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Zwei Brandenburger auf der Seite der Opfer

Weißer Ring hilft nach Straftaten Zwei Brandenburger auf der Seite der Opfer

Marina und Eberhard Paul haben einen festen Standpunkt. Sie stehen stets auf der Seite der Opfer. Während sich der Staat mit den Straftätern befasst, kümmern sich die ehrenamtlichen Lotsen des Weißen Rings um die Opfer von Kriminalität. Nicht nur heute am Tag der Kriminalitätsopfer, sondern rund ums Jahr. In den meisten Fällen in Brandenburg geht es um häusliche Gewalt.

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Eberhard und Marina Paul helfen Kriminalitätsopfern.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg/H. Marina und Eberhard Paul haben einen festen Standpunkt auf der Seite der Opfer. Während sich der Staat mit den Straftätern befasst, kümmern sich die ehrenamtlichen Lotsen des Weißen Rings um die Opfer von Kriminalität. Nicht nur heute am Tag der Kriminalitätsopfer, sondern rund ums Jahr.

Eberhard Paul hat die Brandenburger Außenstelle des Weißen Rings rund 20 Jahre lang geleitet, 2013 folgte ihm seine Ehefrau Marina. Gemeinsam mit zwei weiteren Ehrenamtlern ist das Ehepaar Ansprechpartner für Menschen, die als Opfer einer Straftat kostenlose Hilfe benötigen.

Etwa zwanzig Fälle pro Jahr bearbeiten die Opferlotsen pro Jahr, hinzu kommen 50 bis 60 telefonische Kontakte. Opfer können sich darauf verlassen, dass der Weiße Ring sich für sie einsetzt, auch dann, wenn sie keine Anzeige erstatten. Marina Paul: „Wir möchten erreichen, dass die Betroffenen ohne Angst vor Kosten und auf der Grundlage wichtiger Informationen die für sich richtige Entscheidung treffen.“

Etwa 20 Fälle pro Jahr

In etwa der Hälfte der Fälle geht es um häusliche Gewalt. Frauen, die von ihren Männern verprügelt werden, die zurückkehren, weil sie finanziell abhängig sind. „Leider geben sich diese Frauen häufig selbst die Schuld“, erzählt Paul. Manchmal kämen diese Frauen erst dann von dem Mann los, wenn sie im Krankenhaus gelandet sind.

So etwas kommt auch in den besten Familien vor. „40 Prozent der Täter haben einen Hochschul- oder Fachhochschulabschluss“, berichtet Marina Paul. Der Weiße Ring hilft vor allem mit Zuhören und Gesprächsbereitschaft, er vermittelt therapeutische oder psychologische Hilfe, hält den Kontakt zu Polizei und Frauenhaus, weist den Weg zur staatlichen Opferentschädigung. Bei finanzieller Bedürftigkeit fließt auch mal Geld. So erhalten Hilfesuchende einen Beratungsscheck über 150 Euro und können damit den Anwalt ihrer Wahl aufsuchen.

40 Prozent der Täter haben Hochschulabschluss

Weitere Kostenübernahmen durch die Zentrale des Weißen Rings sind möglich. Einem um 10 000 Euro erleichterten Opfer des Enkeltricks sprang der Weiße Ring mit 2000 Euro in seiner Not bei. Als einer Rentnerin die Handtasche mit Geldbörse geraubt wurde und sie plötzlich mittellos war, zahlte der spendenfinanzierte Verein Überbrückungsgeld zur Linderung der ersten Not. „Über bis zu 250 pro Fall Euro können wir vor Ort verfügen“, berichtet Eberhard Paul.

Ein anderes Opfer konnte drei Wochen auf Kosten des Weißen Rings verreisen, um Abstand gewinnen von dem grausamen Erleben. Ein kleiner sexuell missbrauchter Junge durfte auf Kosten des Weißen Rings in den Zoo fahren. Von vielen grausamen Schicksalen erfahren die Opferhelfer. Sie unterstützten vor Jahren eine Brandenburger Mutter, deren Tochter in Magdeburg vom eigenen Vater getötet wurde. Oder eine junge Frau, die ihr Vater – ein Mann von gesellschaftlichem Rang – sexuell missbraucht hatte. Sie fühlten mit, als diese Frau sich einem Pfarrer anvertraute, der aber von einer Anzeige abriet mit den Worten: Gott wird’s richten.

Drei Wochen auf Kosten des Rings verreist

Mit sieben Brandenburger Mordfällen hat es Eberhard Paul zu tun gehabt. Zuletzt half der Weiße Ring den Angehörigen der Rumänin, die von ihrem Ex-Partner auf offener Straße im Stadtteil Nord erstochen worden war. Der Weiße Ring zahlte die Überführung des Leichnams.

Die Ehe der beiden Pauls ist auf den Tag genau so alt wie der Weiße Ring. Das Paar engagiert sich in vielen Stunden seiner Freizeit, auch um die Welt mit den eigenen Mitteln „vielleicht ein bisschen besser zu machen“. Die Pauls freuen sich über Interessenten, die Zeit und Interesse für das Ehrenamt samt auswärtiger Schulungen mitbringen. Marina Paul ist erreichbar unter Telefon 0 33 81 / 30 72 40.

Von Jürgen Lauterbach

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