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Zwei Ehemänner, zwei Weltkriege überlebt

Jubilarin feiert 100. Wiegenfest Zwei Ehemänner, zwei Weltkriege überlebt

Brosnislawa Stahlberg feiert am Freitag ihr 100. Wiegenfest. Die betagte Dame blickt auf ein langes und ereignisreiches Leben zurück, hat zwei Weltkriege und zwei Ehemänner überlebt. Das Leben genießt die Jubilarin trotz gesundheitlicher Einschränkungen bis heute in vollen Zügen und freut sich am eigenen Ehrentag auf eine Feier im großen Kreis.

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Bronislawa Stahlberg mit ihrer Tochter Monika Höfke.

Quelle: Philip Rißling

Brandenburg an der Havel. Wenn sie über die Familie spricht, ist Brosnislawa Stahlberg glücklich. Sie gibt der betagten Frau Halt, sie kümmert sich, besucht sie so oft sie kann. „Ich verbringe gern die so kostbare Zeit mit ihnen“, strahlt die alte Dame, die seit mittlerweile vier Jahren im Seniorenzentrum Martha Piter in Hohenstücken lebt und am Freitag ihren 100. Geburtstag feiert.

Dass ihr die enge Familienbande außerordentlich wichtig ist, bestätigt auch Tochter Monika Höfke. Die 74-Jährige besucht ihre Mutter mehrmals in der Woche, geht mit ihr auf den nahen Markt, um Obst oder Blumen zu kaufen oder einfach eine Runde um den Block spazieren. Das tut gut, bringt es Brosnislawa Stahlberg doch Abwechslung vom Alltag im Seniorenzentrum, der ihr allerdings sehr gut gefällt. „Es war ihre Idee, sich 2011 die Einrichtung anzusehen. Es hat ihr hier so gut gefallen, dass sie sofort eingezogen ist“, sagt Monika Höfke über ihre Mutter. So quartierte sie sich damals mit dem Ausspruch „Das hab’ ich mir jetzt verdient“ quasi selbst in der Einrichtung ein. Auf die Hilfe will sie, trotz weitgehender Eigenständigkeit im täglichen Leben, nicht verzichten. Die Beine wollen nach zwei Stürzen nicht mehr so wie gewünscht, auch das Seh- und Hörvermögen hat im Laufe der Jahre deutlich nachgelassen.

Riesige Vorfreude auf die Feier

Nichtsdestotrotz freute sich die Jubilarin riesig auf ihren Ehrentag. 40 Gratulanten wurden zur Jubel-Feier am Freitag im Anglerheim in Kirchmöser-Ost erwartet, Natürlich rückt da neben alten Weggefährten auch die ganze Großfamilie an. Tochter Monika, fünf Enkel, neun Urenkel und ein Ur-Urenkel werden sich unter den Feiernden tummeln. Nicht dabei sein können der 2001 verstorbene Ehemann sowie die beiden Geschwister von Monika Höfke, Sie sind bereits verstorben, waren zu Lebzeiten aber wichtige Eckpfeiler im bewegten Leben der nun Hundertjährigen.

1915 zur Zeit des Ersten Weltkriegs in Kriele bei Neuruppin zur Welt gekommen, hatte es Brosnislawa Stahlberg in ihrer Kindheit alles andere als leicht. Die Kriegswirren zerrissen die Familie, der Vater und die zwei Brüder gelten bis heute als vermisst. Allein schlug sich ihre Mutter mit dem Kind durch, bis sie starb. Damals war Brosnislawa 13 Jahre alt. Ohne jegliche Verwandtschaft und nur der polnischen Sprache mächtig, musste sich die junge Frau fortan allein durchs Leben schlagen.

In einer kleinen Gaststätte bei Neuruppin fand sie ein Zuhause, verdingte sich als Dienstmädchen und erlernte die deutsche Sprache. Hier wurde sie später auch zur Köchin ausgebildet und lernte ihren ersten Ehemann kennen. Die beiden heirateten 1935, Brosnislawa erhielt einen deutschen Pass, das Paar bekam drei Kinder. Das bis dato schwere Leben hatte eine glückliche Wendung genommen.

Große Liebe im zweiten Anlauf

Doch die Ehe zerbrach 1947, fortan zog Brosnislawa ihre Kinder unter schwierigen Bedingungen allein auf. „Heute ist sie stolz darauf, dass sie alle einen ordentlichen Beruf erlernt haben“, berichtet Tochter Monika, das einzig noch lebende Kind der Jubilarin.

Einen zweiten Anlauf unternahm das Geburtstagskind in der Liebe indes Ende der 50er Jahre, heiratete 1958 ihren Hermann, mit dem sie bis zu seinem Tod im Jahr 2001 glücklich zusammenlebte. Ihre gemeinsamen Jahrzehnte verbrachten sie arbeitsam und glücklich im Werderaner Ortsteil Töplitz, wo sie zusammen in der Obst- und Gemüsebranche tätig waren und sich ein kleines Gartenhäuschen zulegten.

Überhaupt die Natur: Als Köchin war Brosnislawa Stahlberg Zeit ihres Lebens den Pflanzen, Gemüse und Obst verbunden. Ab 2001, als die heutige Jubilarin zu ihrer Tochter nach Kirchmöser-Ost zog, kümmerte sie sich dann um den dortigen, kleinen Familiengarten. Und auch in ihrem kleinen Reich im Seniorenheim ist die Vorliebe für Blumen heute noch unübersehbar. „Ihre Blumen nehmen quasi jeden freien Raum in ihrem Zimmer ein“, freut sich Tochter Monika. „Meine Mutter hegt und pflegt sie liebevoll.“

Natürlich frohlockte die alte Dame, die sich zum Geburtstag nur einige weitere Jahre im behüteten Familienkreis wünscht, in den Tagen vor ihrem großen Ehrentag deshalb auch mit der Aussicht auf viele tolle Gestecke und Sträuße. Am allerschönsten allerdings ist aber seit jeher die Aussicht auf ein paar Stunden im Kreise der Liebsten.

Von Philip Rißling

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