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Zwei Nachbarn feiern 2018 Geburtstag

Jeserig und Schenkenberg Zwei Nachbarn feiern 2018 Geburtstag

Sie sind Nachbarn und haben doch eine sehr unterschiedliche Geschichte. Zwei Ortsteile von Groß Kreutz (Havel) feiern 2018 ihre Dorfjubiläen. Jeserig wurde vor 650 Jahren erstmals schriftlich erwähnt, Schenkenberg hat erst 90 Jahre auf dem Buckel.

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Jeserig ist mehr als die B 1 und Mc-Möbel: Der Ursprungsbau der Kirche am Dorfanger geht auf die Gründungszeit des Ortes zurück.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Groß Kreutz (Havel). Die Gemeinde zwischen Havel und Emster steht im kommenden Jahr vor einem Doppeljubiläum. Die Jeseriger werden den 650. Jahrestag der schriftlichen Ersterwähnung feiern. In Schenkenberg haben die ersten Gespräche zur Vorbereitung eines Festwochenendes begonnen, mit dem 2018 das 90-jährige Bestehen der ehemals eigenständigen Landgemeinde begangen wird. Beide Dörfer gehören seit 2003 zu der damals gegründeten Großgemeinde Groß Kreutz (Havel) mit insgesamt acht Ortsteilen.

Schon vor der ersten Erwähnung besiedelt

Jeserig ist seit 1993 Verwaltungssitz. Erst für das Amt Emster-Havel, seit 2003 für die Gemeinde Groß Kreutz (Havel). Die letztere Entscheidung fiel erst nach einem längeren politischen Tauziehen. Die Alternative wäre Groß Kreutz gewesen.

Lange vor der ersten schriftlichen Erwähnung muss die Gemarkung Jeserig besiedelt gewesen sein. Darauf deutet ein aus der Bronzezeit stammendes Urnengräberfeld hin, das nahe der Potsdamer Straße entdeckt wurde. Es folgten weitere Siedlungen.

Von Schenkenberg war noch keine Rede, als der preußische Staat das Gebiet für sich entdeckte. Von 1832 bis 1849 war dort der Standort für die optische Telegrafenstation Nr. 6 auf der Strecke Berlin-Koblenz. Heute erinnert ein Nachbau an die Station.

„Für Jeserig ist das Gründungsjubiläum ein guter Anlass sich wieder einmal mit der eigenen Geschichte zu beschäftigen“, findet Ortsvorsteher Andreas Gohlke. So gibt es erste Ideen für die Produktion eines Bildbandes und der Zusammenstellung einer Chronik. Quellen gibt es einige. „Über das Schulwesen ist reichlich Material vorhanden, berichtet Hans-Dieter Säger. Dafür gab es 1905 bei einem Blitzschlag große Verluste unter den Kirchenbüchern. Jeserig wurde 1368 als „Jezerik“ erstmals schriftlich erwähnt. Der Name wurde von der slawischen Bezeichnung für See abgeleitet. Der einstige Jeseriger See, an dessen Südufer gesiedelt wurde, ist heute weitgehend verlandet.

Zur jüngeren Geschichte Schenkenbergs zählt die Enthüllung des Straßennamens Zur Telegrafenstation 2016 durch Wolfgang Groch

Zur jüngeren Geschichte Schenkenbergs zählt die Enthüllung des Straßennamens Zur Telegrafenstation 2016 durch Wolfgang Groch.

Quelle: Christine Lummert

Ortsvorsteher Gohlke hatte die 650-Jahr-Feier auf die Tagesordnung der Ortsbeiratssitzung in dieser Woche gesetzt. Die Jeseriger Kommunalpolitiker sind sich inzwischen einig, dass im September gefeiert werden soll. „Dann ist die Vielzahl der Sommerfeste vorüber und wir haben freie Bahn für unser Ortsjubiläum“, so Gohlke. Als nächsten Schritt soll es eine Zusammenkunft mit den Vereinsvorsitzenden geben. Jäger, Angler, Line Dancer, Schule, Kita und Feuerwehr werden sich einen Fahrplan für den Ablauf des Ortsjubiläums erarbeiten. Ortsvorsteher Gohlke hat die Jeseriger aufgerufen, die Zeit bis zum nächsten Jahr zu nutzen und sich mit eigenen Ideen in die Feierlichkeiten einzubringen.

Im benachbarten Schenkenberg haben Vereinsvertreter und der Ortsbeirat unter Christian Sommer schon vergangene Woche zusammengesessen. Ihr Dorf hat eine noch junge Geschichte, die auf die Siedlungsgesellschaft „Märkische Scholle“ zurückgeht. Diese erwarb 1925 große Flächen und parzellierte sie in zahlreiche Siedler- aber auch Bauernstellen. 1928 wurde das junge Schenkenberg offiziell eine selbstständige Gemeinde. Dieses Ereignis wollen die Akteure vom 22. bis zum 24. Juni 2018 begehen. Beide Dorfjubiläen stehlen sich mit ihrer Terminwahl nicht gegenseitig die Schau.

Erinnerung an die Optische Telegrafenstation Nr

Erinnerung an die Optische Telegrafenstation Nr. 6 in Schenkenberg.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Zur Schenkenberger Vorbereitungsrunde gehört auch Gemeindebürgermeister Reth Kalsow. Als Einwohner ist er Mitglied im Sportverein Empor. Kalsow freut sich auf das Doppeljubiläum in seiner Gemeinde Groß Kreutz (Havel) im kommenden Jahr: „Die Ortsteile bereiten ihren Einwohnern und sicher vielen Gästen eine große Freude. Gleichzeitig ist es für unsere Dörfer eine gute Gelegenheit sich nach außen zu präsentieren, denn in Jeserig und Schenkenberg ist in den letzten 25 Jahren eine Menge passiert“, meint Gemeindebürgermeister Kalsow.

Die Kommune unterstützt die Ortsteile bei der Durchführung von Jubiläen traditionell im Ramen ihrer Möglichkeiten. So wird der Geldbetrag, der jährlich den Ortsteilen zu freien Verwendung aus dem Gesamthaushalt zugestanden wird, für solche Anlässe verdoppelt. Statt zwei Euro je Einwohner fließen in Jubiläumsjahren vier Euro pro Person in die Ortsteilkasse. In der Regel wird höchstens alle 25 Jahre ein Ortsjubiläum begangen. Für Jeserig sind es damit rund 4600 Euro, die Schenkenberger können mit über 6000 Euro rechnen. „Außerdem hilft der kommunale Bauhof bei den Vorbereitungen, wo er kann“, so Gemeindebürgermeister Kalsow.

Groß Kreutz (Havel)-Bürgermeister Reth Kalsow

Groß Kreutz (Havel)-Bürgermeister Reth Kalsow

Quelle: MAZ

Im Ortsteil Jeserig fällt das Jubiläumsjahr 2018 mit einer größeren kommunalen Investition zusammen. Während in diesem Jahr die planerischen Grundlagen geschaffen werden, dürften 2018 die Bauleute für eine neue Kita anrücken. „Der Neubau soll funktionell und modern sein. Wir gehen derzeit von einem Bedarf von 100 Plätzen aus. Es können aber auch noch ein paar mehr werden“, kündigte Bürgermeister Kalsow im Ortsbeirat an. Groß Kreutz (Havel) hofft bei der Finanzierung auf Fördermittel. Mit Jeserig gehört die Gemeinde zu den Gebietskörperschaften im Kreis, die einen anerkannten Kita-Neubaubedarf haben. Die Schenkenberger bekamen bereits nach der Wende eine neue Kita.

 

 

Von Frank Bürstenbinder

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