Mütterstress dort, wo sie zuvor als Hebamme war, nicht. „Für mich ist es neu, dass die U 2 nicht in der Klinik vorgenommen wird“, sagt Antje Zick. Die Eltern ihrer Gruppen seien darüber gar nicht froh.

„Vor ein paar Jahren war das noch anders, da wurde die U 2 in der Klinik gemacht“, erinnert sich Sandra Reichmann, Hebamme in der Praxis Bauchgefühl. „Das war stressfreier und angenehmer für die Mütter, weil sie sich nicht in die Praxis quälen mussten“, sagt auch sie.

Bianca Küch von der Hebammengemeinschaft Havelwiege hält die Praxisbesuche zwar für in Ordnung, fände Hausbesuche aber ebenfalls schöner. „Das Leben als Wöchnerin ist wahnsinnig anstrengend, die Frauen haben schon so viel anderes zu erledigen, sie bekommen selten genügend Schlaf und sind daher für alles, was ihnen abgenommen wird, dankbar“, sagt Bianca Küch.

Kein Vorwurf an überlastete Kinderärzte

Keine Hebamme möchte den Kinderärzten einen Vorwurf machen, alle wissen, dass die Mediziner überlastet sind und Hausbesuchs daher kaum leisten können. Wie die MAZ erfuhr, machen in Brandenburg/Havel die Kinderärzte Jürgen Mey und Monika Wisotzki für die U 2 noch Hausbesuche. Wir fragten alle Brandenburger Kinderärzte, erhielten jedoch fast keine Antworten.

Nur Christiane Pache erklärt ihren Weg. Die Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin im Ärztehaus West bietet die U 2-Untersuchung unter gesonderten organisatorischen Bedingungen an. Nach ihrer Erfahrung nehmen Eltern gern die kurzfristigen Termine außerhalb der Sprechstunde oder in der gesonderten Säuglingssprechstunde mit räumlicher Trennung an. Dorthin würden nur gesunde Kinder bestellt, die in den Praxisräumen getrennt seien von einzelnen akut erkrankten Kindern, die ohne Termin in der Praxis erscheinen.

Christiane Pache macht U 2-Hausbesuche immer dann, wenn der Gesundheitszustand der Mutter dies erfordert. Nach ihrer Erfahrung wollen die meisten Mütter sogar in die Praxis kommen, um sich dort einen Eindruck von Personal, Organisation und Räumen zu verschaffen.

Problem wie Gelbsucht treten oft erst nach einigen Tagen auf

Hans Kössel, Chefarzt der Brandenburger Kinderklinik, findet die Option, dass Wochenbettmütter ihre Kinderarztpraxis zur U 2 aufsuchen, akzeptabel. Das Infektionsrisiko hält er für gering, wenn die Ärzte die Säuglinge in gesonderten Räumen untersuchen. Aber natürlich sei es aber schöner, wenn der Kinderarzt das familiäre Umfeld in der Wohnung der Familie kennenlerne.

Für den Kinderchefarzt ist nicht die U 2 der Hauptpunkt. Weil viele Mütter nach zwei, drei Tagen aus dem Krankenhaus nach Hause entlassen werden, findet er entscheidend, dass ein Facharzt jedes Kind bis zum zehnten Lebenstag noch einmal untersucht. Denn in dieser Phase könnten Probleme wie Säuglingsgelbsucht, Ernährungs- und Stoffwechselauffälligkeiten sowie Müdigkeit auftreten und erkannt werden. Bis zur U 3 nach etwas vier Wochen zu warten sei entschieden zu lang.

Von einer Vereinbarung über die U 2-Arbeitsteilung zwischen dem Brandenburger Klinikum und den niedergelassenen Kinderärzten wissen Kinderchefarzt Kössel und Geschäftsführerin Gabriele Wolter nichts. „Eine solche Vereinbarung gibt es nicht“, teilt Wolter mit. Potsdam jedenfalls übt eine andere Praxis als Brandenburg. Im Ernst-von Bergmann-Klinikum haben die Eltern die Wahl, ob die U 2 im Krankenhaus oder beim niedergelassenen Facharzt stattfinden soll, berichtet Theresa Decker. „Die U 2 wird bei uns gemacht“, sagt auch Ria Maatz vom St. Josefs-Krankenhaus.

Von Jürgen Lauterbach

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