Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg/Havel Angeklagter geständig – Das sagen die Überlebenden
Lokales Brandenburg/Havel Angeklagter geständig – Das sagen die Überlebenden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:57 06.12.2018
Prozessauftakt gegen Stefan M. Ihm wird die fahrlässige Tötung zweier Feuerwehrmänner aus Lehnin vorgeworfen. Quelle: Jacqueline Steiner
Brandenburg/H

Der zweite Prozesstag gegen den wegen fahrlässiger Tötung zweier Feuerwehrleute angeklagten Lastwagenfahrer Stefan M. am Mittwoch am Amtsgericht Brandenburg beginnt mit einer Überraschung.

Der angeklagte Stefan M. soll am Vortag nach dem ersten Verhandlungstag trotz Führerscheinentzuges vom Parkplatz des Amtsgerichtes gefahren sein. Davon hat eine Zeugin ein Handyvideo aufgenommen. Das berichtet die Vorsitzende Richterin Susanne Götsche zu Beginn der Verhandlung.

Weitere mögliche Anklage

Der Potsdamer Staatsanwalt Peter Petersen zeigt sich entsetzt und kündigt eine weitere mögliche Anklage deswegen an: „Das ist ein unglaubliches Verhalten des Angeklagten, der zwei Menschenleben auf dem Gewissen hat.“ Nach fast achtstündiger Verhandlung endet der Prozesstag ohne Urteil. Das Gericht kündigte das Urteil nun für den 13. Dezember an.

Zu Beginn verlas der Anwalt des Angeklagten, Mario Schink, eine Erklärung des Lastwagenfahrers. Darin zeigte sich Stefan M. geständig und räumt ein, möglicherweise eingeschlafen zu sein. Er entschuldigte sich bei den Angehörigen der beiden getöteten Feuerwehrleute.

Acht Nebenkläger verfolgen den Prozess

Stefan M. soll am 5. September 2017 auf der Autobahn 2 bei Lehnin nachts in eine Unfallstelle gefahren sein. Dabei kamen zwei der ehrenamtlichen Retter ums Leben. Ein dritter Feuerwehrmann wurde schwer verletzt. Vor Gericht muss sich der seither krank geschriebene Lkw-Fahrer wegen fahrlässiger Tötung in zwei Fällen und fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Der 57-jährige Berliner verfolgt die Verhandlung in sich gekehrt.

Durch die große Zahl der Prozessbeteiligten mit acht Nebenklägern und deren Anwälten, den vollen Saal und den öffentlichen Druck sehe er sich zu weiteren mündlichen Aussagen während der Gerichtsverhandlung nicht imstande, ließ der Angeklagte über seinen Anwalt mitteilen.

Die beiden Feuerwehrmänner, Familienväter im Alter von 23 und 38 Jahren, hatten durch den Unfall allerschwerste Verletzungen erlitten, von der jede allein hätte zum Tode führen können. Als die Vorsitzende Richterin die Sektionsprotokolle verliest, ringt sie um Fassung.

Unfallstelle war weithin sichtbar

Als Zeuge sagt auch ein weiterer Lkw-Fahrer aus. Er beschrieb die Unfallstelle als weithin sichtbar. Auch beim Einsatz beteiligte Feuerwehrleute sagten als Zeugen aus und sprachen übereinstimmend von einem weithin sichtbaren „Blaulichtmeer“.

Ein Feuerwehrmann, der als Zeuge auftritt, spricht von einem „Rieseneinschlag“, als der Lastwagen kam. „Danach war Chaos“. Die ehrenamtlichen Retter, die bei dem tragischen Unfall dabei waren, berichten im Zeugenstand davon, wie sie sich untereinander vor dem mit hohem Tempo herannahenden Lastwagen durch laute Zurufe warnten. So konnten sich alle Einsatzkräfte retten bis auf die beiden Feuerwehrleute, die unmittelbar an dem Fahrzeug standen, in das der Lastwagen fuhr.

Erschütternde Aussagen von Überlebenden

Einer von ihnen, der Gemeindewehrführer von Kloster Lehnin, schubste im letzten Moment seines Lebens noch einen weiteren Kameraden aus dem Gefahrenbereich. Dieser tritt im Prozess als Nebenkläger auf. Durch den Unfall wurde seine Schulter ausgerenkt. Er war noch ein halbes Jahr nach dem Unfall krank geschrieben. Hätte ihn Sebastian K. nicht geschubst, „säße ich heute nicht hier“, sagt der junge Lehniner in dem Prozess.

Im Prozess klang an, dass von Seiten der Einsatzkräfte die Polizei in jener Unglücksnacht vergeblich um die Vollsperrung der Richtungsspur nach Berlin gebeten worden war. Es wurden nur die beiden rechten Spuren gesperrt. Bei dieser Bitte seitens der Feuerwehr ging es um jenen ersten Unfall, zu dem die Retter gegen 1 Uhr nachts auf die Autobahn gefahren waren. Dabei war ein Transporter gegen einen Lastwagen gerast. Der Fahrer des Transporters musste von den Feuerwehrmännern aus dem Unfallwrack befreit werden. Er kam ins Krankenhaus. Als dieser Einsatz nahezu beendet war, kam es zu der Tragödie mit dem heranrasenden Lastwagen.

Bessere Sicherung als Konsequenz

Als Folge der Feuerwehr-Tragödie auf der A 2 wird die Autobahn mittlerweile bei Unfällen zum Schutz der Einsatzkräfte in der Regel zumindest in einer Fahrtrichtung gesperrt. Dass das zunächst in der Unfallnacht nicht passiert war, begründet in dem Strafprozess ein Polizeibeamter mit dem „relativ geringen Verkehrsaufkommen“ in jener Nacht.

Bis in den Nachmittag hinein sind am Amtsgericht Brandenburg in diesem Prozess insgesamt elf Zeugen geladen. Als letzter Zeuge sagt ein Beamter der Autobahnpolizei Michendorf aus. Er saß in dem Polizeifahrzeug, das von dem Lastwagen zunächst touchiert worden war. Der Polizist überstand den Unfall unverletzt. Den Lastwagen nahm er als „schwarzen Schatten“ wahr. Mit 89 Stundenkilometern rammte der Lastwagen das Polizeifahrzeug, mit rund 70 Stundenkilometern schließlich den Einsatzwagen der Feuerwehr. Das sagte der Polizist aus.

Angeklagter begeht weitere Straftat

Laut Dekra-Urteil wäre der Unfall vermieden worden, hätte Stefan M. spätestens 90 Meter vor der Einsatzstelle reagiert und gebremst. Die Unfallstelle war weithin zu sehen und der Lichtschein schon laut Zeugen mehr als 1000 Meter vorher erkennbar gewesen. Gebremst hat Stefan M. laut Gutachter jedoch erst, nachdem der Lastwagen den Polizeiwagen touchiert hatte.

Am Ende des Prozesstages sagten drei Zeuginnen aus, die Stefan M. eigenen Angaben nach erkannt hatten, wie er am Vortag nach dem Prozessauftakt auf dem Parkplatz des Amtsgerichtes in einen grauen Golf Typ IV mit Berliner Kennzeichen eingestiegen ist und davonfuhr. Seit dem Unfalltag am 5. September 2017 ist dem Angeklagten der Führerschein entzogen worden.

Von Marion von Imhoff

Wieder hat es auf der Autobahn 2 gekracht. Nach einem Auffahrunfall mit einem Lkw ist der Fahrer eines Kleintransporters eingeklemmt worden. Es gibt erste Erkenntnisse zur Unfallursache.

05.12.2018

Ex-Oberbürgermeister Helmut Schliesing erklärt im MAZ-Interview, was Bulimielernen ist, warum er eher ein Kochbuch als seine Memoiren schreiben würde und wie er den Wandel seines Weggefährten Norbert Langerwisch erlebt.

05.12.2018

Die Gesellschaft TAG Wohnen saniert Wohnblöcke auf dem Görden, in denen es noch Ofenheizungen gibt. Im Januar will sie vier Musterwohnungen präsentieren. Die künftigen Mieten sollen „jobcentergerecht“ sein.

05.12.2018