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Bill Gates macht zwei Brandenburger reich

Millionenschwerer Start-Up-Verkauf an Microsoft Bill Gates macht zwei Brandenburger reich

Zwei ehemalige Von-Saldern-Schüler sind seit dieser Woche Multimillionäre. Das Weltunternehmen Microsoft von Bill Gates hat ihr Berliner Start-Up-Unternehmen „6Wunderkinder“ am Sonntag gekauft. Das Wall Street Journal berichtet, dass der Kaufpreis bei 100 bis 200 Millionen Dollar, also bei bis zu 183 Millionen Euro liege.

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Jan Martin (r.), seine Mutter Andrea (4.v.l.) und Freunde gestern beim Eis auf dem Neustadt-Markt.

Quelle: J. Lauterbach

Brandenburg an der Havel. Die Wiege dieses hart erarbeiteten Geschäftserfolges liegt in der Stadt Brandenburg. Die Firmengesellschafter Christian Reber (28) und Jan Martin (29) hatten das Unternehmen gemeinsam mit ihrem ehemaligen Mitschüler, dem inzwischen ausgeschiedenen Robert Kock, Ende 2010 in Berlin aus der Taufe gehoben. Seither ging es steil nach oben für den Geschäftsführer und Art Director aus Brandenburg.

„Wenn man fünf Jahre lang nur für seinen Traum kämpft, ist es schwierig, plötzlich aufzuwachen, denn die fünf Jahre waren wirklich kein Zuckerschlecken“, sagt Jan Martin. Wer ihn am Mittwoch mit seiner Mutter und im Kreise von Freunden Eis schlecken am Neustädtischen Markt gesehen hat, würde nicht ahnen, dass dort ein Jungunternehmer sitzt, der gerade in die Weltliga aufgestiegen ist, auf dessen Unternehmen Bill Gates persönlich aufmerksam geworden ist.

Schulnoten waren bescheiden

„So richtig realisieren kann man das noch nicht“, erzählt der Brandenburger, der regelmäßig in der Stadt ist, um seine Mutter oder Freunde zu besuchen. Jan Martin wirkt locker, geerdet. Stolz, aber nicht die Bohne überheblich.

Ein Musterschüler des Von Saldern-Gymnasiums war er ganz und gar nicht. „Mein Ehrgeiz ist eher nach der Schule aufgestiegen“, sagt Jan Martin. Die Schulnoten waren sogar so bescheiden, dass seine Klassenlehrerin ihrem Schüler empfahl, sich schon mal eine Brücke zu suchen. „Inzwischen könnte ich mir eine Brücke kaufen“, witzelt der Miterfinder jener App „Wunderlist“, die den Microsoft-Konzern heiß auf die Wunderkinder rund um Christian Reber und Jan Martin gemacht hat.

„Mein Abitur war miserabel“, erinnert sich auch 6-Wunderkinder-Geschäftsführer Christian Reber, der als Business-Star und Gesicht des Start-ups gerade eine Tour durch sämtliche nationale und internationale Medien bewältigt.

Märchen seit 2008

Microsoft übernimmt das Berliner Start-up-Unternehmen 6Wunderkinder. Der Kauf am Sonntag reiht sich ein in die Verjüngungsstrategie des US-amerikanischen Software-Riesen.Mehr als sechs Millionen Menschen nutzen weltweit die digitale To-Do-Liste "Wunderlist" der Berliner App-Entwickler.
Für private Nutzer ist sie kostenlos. Eine kostenpflichtige Version für Geschäftskunden bietet zusätzliche Optionen und wird von etwa 50.000 Unternehmen weltweit genutzt.
Christian Reber, Jan Martin, Robert Kock, Charlette Prevot, Daniel Marschner und Sebastian Scheerer hatten das Unternehmen "6Wunderkinder" 2010 gegründet. Keimzelle war deren Wohngemeinschaft in Berlin.
Für „Innovatics“, ihr erstes Unternehmen, mussten Reber und Martin einst Insolvenz anmelden. Mit dem Nachfolger schreiben sie nun Firmengeschichte.
Angefangen hatte „das Märchen“ im Mai 2008, als Reber er mit seinen drei Kumpels aus Schultagen Internetseiten bastelte oder aufhübschte, als sie Flyer, Logos und Broschüren entwarfen. Die MAZ berichtete bereits 2009 über die innovative Seite von Christian Reber, der bei Null anfing. Damals freute er sich über bis zu fünf Kunden, die "Innovatics" im Monat betreute.
6Wunderkinder soll am Standort Berlin. Reber soll das erfolgreiche Team weiter für Microsoft leiten und die Produktstrategie verantworten.
Vor einem Jahr hatte Reber der MAZ gesagt, er könne sich auch eine Firmengründung in seiner Heimatstadt Brandenburg vorstellen, mit der er sich eng verbunden fühlt.
Schon 2008 wollte er am Neustädtischen Markt ein Büro öffnen, ging dann aber in die Hauptstadt.

Reber war zu Schulzeiten zwar schon ein Meister am Computer. In der Schulnote schlug sich das aber nicht nieder: „Mein Informatiklehrer hat mir grundsätzlich keine Eins gegeben“, erzählt er der MAZ. Das blieb hängen bei Reber, der Ehrgeiz war angestachelt.

Als er sein Team zusammenstellte, scherte er sich kaum um die Noten auf den Zeugnissen. Ihn interessiert die Kunst an der Tastatur, der wache Verstand der Mitarbeiter.

19 Prozent, so heißt es, hat Reber an den 6Wunderkindern gehalten und nun an Microsoft verkauft. Sein Mitstreiter, der mit 5,5 Prozent eingestiegen war und danach zusätzliche Anteile erwarb, will solche Daten nicht kommentieren. Für ihn erfülle sich nach fünf harten Jahren der Traum. Jan Martin: „Es fühlt sich so an, als wäre ich mit diesem außergewöhnliche Team in die Champions League aufgestiegen.“

Nächster Schritt: Eine neue Firma

Seine Mission sieht der Brandenburger erfüllt. Die Hände in den Schoß legen will er trotz des deutlich gestiegenen Wohlstandes keineswegs. Während Christian Geber und die inzwischen 70 Wunderkinder in Berlin weitermachen für Microsoft, denkt Jan Martin an eine eigene Firma. Seinen Mitgründer wird er nicht aus den Augen verlieren. „Das Netzwerk besteht, es wird eher noch enger werden“, prophezeit er.

Eine eigene Wohnung will sich Jan Martin nun nach dem Millionendeal leisten. Ansonsten steht Herumprassen nicht auf dem Programm. Im Eiscafé ist am Mittwoch kein Champagner geflossen, alle sitzen da, als sei nichts passiert. Der Unternehmer hat es nicht nötig auf den Putz zu hauen. Und genau so kennt ihn seine Mutter Andrea Martin. „Mein Sohn vergisst zwar nicht den Spaß am Leben, aber abheben tut er ganz gewiss nicht.“

Dass ihr Sohn ein schlechter Schüler war, hat seine heute besonders stolze Mutter nie an ihrem Sohn zweifeln lassen. „Ich kenne ihn besser als andere und wusste, wie diszipliniert und ehrgeizig er ist, wenn er an etwas glaubt.“

Barbara Jechow, Vize-Schulleiterin des Saldern-Gymnasiums, findet die Leistung der ehemaligen Schüler großartig. Das Gymnasium erhalte häufig Rückmeldungen von Ex-Schülern, die in der oberen Liga spielen. Jechow: „Darauf sind wir natürlich stolz.“

Von Jürgen Lauterbach

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