Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 8 ° Sprühregen

Navigation:
Zwei Rudel nehmen Rottstock in die Zange

Wölfe reißen Kälber Zwei Rudel nehmen Rottstock in die Zange

Gleich zwei Wolfsrudel machen Rottstock unsicher. Rinderzüchter Stefan Leue hat schon zwei seiner Dexter-Kälber an Isegrim verloren. Der Landwirt verstärkte den Elektrozaun, befürchtet aber weitere Übergriffe auf Nutztiere. Mit dieser Meinung ist er nicht allein.

Voriger Artikel
Briester Ortsvorsteher verstorben
Nächster Artikel
Lifte sind der Renner in Nord

Stefan Leue bei seinen Dexter-Rindern abseits der Rottstocker Ortslage.

Quelle: Jacqueline Steiner

Rottstock. Sie sind Landschaftspfleger und Fleischlieferanten. Friedlich zupfen die Dexter-Rinder von Stefan Leue das grüne Gras von der Weide. Das ganze Jahr über verbringen der Bulle und die Mutterkühe mit ihren Kälbern in der freien Landschaft. Ein Bild, dass von Kiefern und Birken umrahmt ist. Nahe der kleinen Herde sucht sich der renaturierte Riembach seinen Weg durch den Fläming. Ländliche Idylle pur. Könnte man meinen. Wenn da nicht drei Litzen wären, an denen 6000 Volt anliegen.

Rund um Rottstock finden sich jede Menge Trittsiegel

Rund um Rottstock finden sich jede Menge Trittsiegel.

Quelle: Privat

Neben der Hütewirkung soll der Elektrozaun Eindringlinge von außen abhalten. Von denen kann der Rottstocker Rinderhalter ein trauriges Lied singen. Zweimal sind Wölfe in die Herde eingebrochen und haben sich über den Nachwuchs hergemacht. Erst vor vier Wochen blieb von einem Bullenkalb nur eine abgenagte Rippe übrig. 30 Tiere der ursprünglich aus Irland stammenden Rinderrasse hält Leue in zwei Herden.

Elektrozaun und Schutzhunde

Weidetiere lassen sich nicht hundertprozentig vor Wölfen schützen. Doch sind bestimmte Herdenschutzmaßnahmen Voraussetzung für Schadenersatz. Das können Elektrozäune oder feste Koppeln aus Maschendraht sein. Denkbar ist auch der Einsatz von Herdenschutzhunden.

Über das Land Brandenburg gibt es Förderungen zur wolfssicheren Tierhaltung. Ansprechpartner für die Details ist das Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz. In den Belziger Landschaftswiesen wurde durch das Landesumweltamt ein Pilotprojekt zur modellhaften Erprobung von Maßnahmen zum Wolfsschutz realisiert.

Von 2000 bis Februar 2015 wurden in ganz Brandenburg in 126 Fällen Wolfsübergriffe auf Nutztierbestände nachgewiesen. Insgesamt wurden 484 Schafe, Ziegen, Gatterwildstücke und Kälber gerissen. An Entschädigungen wurden seit 2007 rund 74 000 Euro gezahlt.

„Jeden Morgen mache ich mich mit einem mulmigen Gefühl zur Kontrolle auf. Meinetwegen kann der Wolf da sein. Doch seine Schäden sind nicht mehr lustig“, berichtet der Züchter. Rissgutachter Kay-Uwe Hartleb protokollierte den jüngsten Fall, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf das Konto von Isegrim geht. An wildernde Hunde glaubt in Rottstock niemand mehr. In der Gemarkung überlappen sich die Reviere von gleich zwei Wolfsrudeln. „Wenn die einen keinen Hunger haben, gehen die anderen auf Beutezug. Damit sind unsere Nutztiere einer ständigen Gefahr ausgesetzt“, beschreibt Leue die Situation. Wölfe nehmen Rottstock gleich von zwei Seiten in die Zange. Das Altengrabower Rudel bestreift die Gegend ebenso wie die jüngere Population, die sich bei Görzke/Dahlen festgesetzt hat. Die zahlreichen Trittsiegel auf den Äckern sprechen Bände. Willkommen in der Wolfsmark!

Ein Wolf schnürt bei Rottstock durchs Revier

Ein Wolf schnürt bei Rottstock durchs Revier.

Quelle: Privat

Natürlich hat sich Stefan Leue nach dem jüngsten Angriff auf seine Rinder von Fachleuten beraten lassen. Deshalb die dritte stromführende Litze. Noch besser wären fünf Drähte, die sich auf 1,50 Meter Höhe statt auf 1,20 Meter verteilen , so die Empfehlung. Für den Landwirt, der auch einen Pferdehof betreibt, ein Unding. „Dann würden für das Wild unüberwindbare Hürden die Landschaft zerschneiden. Und ohne eine Förderung sind die Mehrkosten wirtschaftlich nicht darstellbar“, so Leue. Er macht einen Gegenvorschlag: „Warum nicht die Truppenübungsplätze einzäunen, anstatt Weiden in Hochsicherheitstrakte zu verwandeln?“ Der Rinderzüchter befürchtet, dass sich die Situation für die Nutztierhaltung zuspitzen könnte. Nämlich dann, wenn sich das Wild immer mehr aus von Wölfen besetzten Flächen zurückzieht.

Kälber sind Wolfsangriffen am leichtesten ausgesetzt

Kälber sind Wolfsangriffen am leichtesten ausgesetzt.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Ähnliche Gedanken treiben auch Heiko Wallbaum um, der seit zwölf Jahren Revierpächter in Görzke ist. Der Jäger aus Rottstock beobachtet die Verhaltensänderungen beim Wild seit längerem. „Es wird vorsichtiger, wandert ab oder ist einfach nicht mehr da“, berichtet Wallbaum. Er bestätigte aus eigener Erfahrung den Einbruch der Damwildstrecke. „Geht die Entwicklung so weiter, werden sich die Übergriffe auf Nutztiere deutlich verstärken“, sagt Wallbaum voraus. Bejagen dürfen Jäger die Wölfe nicht. Die Räuber sind streng geschützt. Sie können sich ungehindert vermehren. Allein das Görzker Rudel hat es in diesem Jahr auf vier bislang nachgewiesene Welpen gebracht. 2015 waren es sechs. Samt Elterntiere und Jährlinge dürften in diesem Raum zehn bis zwölf Wölfe unterwegs sein. Die Besucher aus Altengrabow und Lehnin nicht mitgerechnet.

Von Frank Bürstenbinder

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brandenburg/Havel

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg