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Brandenburg/Havel Zwangsarbeiter machten Flugzeuge zu Gabeln
Lokales Brandenburg/Havel Zwangsarbeiter machten Flugzeuge zu Gabeln
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13:34 22.02.2018
Die Arado Ar 68 war ein deutscher einsitziger Doppeldecker, der als Jagdflugzeug entwickelt und gebaut wurde. Erstflug 1934. Quelle: Frank Brekow
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Brandenburg/H

Ehrenamtliche Archäologen haben im vergangenen Jahr in den ehemaligen Wohnbaracken des Arado-Zwangsarbeiterlagers Rathenow Gegenstände gefunden, die ein neues Licht auf die damaligen Lebensbedingungen werfen. Darüber berichtete Denkmalpfleger Thomas Kersting in dieser Woche in der Jahrestagung der Landesarchäologie in Brandenburg/Havel. Aus Flugzeug-Aluminium stellten die Zwangsarbeiter Gabeln her.

Die Arado Flugzeugwerke waren einer der größten Lieferanten der deutschen Luftwaffe. In den drei Werken Brandenburg Havel, Babelsberg und Rathenow waren zusammen mehr als 17 500 zivile Zwangsarbeiter eingesetzt. Sie bauten hauptsächlich den Heinkelbomber He 177 sowie Steuerelemente zur sogenannten Vergeltungswaffe V 1 und V 2.

Gräberfeld und Slawensiedlung

Pollenanalyse am Marienberg heißt das Thema von Masterstudentin Hanna Sonnenberg. Als 2016 die Klinik am Marienberg umgebaut wurde, nahm sie Proben, die im Labor auf Baum- und andere Pollenarten ausgezählt wurden. Sonnenberg rekonstruiert die Vegetation von der letzten Eiszeit bis zum Mittelalter.

In Pessin (Havelland) wurde ein Gräberfeld wiederentdeckt, das einer nahegelegenen slawischen Siedlung zuzuordnen ist. Die beiden Kopfnischengräber stammen von christlichen Siedlern des Hochmittelalters.

In Jüterborg wurde 2017 eine sehr gut erhaltene, bis vier Meter breite Holzstraße freigelegt.

Im September 1944 traf eine große Gruppe niederländischer Häftlinge aus Sachsenhausen ein, berichtet Thomas Kersting, der das Dezernat Archäologische Denkmalpflege im Landesamt leitet. Die Häftlinge nieteten Trag- und Steuerflächen für Flugzeuge und Raketenwaffen.

Von Februar 1945 an mussten 150 polnische Juden aus dem Außenlager Glöwen im Freie in der Kälte Tragflächen montieren. Am Ende des Krieges, als die Rote Armee nicht mehr weit entfernt war, flohen die SS-Leute und überließen die Häftlinge ihrem Schicksal.

Denkmalpfleger Thomas Kersting. Quelle: J. Steiner

Sowjetische Soldaten befreiten das Außenlager am 25. April 1945. Im Außenlager lebten alle Häftlinge in einfachen Baracken, umzäunt von einem doppelreihigen, unter Strom gesetzten Stacheldraht. „Grabungsbefunde aus dem Jahr 2001 belegen die schlechten Lebensbedingungen“, so Landesarchäologe Kersting. In jener Zeit, also 2000/2001, legten Kersting und seine Kollegen Fundamente der Baracken frei und fanden zahlreiche Dinge, die Häftlinge angefertigt oder aus den Werkhallen herausgeschmuggelt hatten.

Suche in den ehemaligen Zwangsarbeiter-Baracken

Die Suche haben in den einstigen Baracken haben im vergangenen Jahren Ehrenamtler wieder aufgenommen. Prompt wurden sie fündig. Einige Fundstücke haben einen direkten Bezug zur Werksproduktion. Dazu gehören Werksausweise mit Namen von holländischen, französischen, spanischen und portugiesischen Zwangsarbeitern sowie technische Schilder und Kunststoff-Schriftschablonen aus der Produktion und Konstruktionsabteilung.

Schilder und Besteck aus Flugzeug-Aluminium

Noch interessanter findet Thomas Kersting die Dinge, die ein Leben unter den Bedingungen von Zwang und Mangel hinter verschlossenen Türen beleuchten. Das sind aus Flugzeug-Aluminium selbst hergestellte Gabeln und Schilder mit Initialen, Kochgeschirre mit mehrfach eingeritzten und somit offenbar wechselnden Besitzerinschriften.

Sowjetsterne als Siegessymbole

„Diese Gegenstände hatten eine lebenswichtige Funktion, halfen aber auch, die eigene bedrohte Identität zu bekräftigen“, erklärt der Denkmalpfleger. Französische Medikamente wurden entdeckt, Schlüsselanhänger von Baracken, STALAG-, also Stammlager-Marken von Kriegsgefangenen und Material, das auf die Befreier hinweist: selbst ausgeschnittene Sowjetsterne als Siegessymbole, die seit 2014 aus Waldlagern der Roten Armee in Brandenburg bekannt sind. Sie liegen auch unweit der Fundstelle in Rathenow im Wald verborgen.

Der Beitrag von Thomas Kersting war nur ein Referat von fast 40 auf der Jahrestagung der Archäologen im Audimax der Technischen Hochschule. Thematisch vielfältig deckten die Beiträge räumlich das gesamte Land Brandenburg ab.

Von Jürgen Lauterbach

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